Cybermobbing

24. Januar 2013 22:04; Akt: 25.01.2013 11:24 Print

«Intime Fotos werden weiterhin verschickt»

von Olaf Kunz - Eine neue Studie zeigt: Nicht nur Aussenseiter werden Opfer von Cybermobbing. Die Schweizerische Kriminalprävention warnt in einer jetzt erschienenen Broschüre davor.

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Eine neue Broschüre klärt auf, wo die Stolpersteine in Sachen Cybermobbing, Abzocke und sexuelle Angriffe im Web liegen. Für Jugendliche (2,19 MB) >>    Für Erwachsene (2,27 MB) >>

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Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) hat eine neue Broschüre herausgebracht, die über die Gefahren des Internets aufklärt. Hauptzweck der Publikation ist es nicht, konkrete Tipps und Tricks zur Gefahrenabwehr zu geben. Vielmehr sollen die Funktionsweise des Web 2.0 und der damit verbundenen Tücken und Fallen aufgezeigt werden. «My little Safebook», so der Titel, ist in zwei Versionen erhältlich: Für Eltern und für Jugendliche.

Umfrage
Wurden schon einmal intime Fotos von Ihnen durch Ihre oder Ihren Ex an Dritte weitergeben oder veröffentlicht?
2 %
3 %
30 %
65 %
Insgesamt 2650 Teilnehmer

Doch sind sich die Jugendlichen einfach der Gefahren des Webs nicht bewusst oder werden diese ganz bewusst in Kauf genommen? Und inwieweit muss die These, dass hautpsächlich Aussenseiter Opfer von Cybermobbing werden, überdacht werden? 20 Minuten Online hat nachgefragt bei Chantal Billaud, Kriminologin und stellvertretende Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention.

20 Minuten Online: Was ist Ihre Motivation, gerade jetzt eine Broschüre zur Sicherheit im Netz herauszugeben?
Chantal Billaud: Aufgrund der neuen Entwicklungen mit Smartphones und sozialen Netzwerken im Web ist es wichtig, auf die damit einhergehenden Gefahren aufmerksam zu machen. Vor allem aber sollen Jugendliche in Sachen Medienkompetenz geschult werden und begreifen, wie die neuen Medien im Grundsatz funktionieren und somit auch, weshalb und bei welcher Art Nutzung Vorsicht angebracht ist.

Cybermobbing ist eines der Hauptthemen der Broschüre. Ist das wirklich nach wie vor ein so grosses Problem?
Die Erfahrungen aus Schulen und auch von der Polizei zeigen, dass es wirklich sehr weit verbreitet ist. Wir haben keine konkreten Zahlen dazu. Aber fast täglich erfahren wir von neuen Fällen, auch wenn mittlerweile die Kampagnen gegen Cybermobbing und die Diskussion um besonders krasse Fälle erste Früchte tragen in Sachen Vorbeugung und viele schon vorsichtiger sind.

Eine neue Studie der Pennsylvania State University kommt zur Erkenntnis, dass gar nicht unbedingt Aussenseiter von Cybermobbing betroffen sind, sondern durchaus auch beliebte Jugendliche mit einem grossen Freundeskreis. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Die Praxis zeigt: Es kann prinzipiell jeden treffen. Es muss tatsächlich nicht unbedingt ein Aussenseiter sein. Die Erfahrung zeigt aber, dass es eine Angriffsfläche in Form einer Abweichung von der Gruppennorm braucht. Eine neue Freundschaft, Frisur, Musikrichtung, etc. Das kann schon ausreichen, dass sich eine Gruppe gegen eine einzelne Person zusammenschliesst und im Web eine Mobbing-Aktion startet. Zudem zeigt sich bald auch eine Eigendynamik.

Mal rein theoretisch: Würde sich die Wahrscheinlichkeit, im Web gemobbt zu werden, drastisch verringern, wenn man nicht Mitglied auf Social-Media-Plattformen ist?
Ich würde sagen ja, denn das eigene Profil, Fotos oder gewisse Postings bieten zusätzliche Angriffsfläche. Aber Cybermobbing beginnt meist im realen Leben. Die Ausschlussdynamik setzt sich dann im Web fort und bekommt dort eine zusätzliche Dimension, die für die Opfer schwer zu ertragen ist. Die Angriffe verbreiten sich schnell und unkontrollierbar und manchmal auch aus der Anonymität.

Was sind denn die Hauptmotive, die Täter zu Cybermobbing-Attacken antreiben?
Es ist eine Form der Coolness und der Machtausübung, jemanden fertig zu machen und dafür möglichst auch noch Applaus und Anerkennung von anderen zu bekommen. Mobbing braucht Publikum. Gewisse TV-Sendegefässe verfolgen dasselbe Prinzip. Dieter Bohlen gefällt ja den Zuschauern, weil er so gut einzelne fertigmachen kann. Im Netz sinken die Hemmschwellen natürlich noch weiter und jeder kann sich selber leicht als Bohlen aufspielen.

Facebook setzt ja bei Änderungen am System immer mal wieder gerne die Privatsphären-Einstellungen auf ihren selber definierten Standard zurück. Kann man etwas dagegen tun?
Also der einzelne User eigentlich nicht. Auch wir oder andere einzelne Institutionen haben keinen Einfluss auf so grosse Plattformen wie Facebook. Die Anliegen von NGOs in Sachen Sicherheit und Privatsphäre fallen dort nicht unbedingt auf fruchtbaren Boden. In der Tat sind die laufenden Änderungen ein Ärgernis. Früher haben wir Filme herausgegeben, in denen wir zeigten, welche Einstellungen User bei Facebook vornehmen sollten. Mittlerweile aber konzentrieren wir uns darauf, den Benutzern so gut als möglich einzubrennen, die Sicherheitsstandards immer wieder zu kontrollieren und sich selber dazu auf dem Laufenden zu halten.

Ist es eigentlich tatsächlich reine Unwissenheit von Jugendlichen, die intime Fotos von sich ins Netz stellen, oder werden solche Risiken bewusst in Kauf genommen – zum Beispiel, um von sich reden zu machen?
Sexting ist unter Jugendlichen ein grosses Problem. Es ist aber nicht so, dass sie sich der Möglichkeit, dass solche Bilder Dritte in die Hände kriegen, nicht bewusst sind. Aber es mangelt ihnen noch an psychosozialer Kompetenz bezüglich Beziehungen. Man könnte auch sagen: Viele Jugendliche sind in Bezug auf die ersten Beziehungen naiv. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihr Schatz in ein paar Monaten schlimmstenfalls zu einem Racheengel mutieren könnte.

Liebe versus Vernunft - läuft in dieser Hinsicht also alle Prävention ins Leere?
Keinesfalls. Wir stellen auch fest, dass auf diesem Gebiet eine Sensibilisierung stattfindet. Intime Fotos werden auch weiterhin verschickt. Aber immer häufiger werden zum Beispiel bei Oben-ohne-Bildern die Gesichter unkenntlich gemacht, bevor sie verschickt werden. Das zeugt ja von einem gewissen Risikobewusstsein. Besser wäre natürlich, wenn eine Freundschaft keine Liebesbeweise in Form von allzu freizügigen Bildern nötig hätte.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Bei uns existieren keine solchen Bilder. Man darf sich einfach nicht so fotografieren lassen, dann kann das auch nicht passieren. Das ist ganz einfach. – Erika

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruder Motzi am 25.01.2013 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit von Jugendlichen?

    Schwachsinn, die wissen heute sehr genau, auf was sie sich einlassen. Wahrscheinlich ein ungesundes Minderwertigkeitsgefühl, das sie treibt, so unter dem Motto: "Seht alle her, ich sehe geil aus" oder ähnlich.

  • Martin am 24.01.2013 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nicht

    Meine Antwort auf die Umfrage oben. Ich hätte ja gewiss nichts dagegen, wenn mein prachtvoller durchtrainierter Körper auch in der Öffentlichkeit noch ein wenig Werbung für sich und mich machen könnte :) Schon ewig versuche ich krampfhaft meine Nacktbilder unter die Leute zu bringen, aber aus mir unverstädlichen Gründen, scheint sich bisher niemand dafür zu interessieren :(

  • Madame am 25.01.2013 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Baby, I like it...

    Ich (mehr oder weniger) erwachsen und mache das auch - an meine Affäre, der ich vertraue. Selbstverständlich erkennt man mich nicht darauf. Aber darauf verzichten möchte ich nicht ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • antaa tadi am 25.01.2013 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sixteen

    Bin eine Sechzehnjährige und mache keine Nacktfotos oder Videos, weil ich auch hübsch bin, wenn ich meine Kleider an habe. ;)

  • Frau/Weissnicht am 25.01.2013 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso denn eigentlich?

    Ich verstehe gar nicht, warum die Leute das so toll finden, 'nackte Tatsachen' herumzuschicken, auszutauschen, zu veröffentlichen... Ich und mein Freund brauchen das nicht..... für was denn???

  • Katrin am 25.01.2013 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig

    Also ich stelle regelmässig Nacktbilder von mir selbst ins Netz. Ich bin stolz auf meinen Körper und meine Sexualität und habe nichts zu verbergen. Wer verklemmt ist soll halt auch keine Nacktbilder von sich machen oder machen lassen.

    • manu am 25.01.2013 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      wie recht sie doch haben

      schliesslich soll der zukünftige chef doch wissen wen er anstellt. letzten endes ist das wirklich ihre freie entscheidung, aber ob sie damit auch in 10 jahren noch leben können...

    • Rebi am 25.01.2013 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      Verklemmt ? Nei einfach nicht doof.

      Bis der verklemmte Arbeitgeber dies anders sieht. Nur weil du jetzt kein Problem damit hast, gilt dies nicht für die Zukunft. Die Kinder oder wer auch immer könnte deine Meinung ändern. Nur das Internet vergisst nicht.

    • Klassenprimus am 25.01.2013 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Warum verklemmt?

      Das hat doch nichts mit verklemmt sein zu tun! Gibt Menschen, die haben es schlicht nicht nötig, Bilder von sich als Wichsvorlage ins Netz zu stellen. Du brauchst wohl eher Aufmerksamkeit/Bestätigung.

    • Fritz am 25.01.2013 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso?

      @Katrin...Tust du das, um dein Selbstbewusstsein zu stärken?

    • Dani am 25.01.2013 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Komplexe

      Persönlich bin ich der Meinung, dass nicht die Verklemmtheit der Grund ist, dass sich manche Leute nicht nackt im Netz zeigen möchten sondern dass eher diejenigen die das tun einen enormen selbstwert-komplex haben. Jeden Tag sehe ich Bilder (vorwiegend Frauen) welche sich selber fotografieren und ins netz stellen um Aufmerksamkeit und Lob zu erhalten. Wie arm ist denn das bitte? Einfach völlig bescheuert und unreif! :)

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  • Jinluck S. am 25.01.2013 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo...

    was soll die obere umfrage, das problem betrifft schüler und jugendliche, 20min Leser sind eine andere gruppe.

  • Jerome P. am 25.01.2013 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Von mir existieren viele Dateien.

    wo ist das Problem? Ich habe mit den meisten Ex ein paar Filmchen und Bilder gemacht. Wir beide haben die Dateien. Ich habe sie auch schon gezeigt aber nie weiter geschickt oder veröffentlicht, auch wenn ich teilweise nicht immer ein gutes Verhältniss zur Ex pflege oder pflegte. Sowas macht man einfach nicht. Mir ist das auch egal wem sie es zeigt oder veröffentlicht. Wir sind Menschen und sehen unten alle mehr oder weniger gleich aus und haben die gleichen Bedürfnisse. Wenn einer mich beim Akt sehen will und es ihm oder ihr freude macht, dann soll er es halt anschauen. Alte Bilder sind schön.