Schlaue Köpfe

17. April 2012 07:09; Akt: 17.04.2012 07:24 Print

«Mehr verdienen als Tiger Woods»

von Marcus Wohlsen, ap - Das Internet-Startup Kaggle macht aus der Analyse riesiger Datenmengen einen sportlichen Wettbewerb. Das Zauberwort lautet Crowdsourcing.

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Kaggles Chef-Wissenschaftler Jeremy Howard posiert vor einer Nasa-Rakete in Mountain View, Kalifornien. (Bild: Keystone/AP/Paul Sakuma)

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Hinter tristen Zahlen verbergen sich oft merkwürdige Geheimnisse. Etwa das, dass ein oranger Occasions-Wagen vermutlich die wenigsten Probleme macht. Das zumindest hat ein Datenspezialist mit dem Internetpseudonym SirGuessalot zusammen mit seinem Partner PlanetThanet herausgefunden. Sie beteiligten sich an einem Wettbewerb, den das Startup Kaggle über seine Website vermittelte. Es will das Wissen und die Fähigkeiten der Internetnutzer weltweit nutzen, um zu besseren Ergebnissen bei der Analyse grosser Datenmengen zu kommen.

«Wettbewerbe bringen Menschen aus verschiedenen Bereichen mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen zusammen», erklärt Jeremy Howard, der Chefwissenschaftler von Kaggle, der selbst schon etliche Wettbewerbe gewonnen hat. «So beschäftigen sich Menschen mit Sachen, die sie sich nie angesehen hätten.»

Formeln entwickeln

Der Wettbewerb zu den Gebrauchtwagen war zwar nur Spass, aber Kaggle hat vor allem weit grössere wissenschaftliche Probleme im Blick. Viele Fragen seien so wichtig, dass diejenigen, die sie lösen, wie Profisportler bezahlt werden sollten, sagt Kaggle-Gründer Anthony Goldbloom. «Wir wollen erleben, dass die besten Daten-Wissenschaftler mehr verdienen als Tiger Woods», sagt Goldbloom. Wie es scheint, ist er auf dem besten Weg. In einem der derzeit laufenden Wettbewerbe (Restzeit noch elf Monate), geht es immerhin um drei Millionen Dollar.

Die Analyse der inzwischen immer grösser werdenden Datenmengen, der «Big Data», ist für Unternehmen zu einer echten Herausforderung und zu einem interessanten Geschäftsbereich geworden. Bei den Wettbewerben auf Kaggle geht es darum, Formeln zu entwickeln und zu testen, um aus diesen Datenmassen die gewünschten Informationen herauszulesen.

Das Letzte aus den Daten herausholen

Goldbloom ist dabei der Überzeugung, dass Unternehmen noch so viele Spezialisten einstellen können, sie werden aber nie auf die beste Lösung kommen, wenn sie nur auf die eigenen Kräfte setzen. In einem Kaggle-Wettbewerb sehen die Teilnehmer sofort, wenn sie einen Vorschlag einreichen, wie dieser im Vergleich zu denen der Konkurrenten abschneidet. Bis zum Ende der Ausschreibung können sie ihre Formel dann weiter verbessern. Dabei gebe es gerade in der Anfangsphase eines Wettbewerbs riesige Fortschritte, sagt Goldbloom. Das helfe, die bestmögliche Lösung zu finden. «Mit Crowdsourcing kann man das Letzte aus den Daten herauspressen», sagt Goldbloom.

Ob die Teilnehmer an den Wettbewerben in Zukunft von ihrer Arbeit leben können, wie das die Kaggle-Gründer hoffen, wird sich noch zeigen müssen. Drei Millionen Dollar hat das Medizinunternehmen Heritage Provider Network für eine Formel ausgeschrieben, mit der vorhergesagt werden kann, welche Menschen vermutlich in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Die mit 100 000 Dollar derzeit zweithöchste Summe bietet die Hewlett Foundation für einen Algorithmus, mit dem automatisch Aufsätze von Schülern bewertet werden können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Menschen Verstand am 17.04.2012 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Super Investition

    Wenn man sich überlegt, welchen Aufwand sich die "Sponsoren" damit in Zukunft ersparen können, ist das Gewinngeld ein Klacks! Gute Investition also ... :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Menschen Verstand am 17.04.2012 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Super Investition

    Wenn man sich überlegt, welchen Aufwand sich die "Sponsoren" damit in Zukunft ersparen können, ist das Gewinngeld ein Klacks! Gute Investition also ... :-)