Peter Sunde

16. März 2011 12:24; Akt: 16.03.2011 22:56 Print

«Wir haben die Künstler nur unterstützt»

von O. Wietlisbach - Schon die Tauschbörse «The Pirate Bay» war für Peter Sunde Hilfe und nicht Diebstahl. Jetzt startet er einen Mikro-Spenden-Dienst für Musiker.

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Der Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde unterstützt mit dem Mikro-Spenden-Dienst Flattr Künstler im Internet.

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Peter Sunde, Sie sind der erste Pirat, den ich treffe.
Dann haben Sie vorher noch niemanden getroffen, da alle Menschen Piraten sind. Im Alltag kopieren wir ständig die Ideen von anderen Menschen, wir nennen dies dann bloss nicht stehlen. Ich bin selbst ein «Produkt» des Kopierens. Alles was ich weiss, habe ich von jemandem kopiert.

Ihre Biographie beschreibt Sie als Internet-Rebell, Erfinder, DJ und Romantiker. Wer ist Peter Sunde?
Als mein Hobby Computer zum Beruf wurde, hatte ich kein Hobby mehr - also suchte ich mir etwas Neues. Da ich absolut kein Talent für Instrumente habe, entschied ich mich, DJ zu werden. Mit der Zeit verdiente ich als DJ mehr als mit meinem Beruf. Ich bin mit dem Computer aufgewachsen und habe gesehen, wie Konzerne und Regierungen zum Teil versuchen, den Menschen gewisse Inhalte vorzuenthalten. Das machte mich wütend und das ist der Grund, warum ich sehr aktiv wurde in der Diskussion, was im Internet frei sein sollte.

Sie haben 2004 mit zwei Kollegen die weltweit beliebteste Download-Seite The Pirate Bay gegründet. Letztes Jahr wurden Sie deswegen zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. Können Sie das akzeptieren?
Wir haben Berufung eingelegt und sind zuversichtlich, dass wir nicht in den Knast wandern werden. Wir fürchten uns nicht vor den Musik-Konzernen. Mit dem Julian-Assange-Fall hat die Welt gesehen, welche Mängel das schwedische Rechtssystem hat. Bei unserer ersten Gerichtsverhandlung war der Richter gleichzeitig Präsident der Pro-Copyright-Organisation und somit natürlich absolut nicht unabhängig.

Sind Sie bei The Pirate Bay noch involviert?
Ich habe ein normales Konto und nutze The Pirate Bay häufig. Das Hosting wird nun von der schwedischen Piraten-Partei übernommen. Ich war dort allerdings nie Mitglied und würde sie auch nicht wählen. Ich unterstütze ihre Ideen, denke aber, eine Partei sollte sich mit allen gesellschaftlichen Fragen beschäftigen und nicht nur mit einem Thema.

Sind Download-Seiten noch wichtig oder gewinnen Streaming-Dienste für Musik und Filme an Bedeutung?
Beides ist wichtig und von beidem geht eine Gefahr aus. Download-Seiten wie The Pirate Bay stehen allen offen, während Streaming-Dienste wegen Copyright-Fragen immer nur in gewissen Ländern genutzt werden können. Beispielsweise kann Spotify in der Schweiz nicht genutzt werden. Die Firmen entscheiden, welche Songs vorhanden sind und niemand weiss, ob man den Dienst und somit die Musik auch in Zukunft haben wird. Streaming ist sehr bequem, der Nutzer gibt aber die Kontrolle an ein Unternehmen ab.

Letztes Jahr haben Sie mit Flattr eine neue Firma gegründet. Was ist Flattr?
Flattr ist ein Flatrate-Dienst, um Leuten Geld zu spenden, die im Internet frei zugängliche Musik, Texte oder andere Inhalte anbieten, die man mag. Mit Flattr zahlt man im Minimum zwei Euro pro Monat. Das Spenden funktioniert ähnlich wie der Like-Button bei Facebook. Auf Webseiten mit Gratis-Inhalten gibt es kleine Flattr-Buttons, wenn man etwas mag, kann man es flattern. Ende Monat wird berechnet, was geflattert wurde und die Webseiten erhalten anteilsmässig den Betrag aus den Spenden zugesprochen.

Also haben Sie als Download-Pirat die Künstler bestohlen und jetzt geben Sie ihnen etwas zurück?
Ich denke, wir haben die Künstler auch mit The Pirate Bay unterstützt. Mit dem Boom des Internets ist der Musikmarkt gewachsen, bloss stiegen die Gewinne der Musikindustrie nicht mehr so rasch, da nun mehr Geld in die Taschen der Künstler fliesst. Fakt ist, die Leute kaufen mehr Musik als je zuvor, da es heute viel einfacher ist, Songs zu kaufen. Was die Musikindustrie sagt, ist reine Propaganda.

Das Schöne für Sie ist, dass mit Flattr ein Teil des Geldes zu Ihnen fliesst, statt zu den Musik-Konzernen.
Ja, aber die Idee hinter Flattr ist es Gratis-Inhalte im Web, die man mag, auf einfache Weise mit Geld zu unterstützen. Zehn Prozent der Spenden nehmen wir ein - das ist sehr wenig im Vergleich zu den 98 Prozent, die Musikfirmen einstreichen.

Wie funktioniert das Spenden genau?
Sie brauchen bloss ein Bankkonto, um Geld überweisen zu können. Flattr-Nutzer sind häufig Blogger, aber auch grosse Zeitungen wie die deutsche «taz» finanzieren sich bereits teils über Flattr. Wenn Flattr bekannter wird, dürfte unser Service auch für Musiker immer interessanter werden. Wir haben nun ungefähr 75 000 Nutzer, momentan vor allem in Deutschland, Schweden und England. Seit letztem August wurden mehrere hunderttausend Euros gespendet und die Spendenrate steigt von Monat zu Monat. Je länger die Nutzer dabei sind, desto mehr spenden sie.

Warum sollte ich freiwillig spenden, wenn ich die Inhalte gratis haben kann?
Weil Sie die Inhalte vermutlich auch in Zukunft haben wollen. Mit Flattr bezahlt man, nachdem man etwas konsumiert hat. Mit der Spende wird es auch künftig eher gratis Texte, Musik oder Software im Netz geben. Natürlich wird Flattr nicht für alle die Lösung sein, aber es ist ein Weg der Finanzierung unter vielen anderen.

Was Sie mit Flattr tun, wird auch als Crowdfunding umschrieben. Eine Masse von Menschen unterstützt ein Projekt oder einen Künstler mit kleinen Beiträgen. Ist Crowdfunding das nächste grosse Ding im Internet?
Ich hoffe nicht. Viele Künstler sehen im Crowdfunding im Moment vielleicht die grosse Lösung, aber für die Finanzierung ihrer Projekte sollten sie möglichst viele Alternativen haben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • joe am 16.03.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Musikindustriasten sind ...

    Ich finde die Musikindustrie sollte uns eher danken! Wir machen die ganze Zeit Gratiswerbung für sie und kriegen als Dankeschön eine Strafanzeige! Gebe es keine gratis Downloads, würde ich heute noch nicht wissen, dass es Bands wie z.B. Linkin Park gäbe und ich nicht die ersten zwei Alben GEKAUFT hätte!

  • Gee Tee am 17.03.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mütter Theresas der Musiker

    Na, da habe ich Piratebay ja vööööllig verkannt. Finde ich schön, dass sie Künstler unterstützen, indem auf ihrer Plattform Musik gratis ausgetauscht werden kann. Beispiel? Eine Band namens Amplifier investiert 3 Jahre, alles Geld, alle Energie und Zeit für die Aufnahmen eines Megawerks. Ohne Plattenfirma, ohne Management. Sie vertreiben die Scheibe via Website und verkaufen in den ersten Tagen im Schnitt 20 Stück. Dann wird das Teil von "Fans" aufs Netz gestellt, sie setzen nur noch 3 Stück pro Tag ab. Die nicht verkauften 17 CDs fehlen ihnen, nicht einer Plattenfirma. Tolle Unterstützung!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gee Tee am 17.03.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mütter Theresas der Musiker

    Na, da habe ich Piratebay ja vööööllig verkannt. Finde ich schön, dass sie Künstler unterstützen, indem auf ihrer Plattform Musik gratis ausgetauscht werden kann. Beispiel? Eine Band namens Amplifier investiert 3 Jahre, alles Geld, alle Energie und Zeit für die Aufnahmen eines Megawerks. Ohne Plattenfirma, ohne Management. Sie vertreiben die Scheibe via Website und verkaufen in den ersten Tagen im Schnitt 20 Stück. Dann wird das Teil von "Fans" aufs Netz gestellt, sie setzen nur noch 3 Stück pro Tag ab. Die nicht verkauften 17 CDs fehlen ihnen, nicht einer Plattenfirma. Tolle Unterstützung!

    • Pat Mächler am 17.03.2011 22:29 Report Diesen Beitrag melden

      Quellen?

      Bisher habe ich dazu leider keine Quellen gefunden. Gibt es die? In diesem Kontext sollte man auch nicht verkennen, dass das reine Verkaufen von Information eine Ideal ist, welches erst in neuerer Zeit aufkaum und von der Content-Industrie gepusht wurde. Elvis Presley vertrieb ursprünglich Promo-Platten vor seinen Konzerten um lokal bekannt zu werden, damit genügend Besucher kamen, aber nicht um davon zu leben.

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  • joe am 16.03.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Musikindustriasten sind ...

    Ich finde die Musikindustrie sollte uns eher danken! Wir machen die ganze Zeit Gratiswerbung für sie und kriegen als Dankeschön eine Strafanzeige! Gebe es keine gratis Downloads, würde ich heute noch nicht wissen, dass es Bands wie z.B. Linkin Park gäbe und ich nicht die ersten zwei Alben GEKAUFT hätte!