Park-it-Gründerin

24. Juni 2013 17:22; Akt: 24.06.2013 19:13 Print

«Unsere Parkplatz-App lässt sich nicht verbieten»

von Oliver Wietlisbach - In grösseren Schweizer Städten lassen sich Parkplätze neuerdings mit Smartphone-Apps mieten. «Das ist effizient und ökologisch», sagen die Anbieter. Grüne Politiker befürchten Mehrverkehr.

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Die Gretchenfrage: Führen geteilte Parkplätze zu mehr oder weniger Verkehr? (Bild: Keystone/AP)

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Seit Anfang Jahr lassen sich in Zürich und einigen anderen grossen Schweizer Städten Parkplätze mit Smartphone-Apps im Voraus reservieren. Das Prinzip ist rasch erklärt: Unternehmen und Private können ihre Parkplätze, die sie nicht ständig brauchen, untervermieten. Autofahrer, die Zeit sparen und ihre Nerven schonen wollen, reservieren sich einen Parkplatz, bevor sie in der Innenstadt ankommen.

Nicht Car-Sharing, sondern Parkplatz-Sharing heisst das Motto, das Anbieter wie Park it und Parku seit Anfang Jahr propagieren. Rund zwei Drittel der Einnahmen gehen an den Parkplatz-Vermieter, den Rest streichen die App-Anbieter für ihre Dienstleistung ein. Beide Startup-Unternehmen betonen, dass mit ihrem Angebot nicht mehr Parkplätze entstehen, sondern bestehende Plätze effizienter belegt würden. Da die Autofahrer ihren Parkplatz reservieren, werde auch der Suchverkehr und die Umweltbelastung reduziert.

«Solche Apps sind problematisch»

Ganz anderer Meinung ist der Verkehrs-Club der Schweiz: «Solche Apps sind problematisch», sagt VCS-Mediensprecher Gerhard Tubandt. Der einzelne Autofahrer sei minimal weniger lang in der Stadt unterwegs, aber insgesamt nehme die Zahl der Fahrten in der Stadt zu, «weil die App-Nutzer genau wissen, wo und wann ein freier Parkplatz genau für sie bereit steht».

Auch dem grünen Zürcher Gemeinderat Markus Knauss stossen Parkplatz-Sharing-Apps sauer auf. Deshalb reichte er im März eine Anfrage ein, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Der Stadtrat teilt die Bedenken: Park it und Parku führten nicht nur zu mehr Autofahrten und höherer Umweltbelastung, es gibt auch rechtliche Bedenken. Parkplätze werden immer für eine konkrete Nutzung bewilligt, sei es fürs Gewerbe, Private oder Besucher. Private Parkplätze dürfen daher nicht ohne Bewilligung für eine gewerbliche Nutzung umgenutzt, sprich weitervermietet, werden.

Aktuell bieten die drei grössten Parkplatz-Sharing-Dienste alleine in Zürich rund 500 Autoabstellplätze an. Sollte die Zahl stark wachsen oder sich Klagen von Nachbarn häufen, droht der Stadtrat mit rechtlichen Schritten gegen die App-Anbieter und Parkplatzbesitzer. Vorderhand lässt das federführende Tiefbauamt die Sharing-Dienste aber gewähren, da das Angebot nicht einmal einem halben Prozent aller privaten Parkplätze entspreche: «Wir rechnen nicht mit rechtlichen Schritten», gibt sich Ertan Wittwer von Parku daher gelassen.

«Unsere Plattform lässt sich nicht verbieten»

Auch Park-it-Gründerin Jasmin Samsudeen ist überzeugt: «Unsere Plattform lässt sich nicht verbieten, denn Park it schafft nicht mehr Parkplätze, sondern verbessert lediglich deren Nutzung.» Sie verweist darauf, dass über unzählige Inserate-Plattformen Parkplätze vermietet würden, bei denen unklar sei, ob sie nicht zweckentfremdet genutzt werden. Auch Parku und Park it bewegen sich in dieser rechtlichen Grauzone. Den Vorwurf, dass ihre App mehr Verkehr erzeuge, weisst Samsudeen aber entschieden von sich: «Die Park-it-Stellplätze stehen nicht der Allgemeinheit zur Verfügung», so die Jungunternehmerin, die unter anderem von der Universität Zürich unterstützt wird. Park it diene nur der Kontaktaufnahme zwischen registrierten Mitgliedern.

Parku und Park it sind auch in Bern, Basel, St.Gallen, Luzern und weiteren Städten aktiv. Die meisten Städte hätten positiv auf das neue Angebot reagiert, heisst es von den Sharing-Diensten. In Zürich, wo die Parkplatzdiskussion besonders emotional geführt wird, haben sie mit dem Tiefbauamt vereinbart, die Behörden im Halbjahresrhythmus über die weitere Entwicklung zu informieren. So soll evaluiert werden, wie sich die Parkplatz-Apps auf die Parkplatz-Auslastung und das Verkehrsaufkommen auswirken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zack am 26.06.2013 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Besser Idee

    Ich habe ein besser Idee VCS abschaffen!!! Und dann klappts auch mit dem Parken. ;)

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  • Rob Salis am 25.06.2013 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    VCS gehört abgeschafft

    Empört, weil die Stadt nicht selber einkassieren kann? Die Privaten wehren sich. Da hat der VCS wohl gepennt. Der Steuerzahler lässt sich nicht mehr alles gefallen. Habt ihr das auch schon gemerkt? Weniger Staat mehr Privat. Nur so funktioniert unser Leben. Das Ausnehmen und Schikanieren der Steuerzahler hat ein Ende. Die Leute vom VCS sollen einer anständiger Arbeit nachgehen, dann bekommen auch diese den Kopf wieder frei.

  • Autofahrer am 25.06.2013 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne Diktatur

    Wie lange lassen sich die Autofahrer noch von diesem VCS schikanieren? Das ist wirklich nur ein Verhinderungsclub! Oder Antiverkehrsclub! Man bedenke wie viele Arbeitsplätze die Autobranche hat und dazu Milliarden Steuern und Abgaben! Dazu sind diese "Höhlenbewohner" noch staatlich finanziert!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudolf Knecht am 26.06.2013 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Noch besser: Car-Sharing!

    Man würde lieber eine App für Car-Sharing entwickeln. Dies löst nicht nur das Parkplatzproblem, sondern entlastet den Verkehr und damit auch die Umwelt generell.

  • Zack am 26.06.2013 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Besser Idee

    Ich habe ein besser Idee VCS abschaffen!!! Und dann klappts auch mit dem Parken. ;)

    • Ueli am 26.06.2013 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      VCS

      Dachte ich auch, dank denen wird autofahren immer mehr zur qual...

    • Rico Ramseier am 26.06.2013 16:02 Report Diesen Beitrag melden

      Beste Idee ever

      Genau! Dann bauen wir überall Parkhäuser und richten Parkplätze auf den Grünflächen ein. Das finden bestimmt alle Stadtbewohner toll und rufen "Hurra!" :-D Wer mit dem Auto in die Stadt fährt hat doch einen Knall.

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  • Gustav am 25.06.2013 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Der Zweck heiligt die Mittel

    Würde es die gleiche App für's Abstellen des Velos in geschützten Veloräumen geben, würden die Grünen die Macher für den Nobelpreis in jeder Kategorie nominieren. Da würde die Zweckentfremdung eines privat und nicht gewerblich zu nutzenden Raumes vergessen gehen bzw. würde einfach das Gesetz geändert um es zu legalisieren und womöglich auch noch zu subventionieren.

    • Hans Gantenbein am 25.06.2013 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Ein anderer Zweck

      Es ist eine Tatsache, dass der Langsamverkehr weniger problematisch ist als der motorisierte Individualverkehr. Dies sowohl aus planerischen, baulichen aber auch aus Umweltaspekten. Das ist einzusehen.

    • Lauta am 25.06.2013 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Umweltfreundlicher

      Velos sind auch viel umweltfreundlicher als die Autos. Durch Abgase verursachen sie viele externe Kosten, welche die Velos nicht tun. Deshalb finde ich das Prinzip der Grünen auch richtig so.

    • P.H. am 26.06.2013 08:37 Report Diesen Beitrag melden

      Auto, so oder so.

      @Lauta: Die Autofahrer zahlen den grössten Teil ihrer verursachten Kosten selbst! Beim ÖV sieht es da ganz anders aus. Machen Sie sich mal schlau über dieses Thema. Und das 99% der Personen die nicht in Zürich wohnen auch NICHT mit dem Velo nach Zürich fahren ist ja wohl auch klar. Selbstverständlich sind Velos viel Umweltfreundlicher als Autos das sehe ich selbstverständlich ein. Und deshalb, damit die Autos nicht noch mehr CO2 ausstossen (unnötig) gibt es Park it und Park u, damit man nicht unnötig umher fährt um einen Parkplatz zu finden.

    • Hans Gantenbein am 26.06.2013 09:06 Report Diesen Beitrag melden

      Auto, aber nicht allein

      Unnötig ist, dass von überall her Leute jeden Tag EINZELN mit dem Auto in die Stadt und wieder zurück in die Agglo fahren. Car-Sharing heisst das Zauberwort, nicht Park it, wo man Anwohner von Privatparkplätzen mit zusätzlichem Verkehr verärgert.

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  • Ein täglicher Bahnbenutzer am 25.06.2013 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    APP löst das wirkliche Problem nicht

    Solange der Kanton Zürich nicht mehr Sitzplätze bei der S-Bahn finanziert und die SBB neu 3. Klasse (=Stehplätze) anbietet, darf sich niemand wunder wenn alle das Auto nutzen, auch die welche mit ÖV reisen können. Also schafft mehr Sitzplätze in der ÖV die Parkplatzknappheit in Stadt Zürich ist schnell behoben

    • P.H. am 26.06.2013 08:41 Report Diesen Beitrag melden

      Fremdfinanzierung

      So ist es! Das wäre wirklich eine gute Idee, nur die ÖV Fahrer finanzieren ja nur einen kleinen Teil ihrer verursachten Kosten, daher wird es das wohl noch lange nicht geben (3. Klasse nur Stehplätze). Zuerst müssen wir Autofahrer mehr für die Vignette bezahlen oder 5 F. für einen Liter Benzin, wie eine (ACHTUNG IRONIE!) liebe Bundesrätin vorgeschlagen hat, dann ist ev. genug Budget für den ÖV vorhanden :)

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  • Züri am 25.06.2013 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das einzige Problem der Behörden...

    .. ist wohl dass die Kohle an ihnen vorbei läuft. Entsprechen würden auch die angedrohten rechtlichen Schritte bestimmt wieder mal so aussehen, dass die Behörden nach langem hin und her am Geschäft mit verdienen. Nennen würden sich die zusätzliche Abgabe dann wohl "Mehrverkehrsparksteuer" oder sowas Schwachsinniges und alle Probleme sind gelöst. Die Parkplätze werden teurer, die Behörden verdienen mit, die Reichen können weiterhin tun was sie wollen und die andern sollen halt sehen wo sie bleiben...