«Momo ist tot»

04. März 2019 13:07; Akt: 04.03.2019 13:12 Print

Künstler zerstört seine umstrittene Geisterpuppe

Der Internet-Hoax Momo basiert auf einer Geisterpuppe aus Japan. Nun hat der 46-jährige Künstler die Figur zerstört.

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«Momo ist tot – sie existiert nicht mehr und der Fluch ist gebrochen», erklärt der 46-jährige Künstler Keisuke Aiso im Februar 2019 gegenüber «The Sun». Hier ist Aiso in einem spanischen TV-Beitrag zu sehen. Der japanische Künstler hatte die Figur «Mother Bird» im Jahr 2016 für eine Ausstellung erschaffen. Er erklärte, dass die Figur von einer japanischen Geistergeschichte inspiriert worden sei. Darin geht es um eine Frau, die während einer Geburt stirbt und dann als Vogelfrau in der Region herumspukt. Seit Monaten geistert Aisos Gruselfigur als Momo durchs Netz. In dubiosen Kettenbriefen wurde gewarnt, dass die dämonische Figur Nutzer aufgefordert haben solle, sich und anderen Schaden zuzufügen. Die spanische Polizei warnte bereits im Juni davor, dass man die angegebene Nummer nicht bei Whatsapp hinzufügen solle. Erst später schwappte das Phänomen auch in die deutsche Sprachregion über. Wer hinter dem Momo-Phänomen steckt, ist bis heute nicht klar. Auf dem Messenger Whatsapp kursieren immer wieder seltsame Nachrichten. Die meisten sind lediglich als Spass gedacht, einige können aber auch gefährlich sein. Diese Nachricht wurde im November 2018 verschickt. Es geht darum, ein Rätsel zu lösen. Als Strafe für das falsche Beantworten sollten die Nutzer drei Tage lang ein Bild des Dabbing Santa Claus als Profilbild verwenden. Im Jahr 2016 kursierte bei deutschen Schülern ein Kettenbrief mit einer Morddrohung in Form einer Spachnachricht. «Hi, ich bin Nico und neun Jahre alt», scheppert eine Stimme aus dem Smartphone, «und mein Gesicht ist voller Blut.» Der Absender der unheimlichen Whatsapp-Botschaft forderte den Hörer auf, die Nachricht innert 20 Minuten an mindestens 20 Freunde weiterzuleiten. «Sonst komme ich um Mitternacht zu dir und bringe dich um», drohte die Stimme. Dieses Bild aus einem Youtube-Clip soll Teresa darstellen. «Ich beobachte dich die ganze Nacht», kündigt die Frau in einem Kettenbrief an. «Wenn du dies nicht an 20 Personen weiterschickst, schlafe ich ab heute in deinem Bett.» Angeblich soll Teresa bei einem Autounfall gestorben sein. Der Kettenbrief machte jedoch lediglich Werbung für einen portugiesischen Film. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich 2015 die Warnung vor einem Link, der sich bei Anklicken angeblich als Virus entpuppen würde. Die Nachricht, die mit dem Betreff «On est tous Paris» oder «We all are Paris» als E-Mail, SMS oder Whatsapp verschickt wurde, entpuppte sich als Falschmeldung. Vor etwa sechs Jahren kursierte ein Kettenbrief, der behauptete, dass Whatsapp für die Nutzer kostenpflichtig werde. Um Whatsapp weiterhin kostenlos verwenden zu können, müsse man sich als Vielnutzer kennzeichnen. Dazu gelte es, die Nachricht an zehn weitere Personen zu senden. Es war alles Humbug. Streng genommen fällt auch die sogenannte Ice Bucket Challenge, die vor etwa vier Jahren aktuell war, unter die Kategorie der Kettenbriefe. Meist auf Facebook wurden Personen getaggt, die es dem Video gleichtun sollten. Mit dabei waren neben George W. Bush (Bild) auch Promis wie Roger Federer oder Bill Gates. Ein weiteres Beispiel ist dieser Kettenbrief, der 5000 kostenlose Schuhe von Adidas verspricht. Natürlich existieren diese Gratisschuhe nicht, denn die verlinkte Website führt zwar angeblich zu Adidas.com. Beim genaueren Betrachten lautet die Adresse jedoch Adîdas.com, eine fast identische URL, bei der das i jedoch aus einem Sonderzeichen besteht. Das Motiv lag hier wohl dabei, an Daten von ahnungslosen Nutzern zu gelangen. Sogar möglicherweise lebensbedrohlich war dieser Kettenbrief. Er gab Tipps, wie man sich bei einem Herzinfarkt Zeit verschaffen könne, und zwar, indem man speziell hustet. Dies nützt bei einem Herzinfarkt jedoch gar nichts. Stattdessen sollte man sich Hilfe holen oder den Notfall anrufen.

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Seit Monaten geistert die Gruselfigur mit den grossen Augen und den Hühnerbeinen durchs Netz. Momo, so nennt sich das Phänomen, basiert auf einer Puppe des 46-jährigen Künstlers Keisuke Aiso aus Japan. Er hatte die Figur namens «Mother Bird» im Jahr 2016 für eine Ausstellung erschaffen.

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Die Puppe habe er bereits letzten Herbst zerstört. «Momo ist tot – sie existiert nicht mehr und der Fluch ist gebrochen», erklärt Aiso nun gegenüber «The Sun». Er erläuterte, dass die Figur von einer japanischen Geistergeschichte inspiriert worden sei. Darin gehe es um eine Frau, die während der Geburt sterbe und dann als Vogelfrau in der Region herumspuke. Er sagte, es sei niemals seine Absicht gewesen, Kindern einen Schaden zuzufügen.

Die Anatomie des Hoax

Momo sorgte für Albträume in der Schweiz und zwang Whatsapp sogar, seinen Messenger einzuschränken.

In dubiosen Kettenbriefen wurde gewarnt, dass die dämonische Figur Nutzer aufgefordert haben solle, sich und anderen Schaden zuzufügen. In Frankreich soll Momo letzten November zu einem Todesfall geführt haben. Die Berichterstattung über diese sogenannte Momo-Challenge hat die Polizei und Schulen veranlasst, vor dem Phänomen zu warnen.

Social-Media-Star Kim Kardashian mit ihren 129 Millionen Followern hat Ende Februar den Hype weiter befeuert. Sie warnte davor, dass die Figur plötzlich mitten in harmlosen Kindervideos auf Youtube auftauche. Youtube hat die Meldung entschieden dementiert.

Wer hinter dem Momo-Phänomen steckt, ist bis heute nicht klar. Ihren Ursprung könnte es auf Reddit.com genommen haben, wie Vox.com berichtet. Das Bild der Figur tauchte auch auf der Flirting-App namens Momo in China auf. Dort wurde es unter dem Motto «Kimo Kawa» («eklig, aber süss») verbreitet, wie der Tech-Journalist Lance Ulanoff auf Medium.com schreibt. Die Fact-Checking-Website Snopes.com schrieb Ende Februar, dass die Geschichte rund um Momo mehr Hype und Humbug als Realität sei.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Momo am 04.03.2019 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wem juckts?

    Bin ich der einzige, dem es nicht juckt?

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  • a.sch. am 04.03.2019 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    demfall nicht nur ein Bild

    wusste garnicht das zuerst ein skulptur (kunstwerk) war, ich kenne es nur von kettenbrief (whatsapp)

  • Mann aka Jeremy am 04.03.2019 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder ist die Welt

    ein bisschen schöner geworden

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robert am 04.03.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Kinder mit Smartphones?

    Jeder lacht darüber, und diejenigen die nicht darüber lachen sind wohl in einem Alter, in welchem sie kein Smartphone haben sollten - oder nicht unbeaufsichtigt an so einem rumspielen könnten. Ich bin für die Technik und auch dass Kinder lernen, damit umzugehen. Aber damit meine ich nicht Youtube Videos schauen und Whatsapp zu nutzen. Filme schauen und Spiele spielen heisst nicht, dass ein Kind / Jugendlicher mit der Technik umgehen kann. Aber Lernen und Erziehung ist heutzutage ja nur noch nebenbei wichtig.

  • Wörni am 04.03.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einsichtig ist sehr gut.

    Gott sei Dank, der Künstler hat eingesehen, dass dies nicht geht. Ein Dankeschön für diese Einsicht.

  • Lehrein am 04.03.2019 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ende in Sicht???

    Wäre schön,wenn mit der Zerstörung der Puppe auch das ganze Theater im Internet aufhören würde.Meine Schüler waren zum Teil sehr schockiert, resp.hatten Angst,dass das passiert,was die Nachrichten sagen.Verbauchte einiges an Unterrichtszeit um die Wogen zu glätten!

    • kiki am 05.03.2019 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Endlich mal was gescheites!

      Ich finde "Aufklärung" keine verschwendete Zeit! Im Gegenteil! Sind sie tatsächlich Lehrerin? Genau die Gegenwart und die jetzigen Gefahren müssen den Kindern erklärt werden. Die "Geschichte" darf auch Platz finden, nur nicht so detailiert. Wen's interessiert darf sich gerne selber weiter informieren. Jedoch Jahrzahlen über die Kriege auswendig lernen bringt nichts. ps. Nach eim Punkt oder Komma sollten Sie einen Leerschlag setzen.

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  • Fea am 04.03.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Puppe hübsch wäre

    Würde sie keiner sehen wollen.

  • Mama am 04.03.2019 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pietätslos

    Die Puppe wirkt verstörend.