Sammelklage

11. Oktober 2019 06:44; Akt: 11.10.2019 07:28 Print

«Sie machen dich bewusst abhängig von dem Spiel»

von Joshua Cruiser* - Gegen Epic Games wird eine Klage eingereicht. Der Entwickler soll mit «Fortnite» bewusst ein Spiel erschaffen haben, das «stark abhängig macht».

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Rund 250 Millionen Spieler sind begeistert von «Fortnite». Dass das so ist, ist kein Zufall. Daran glauben kanadische Anwälte, die zwei Spieler im Alter von 10 und 15 Jahren – respektive deren Eltern – vertreten. Die Minderjährigen hätten seit 2017 knapp 2000, respektive 7700 Runden gespielt. «Der Entwickler Epic Games hat Psychologen eingestellt. Sie sind bemüht, das Game so süchtig machend wie möglich zu gestalten», sagt die Anwältin Alessandra Esposito Chartrand zu Eurogamer.net.

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Die Kläger ziehen Parallelen zu einem Fall in Kanada von 2015. Damals ging es darum, dass die Tabakfirmen ihre Kunden zu wenig vor den Gefahren des Rauchens gewarnt haben. «Es ist hier die gleiche Rechtsgrundlage. Die Pflicht zur Information über ein gefährliches Produkt liegt auch hier in der Verantwortung des Herstellers», so Chartrand zu Cba.ca.

Vergleich mit Kokain

Der Entwickler soll die Spieler laut den Klägern bewusst dazu animieren, so viel Zeit wie möglich mit dem Spiel zu verbringen und dabei echtes Geld zu investieren. Spieler können In-Game-Währung, vBucks, kaufen. Für 1000 vBucks bezahlt man im Spiel rund 10 Franken. Sogenannte Skins (Outfits) kosten zwischen 800 bis 2000 vBucks.

In der Sammelklage wird die Wirkung des Spiels mit jener von Kokain verglichen. Es ist nicht das erste Mal, dass «Fortnite» harten Betäubungsmitteln gegenübergestellt wird. Mitte Jahr forderten auch Experten in der Schweiz, Videospiele auf ihre Suchtgefahr hin zu prüfen.

«Am meisten Suchtfälle haben wir derzeit bei ‹Fortnite›», sagte damals Franz Eidenbenz, Leiter Behandlung des Zentrums für Spielsucht bei Radix. Der Psychologe fügte an: «‹Fortnite› ist das Heroin unter den Computerspielen.» Dass Videospiele süchtig machen sollen, ist nicht neu. Die WHO klassifiziert die Game-Sucht seit 2018 offiziell als Krankheit. Verbote seien aber keine Lösung, sagen hiesige Experten. Grundsätzlich seien sie gegen jede Stigmatisierung, denn immerhin hätten 99 Prozent der Spielenden kein Suchtproblem.

Wie sieht es bei dir aus?

Forscher der Universität Ulm haben nach eigenen Angaben den weltweit ersten psychologischen Test zur Untersuchung der Computerspielsucht entwickelt. Der Test sei bereits anhand einer Stichprobe von mehr als 550 Studenten aus Grossbritannien und China überprüft worden, erklärt die Universität Ulm in eine Mitteilung. Auf Gaming-disorder.org kannst du dein eigenes Spielverhalten analysieren.

*Joshua Cruiser (16) und nicik_01 (17) springen bei «Fortnite» regelmässig aus dem Battle-Bus. Für 20 Minuten schreiben sie über das Spiel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrX8600 am 11.10.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug alt

    Sorry jeder ist genug alt um dies selber zu erkennen. Und jedes Kind hat auch Eltern - Und diese sind verantwortlich und niemand sonst...

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  • Geniesserin einer guten Erziehung am 11.10.2019 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Da muss man nicht das Spiel, sondern die Eltern verklagen, die ihre Kinder so lange "gamen" lassen....

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  • Ötzi am 11.10.2019 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Tja der Mensch

    Der Mensch ist und bleibt Mensch... manipulierbar, steuerbar und ausnutzbar in der Menge. Sollen jetzt auch die Supermärkte verklagt werden, weil die Regaleinteilung psychologisch optimiert ist? Den gleichen Aufwand vielleicht eher für Aufklärung betreiben als für die Klagen dagegen, ist ja ein Fass ohne Boden und die Süchtigen werden ihrer Sucht frönen, die finden wieder was neues..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gloria derungs am 12.10.2019 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abhängigkeit?

    naja, dann muss ich nachträglich namco verklagen, pac man und xevious waren meine favoriten. stundenlanges gamen haben mich abhängig gemacht, jetzt will eine genugtuung :-)

  • Work Iker am 12.10.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe

    Kann ich meinen Arbeitgeber verklagen, bin süchtig nach Arbeit, mache das schon 30 Jahre, jeweils 40 Stunden pro Woche!

  • Crassus, Bern am 12.10.2019 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Birewich

    Bireweich, zuerst renne ich demnächst in eine Wand und verlange dann vom Besitzer Schadenersatz.

  • Thomas W. am 12.10.2019 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atmen ist eine Sucht

    ohne diese Sucht kann ich nicht leben. Wenn kann icv verklagen? Die Kirche? Den Staat? (Ironie pur)

  • Ex Junkie am 12.10.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spiele machen süchtig

    Ich habe ein Computerspiel von 8-12 Jahren intensiv gespielt, ein Onlinespiel von 10-15 Jahren und Call of Duty 15-19. Heute bin ich 25 und immer wenn ich an die Spiele denke, merke ich, wie ein Teil tief in mir immer noch nach diesem Dopamin-Kick giert. Da ich auch ehemaliger Raucher bin, kann ich sagen, dass eine Spielsucht genau so intensiv sein kann, wie eine stoffgebundene Sucht. Ein Mindestalter wäre deshalb wirklich wichtig aber dieses muss primär durch die Eltern durchgesetzt werden...