16-jährig und süchtig

24. Oktober 2019 10:37; Akt: 24.10.2019 10:37 Print

«Als ich 13 Stunden am Handy war, merkte ich es»

Die Schülerin Chae-rin (16) verbrachte mehr als die Hälfte ihres Tages mit dem Smartphone. «Ich konnte nicht aufhören», sagt sie. Nun zog sie die Reissleine.

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«Obwohl ich wusste, dass ich aufhören sollte, Zeit mit dem Handy zu verbringen, machte ich einfach weiter», erzählt die 16-Jährige Chae-rin auf CNN. Eines nachts um 4 Uhr habe sie realisiert, dass sie die letzten 13 Stunden nonstop vor dem Handy-Display verbracht gehabt habe.

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Sie chattete mit Freunden via Kakaotalk, einem beliebten Instant-Messenger in Südkorea, oder scrollte durch ihren Facebook-Feed. «Ich hatte das Gefühl, dass mein Realitätssinn nachliess. Selbst wenn der Tag eigentlich lustig war, fühlte sich alles irgendwie wie ein Traum an», sagt Chae-rin dem TV-Sender.

Einzug ins Detox-Camp

Jae-ho, ihr Vater, machte sich ebenfalls Sorgen um das exzessive Handy-Nutzungsverhalten seiner Tochter. «Wir redeten nicht mehr viel. Jedes Mal, wenn es ums Handy ging, gab es Streit», sagt er. Und: Obwohl er eine Limite von zwei Stunden am Tag festgelegt gehabt habe, habe Chae-rin Möglichkeiten gefunden, diese zu umgehen. Schliesslich habe die Tochter aber freiwillig die Reissleine gezogen.

Sie meldete sich für ein Detox-Camp an. Das Handy wird am Eingang eingezogen. Der Entzug dauert zwölf Tage. Das Camp ist kostenlos und wird von der Regierung finanziert. Einzig eine Gebühr fürs Essen werde fällig, so CNN. Die Jugendlichen werden dort ermutigt, sich handwerklich zu betätigen, Sport zu treiben und sich auszutauschen. Auch Meditieren steht jeden Abend auf dem Programm.

Suchtgefahr Internet

Am ersten Tag des Camps hätten die Kinder jeweils noch einen gequälten Ausdruck auf ihren Gesichtern, erklärt die Camp-Direktorin, Yoo Soon-duk. «Sie fragen sich, was sie hier machen. Ab dem dritten Tag kann man sehen, wie sie sich positiv verändern», sagt sie.

Südkorea ist eines der meist vernetzten Länder der Welt. Laut Pew Research Center haben 95 Prozent aller Erwachsenen im Land ein Handy. «Südkorea ermöglicht den einfachen Zugang zu Online-Games und vielen anderen Aktivitäten im Netz», so Sungwon Roh von der Hanyang Universität in Seoul zu Npr.org. Der Psychiater studiert Internetabhängigkeit. Rund 20 Prozent der Bevölkerung seien durch eine Internetabhängigkeit gefährdet.

Die Detox-Camps sind nur eine Massnahme eines ganzen Pakets, das die Regierung unterstützt. Und wie geht es Chae-rin, nachdem sie zwölf Tage ohne Handy verbracht hat? Sie habe gelernt, wieso sie so viel Zeit vor dem Display verbracht habe. Das habe geholfen, den Teufelskreis zu durchbrechen, sagt sie. Sie verbringe nun pro Tag nur noch rund zwei bis drei Stunden mit dem Smartphone.


«Ich bin 16 Stunden pro Tag am Handy», sagte eine Person bei einer 20-Minuten-Umfrage im vergangenen Jahr. (Video: 20M)

(tob)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppetoni am 24.10.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es besteht immer noch Hoffnung

    Früher war es TV, heute das Smartphone und morgen evtl. das Gegenüber.

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  • Adri3 am 24.10.2019 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur 13 Stunden

    Sie brauchte "nur" 13 Stunden um es zu merken.

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  • Hin Du am 24.10.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Und was?

    «Als ich 13 Stunden am Handy war, merkte ich es», und was? Das der Akku leer war? Und das ein externes Akku-pack auf die Wunschliste für Weihnachten gehört?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hotwith am 27.10.2019 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2-3 stunden

    verbrauche 4-6GB / Mt.das meiste geht fürs radio drauf mit gut 2H/Tag.

  • Höllenschlund am 27.10.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Alfmann am 26.10.2019 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN sagen

    Wer nie gelernt hat NEIN zu sagen, ist potentiell Suchtgefärdet!

  • Tristan15 am 26.10.2019 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    13 oder gar 16 Stunden...

    ...da bleibt wohl keine Zeit mehr für die Arbeit/Schule. Schlafen muss man ja auch noch dazwischen. Der Lohn kommt vom Sozialamt in Form einer lebenslanger Rente!

  • Pablo am 25.10.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gamen

    Als ich noch jung war und den ersten Computer (und spiele) bekommen hab war das auch eine Welt in die man eintauchen konnte und dort war alles ok. Aus Hobby wurde Job und man nimmt wieder ein gesunde Distanz dazu. Anscheinend haben heute viele das Problem das für sie das Smartphone eine Welt zum abtauchen ist. Irgendwann sollte man sein eigenens Verhalten aber erkennen und ändern. Vorallem wenn es auch gefährlich werden kann "Handy am Steuer" ohne zu schauen mit Gesicht im Handy über die Strasse. Wann wachen diese Leute auf?