Virtuelle Tiefe

07. Januar 2019 15:59; Akt: 07.01.2019 15:59 Print

«Smarte Brillen werden unseren Alltag prägen»

Las Vegas ist diese Woche der Mittelpunkt der Tech-Industrie. Das Start-up Creal3d aus der Schweiz reist für die Consumer Electronics Show in die USA.

Wie die Technik von Creal3d funktioniert, sehen Sie im Clip. (Video: Creal3d)
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An der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigen grosse, aber auch bisher unbekannte Hersteller ihre neuesten Produkte und Innovationen. Auch das 2017 gegründete EPFL-Spin-off Creal3d ist mit dabei. Das Westschweizer Start-up forscht und arbeitet an der Verschmelzung zwischen realer und virtueller Welt.

Umfrage
Was halten Sie von Augmented Reality?

Herr Sluka, Sie haben Creal3d mitgegründet und sind als CEO tätig. Woran arbeiten Sie genau?
Wir stellen Brillen her, die in der Lage sind, wirklich dreidimensionale virtuelle Bilder vor Ihren Augen zu erzeugen – sogenannte Hellfeldbilder. Ich sage wirklich 3-D, weil es dem natürlichen Bedürfnis unserer Augen entspricht, den Fokus zwischen nahen und fernen Objekten zu wechseln.

Was genau meinen Sie damit?
Jeder kann das ausprobieren. Schauen Sie einfach mit einem Auge auf Ihren Finger und dann auf etwas weiter hinten. Ihr Auge ändert den Fokus automatisch. Dieser Effekt fehlt derzeit bei allen Virtual- und Mixed-Reality-Brillen völlig. Sie liefern nur flache Bilder, die im Widerspruch zur Realität stehen und uns Augenprobleme und Übelkeit bereiten. Das Lichtfeld beseitigt diese Probleme.

Sie sind diese Woche mit Creal3d an der CES vor Ort. Was erwarten Sie von der Messe?
Wir wollen mit einem neuen Prototyp eines Lichtfeldprojektors, den wir noch in diesem Jahr verkaufen wollen, aktuelle und neue Partner und potenzielle Kunden begeistern. Zudem möchten wir unser Produkt mit dem aktuellen Stand der Technik in diesem Bereich vergleichen. Ausserdem werden wir bestehende und neue Investoren treffen, um mit diesen über die nächste Finanzierungsrunde zu sprechen.

Welches sind ideale Anwendungen für Ihre Technologie?
In der sogenannten Mixed Reality, bei der man reale und virtuelle Objekte nebeneinander sehen möchte, beispielsweise virtuelle Uhren am eigenen Handgelenk. Erste Anwendungen erwarten wir im Industriedesign und im Gesundheitswesen. Wir sind davon überzeugt, dass echte 3-D-Bilder, wie wir sie herstellen, ein notwendiger Bestandteil aller intelligenten Brillen sind, die in wenigen Jahren voraussichtlich unsere Smartphones ersetzen werden.

Was sind Ihre langfristigen Ziele als Unternehmen und wie weit sind Sie?
Wir wollen unsere Lichtfeldtechnologie für viele, wenn nicht sogar alle Virtual- und Mixed-Reality-Brillen anbieten. Unser Geschäftsmodell ist ähnlich wie bei Dolby im Audiobereich. Wir entwickeln das Design und verkaufen eine Lizenz an die Hersteller. Bevor wir diese Lizenzvereinbarungen treffen, wollen wir zudem in den nächsten zwei bis drei Jahren eine eigene Hardware-Produktion aufbauen.

Die Begriffe Augmented und Virtual Reality gibt es schon seit Langem. Warum wurde die Technik bislang noch nicht von mehr Menschen genutzt?
Es ist einfach noch nicht gut genug. Die meisten Menschen fühlen sich nach wenigen Minuten – oder wie in meinem Fall sofort – unwohl. Der visuelle Konflikt, den wir mit unserer Technologie beseitigen, ist einer der kritischen und ungelösten Gründe für dieses Unbehagen. Die Ergänzung von Tiefe in virtuellen Bildern ist vergleichbar mit dem Hinzufügen von Farben. Wir haben Farbbildschirme, weil wir Farben sehen. Und wir werden künftig Bilder mit wahrer Tiefe haben, weil wir auch sonst Tiefe sehen – und dies wird sogar mit einem Auge möglich sein.

Kann Augmented Reality unseren Alltag verändern?
Es wird unser Leben genauso revolutionieren wie das Internet oder Smartphones. Stellen Sie sich vor, Sie könnten das Internet in die Realität übertragen. Sie werden Kontextinformationen in der realen Welt sehen, wenn Sie diese benötigen. Beispielsweise beim Einkaufen, Autofahren, Arbeiten oder beim Kochen. Wir sind davon überzeugt, dass intelligente Brillen, die dies ermöglichen, ein natürlicher nächster Schritt in der Entwicklung der menschlichen Informations- und Kommunikationstechnologie sein werden.

Werden also viele von uns solche Augmented-Reality-Brillen tragen?
Die intelligenten Brillen werden ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens werden. Mehr als Smartphones heute. Virtuelle Objekte werden dann auf den ersten Blick nicht mehr von der Realität zu unterscheiden sein. Das wird aber noch einige Zeit dauern. Die ersten Anwender werden wohl vor allem Fachleute im Gesundheitswesen sein, die ohne Schreibtisch arbeiten, aber dennoch etwa medizinische Daten benötigen.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darkmind am 07.01.2019 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    SmartXY

    Unsere Umgebung und Gegenstände werden immer smarter, während wir immer dümmer werden ;)

    einklappen einklappen
  • Gregor am 07.01.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnstress

    Als hätten wir noch keine Reizüberflutung. Werden die Handyzombies halt durch Brillenzombies abgelöst.

  • Der Russe am 07.01.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine neue Idee

    Ja genau... man hat ja bei den Google glasses gesehen wie dringend nötig dieser Quatsch ist

Die neusten Leser-Kommentare

  • Päde am 08.01.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Matrix

    Das wär dann die Simulation in der Simulation selbst;)

  • Der echte Mike am 08.01.2019 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überflüssig

    Ich bin Brillenträger. Gibt's die dann auch mit Korrekter? :-) Nein, im Ernst: Wer braucht sowas? Also ich hoffentlich nicht!

  • Alfmann am 08.01.2019 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Smart

    Das Auto ist Smart, das Mobile Phone und jetzt auch noch die Brille. Wenn doch nur endlich die Leute Smart würden!

  • Oldie am 08.01.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lug und Trug....

    Gefährlich wirds ja dann, wenn die SMART GLASSES smarter sind als ihre Träger.. und das dürfte nicht mehr allzulange dauern.. wenns nicht sogar schon passiert ist. Nix tun, nix schaffen, nix bewirken, nur konsumieren vorne rein und hinten ausspucken. Wenn das die Zukunft ist bin ich ganz froh dass ich vor 40 jahren Teenie war.. und nicht heute..

  • Andy am 08.01.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Morph Glas wäre die Zukunft

    Ich möchte wirklich eine Smart Glasses haben. Doch Virtual Realtiy brauche ich nicht wirklich. Morph Glass wäre was ich will. Glässer die mit meinem Alter sich an meine Sehbedürfnisse anpassen, ohne das ich jedes mal zum Optiker für neue Gläser rennen muss. Natürlich VR als Info kommen und Leitz & Co arbeiten daran. Doch will ich all diese Info's! Nur bei bedarf. Morph Gläser sollten sich an die Umgebung anpassen und Gleitsicht Funktion haben. Der der das Erfindet schaltet natürlich alle Konkurrenz aus. doch ich bezahle heute ohne Probleme CHF 1500 für meine Gläser.