Threema

28. Februar 2014 15:46; Akt: 28.02.2014 15:51 Print

«Wir saugen keine ganzen Adressbücher ab»

von Philipp Stirnemann - Seit der WhatsApp-Übernahme durch Facebook erlebt der Schweizer Messenger Threema einen Boom. 20 Minuten hat sich mit einem der drei Threema-Entwickler unterhalten.

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(Bild: threema.ch)

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Seit bekannt geworden ist, dass Facebook den Messenger WhatsApp für 19 Milliarden Dollar kauft, erlebt die Schweizer App Threema eine Flut an Neuregistrierungen. Martin Blatter von Kasper Systems über Erfolg, Vorteile und Zukunft von Threema.

Martin Blatter, warum haben Sie mit Threema einen Messenger veröffentlicht und keine andere App wie zum Beispiel ein Game?
Martin Blatter: Es gab zu dem Zeitpunkt keinen Messenger, der Sicherheit und Privatsphäre wirklich ernst nahm. Insofern war das Neuland und, wie man heute sieht, auch eine Marktlücke.

Wie sind Sie auf den Namen «Threema» gekommen, und was bedeutet er?
Es begann mit «End-to-End Encrypting Messaging Application», abgekürzt auf EEEMA. Das waren dann etwas viel, darum wurde daraus «Threema».

Warum ist Threema in Europa und den arabischen Ländern so erfolgreich? Und weshalb setzt sich die App derzeit in den USA nicht durch?
Eine besondere Nachfrage in arabischen Ländern lässt sich überhaupt nicht feststellen. Unsere Hauptmärkte sind Deutschland, die Schweiz und Österreich, die zusammen über 95 Prozent der Verkäufe ausmachen.
Deutschland ist wohl so erfolgreich, weil wir von Anfang an eine deutsche Version der App hatten und durch die Abhörskandale eine Sensibilisierung und vielleicht sogar ein gewisses latentes Misstrauen in der Bevölkerung besteht.
Um den amerikanischen Markt haben wir uns bisher tatsächlich nicht sonderlich bemüht. Wir setzen mehr auf ein gesundes Wachstum statt auf eine unkontrollierte Expansion.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach Threema im Vergleich zu anderen Messengern wie WhatsApp oder Telegram aus?
Threema differenziert sich von den anderen Messengern, weil es als einzige App eine asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, den Goldstandard der modernen Kryptografie, bietet, und zwar bei allen Nachrichten, auch bei Gruppenchats. Zudem saugen wir nicht ungefragt ganze Adressbücher ab. Man kann Threema sogar komplett anonym, also ohne Verknüpfung mit E-Mail und Telefonnummer, benutzen.

Hätten Sie jemals mit einem solchen Erfolg gerechnet?
Wir waren mehr vom Zeitpunkt überrascht. Der Aufwärtstrend hat zwar schon Anfang Februar angefangen, aber erst mit der WhatsApp-Übernahme sind die Nutzerzahlen richtig explodiert.

Wie sind Sie auf allfällige Serverprobleme infolge Neunutzer-Registrierungen vorbereitet?
Dadurch, dass unsere Server lediglich Nachrichten weiterleiten und keine Daten länger speichern, ist die Serverlast geringer als bei anderen Diensten, was beim gegenwärtigen Ansturm sicher ein Vorteil ist.

Wird der Ansturm an Neuregistrierungen in nächster Zeit noch zunehmen, oder ist das Gröbste überstanden?
Momentan ist die Anzahl Neuregistrierungen auf einem hohen Level relativ konstant, wenn auch nicht mehr ganz so hoch wie am Wochenende. Die Zwei-Millionen-Marke werden wir wohl in einigen Tagen knacken können. Wir denken, dass die Zahl Neuregistrierungen, gerade durch Weiterempfehlungen und Mundpropaganda, auch weiterhin so hoch bleiben wird.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Derzeit sind wir daran, Threema in ein eigenes Unternehmen auszulagern, um die Unabhängigkeit des Messengers für die Zukunft zu sichern.

Warum ist Threema kostenpflichtig?
Gegenfrage: Warum ist das Glas Bier an der Bar nicht gratis? Die Einnahmen ermöglichen uns, den Betrieb der Server sicherzustellen, die Weiterentwicklung voranzutreiben und nicht zuletzt die Unabhängigkeit von Threema zu gewährleisten. Und für den Preis einer halben Stange Bier bekommen Sie bei uns die Sicherheit, dass Sie nicht mit Ihren Daten und Ihrer Privatsphäre bezahlen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabriel am 28.02.2014 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundes Wachstum, hört hört

    Da kann sich unsere Wirtschaft ein Stück von abschneiden. Stichwort: Gesundes Wachstum und eben nicht unkontrollierte Expansion.

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  • effe am 28.02.2014 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Google kauft Threema NICHT

    Leute informiert euch doch einfach mal besser! Das war SATIRE! Postillion ist ein Satiremagazin, also ein Witz/Fake - cool bleiben

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  • L. Lager am 28.02.2014 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Threema

    also wenn Threema mehr Wert auf Datenschutz legt finde ich es in der heutigen Zeit eine gute Idee. Eine echte Marktlücke! :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sini am 28.02.2014 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt mal Hand aufs Herz

    Sind es wirklich die Daten um die ihr euch sorgt oder ist es weil der Zuckerberg den schuppen aufgekauft hat? Facebook hat eure Daten schon längst egal ob ihr nun den Messanger wechselt oder nicht. Egal ob ihr Wathsapp löscht oder nicht. Es Interessiert auch niemanden was ihr über den Messanger kommuniziert. Eher was ihr kauft und wo ihr das macht bzw. Auf welchen Seiten. Facebook registriert auch alle Daten von Usern die nie bei FB waren sich aber z.B auf Seiten mit "Like Buttons" tummeln. Ich würde ja auch wechseln da es aber niemand sonst tut den ich kenne wäre ein Wechsel eher unnötig.

  • Nick am 28.02.2014 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spam

    Ich bekam spam nachrichten...threema wieder gelöscht..geht garnicht!

  • Threema-user am 28.02.2014 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Psychologische Preissenkung

    Natürlich hat alles seinen Preis, und das ist auch gut so. Doch wenn mir Threema gehören würde, würde ich mal 1-2 Wochen ein strategisches Sonderangebot durchführen. Muss ja nicht gleich Gratis sein. Nur um die Mitgliederzahl / Nutzerzahl signifikant zu erhöhen. Ökonomisch gesehen wäre so ein Schritt bestimmt nicht dumm. Die Smartphonenutzer sind nun mal schon geizig wenn es nur um 2CHF geht.

  • Birnboym am 28.02.2014 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kreditkarte!

    Ich habe die Installation von Threema gestoppt, als ich die Daten meiner Kreditkarte hätte eingeben sollen. Wenn ich vermeide, etwas von mir preiszugeben, dann dies. Warum hat man nicht die Möglichkeit angeboten, via Paypal zu zahlen? Paypal ist wie Threema gut gegen die Restwelt isoliert, somit hat Threema einen Stilbruch begangen.

    • M.Tièche am 28.02.2014 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ..

      man kann die Lizenz auch über die threema Webseite kaufen und bezahlen.

    • Martin Huber am 28.02.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      Paypal

      Wer lesen kann ist klar im vorteil! Man kann auch via paypal bezahlen und das apk herunterladen, sogar via Bitcoin kann man bezahlen!

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  • Telegram User am 28.02.2014 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs mit umsonst?

    Sorry, aber ich bezahle nicht 2 Franken für einen Messenger! Habe Telegram runtergeladen und bin zufrieden. Der war umsonst! Und solange ich keine Bankdaten austausche, ist der völlig ok