Das Jahr der Hacker

29. Dezember 2011 22:14; Akt: 30.12.2011 12:18 Print

«Wir sind die neuen Rockstars»

Verunstaltete Webseiten, Datenlecks und überlastete Server: 2011 stand im Zeichen von Anonymous und Co. Die «Hacktivisten» sehen sich als Robin Hoods des Internets - und schrecken vor nichts zurück.

(Quelle: youtube.com/anonopss)
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Sie haben Sicherheitslücken aufgedeckt, Kundenkonten geknackt und DDoS-Attacken gestartet: Hacktivisten haben dieses Jahr ihr Unwesen getrieben und für so manche beunruhigende Nachricht gesorgt. «2011 war nicht das aktivste, aber das sichtbarste Jahr der Hacktivisten», sagte Stephan Urbach von der internationalen Netzaktivisten-Gruppe Telecomix gegenüber der deutschen Presseagentur DPA und ergänzte: «Hey, wir sind eh die neuen Rockstars, es wird Zeit, dass die Leute das auch mitbekommen.»

Nicht nur für Nerds

Und sie scheinen es mitbekommen zu haben: «Es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, die Fans dieser Bewegung sind und die ihre Unterstützung öffentlich äussern wollen», sagte ein renommierter Sicherheitsexperte gegenüber DPA. Und das seien keineswegs nur Leute aus der Nerd-Ecke, sondern Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen auf der Suche nach neuen Anstössen. Dabei gerate teilweise aus dem Blick, «dass viele Dinge, die von den Hacktivisten unternommen werden, einfach illegal sind».

Ob illegal oder nicht - den Hackern und ihren Supportern geht es darum, ein Zeichen zu setzen. Gruppierungen wie Anonymous oder LulzSec deckten Sicherheitslücken bei grossen Unternehmen oder Behörden auf, unter anderem bei Sony, beim US-Senat oder auch der Website des US-Geheimdienstes CIA oder der NATO.

Anonymous bekannte sich auch zu Cyber-Angriffen auf Firmen wie VISA, Mastercard und Paypal, die zuvor ihre Beziehungen zur Enthüllungsplattform WikiLeaks abgebrochen und ihr damit eine wichtige Finanzierungsmöglichkeit genommen hatten. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Anonymous-Aktivisten eine grosse Zahl an E-Mail- und Kreditkartendaten des in den USA ansässigen Sicherheitsinstituts Stratfor gestohlen hatten. Ziel der Aktion sei es gewesen, mit den Daten eine Million Dollar zu entwenden und diese dann als Weihnachtsspenden zu verschenken, teilten die Hacker mit.

Häufig starteten Web-Piraten sogenannte DDoS-Attacken, bei denen auch Leute ohne grosses Computer-Fachwissen mitmachen können. Dabei werden Web-Server von vielen Computern gleichzeitig mit Anfragen bombardiert und in die Knie gezwungen. Die Reaktion der Polizei liess nicht auf sich warten.

Freiheitskämpfer und Vandalen

Anonymous beruhe «auf einer festen antihierarchischen Ethik, die keine Promis erzeugen will, und ihre Aktionen sind offen für alle, die dazu beitragen wollen», erklärte die New Yorker Kulturwissenschaftlerin und Hacker-Expertin Gabriella Coleman in einem Beitrag für die Zeitschrift «Public Culture». Diesen Hackern gehe es um liberale Grundüberzeugungen wie Meinungs- und Informationsfreiheit und darüber hinaus um den Nervenkitzel, in Computer einzubrechen.

Bei einer Attacke auf das Netzwerk der Spielkonsole Playstation erhielten die Angreifer Zugriff auf mehr als 100 Millionen Kundenkonten, wie im April bekannt wurde. Das Unternehmen wurde anschliessend massiv kritisiert, weil es sein Netz nicht ausreichend gesichert und die Kunden nach Bekanntwerden des Falles nicht schnell genug informiert habe.

Staatstrojaner im Visier

Auch staatliche Organisationen mussten Kritik einstecken. Nachdem der Chaos Computer Club einen Staatstrojaner-Skandal in Deutschland aufdeckte, gerieten auch die Schweizer Amtsstellen unter Druck. Als mehrere Ermittlungsbehörden den Einsatz von Schnüffel-Programmen zugegeben hatten, gab der Bundesrat die Stossrichtung vor. Staatliche Trojaner-Einsätze sollen - unter strikten Auflagen - gesetzlich erlaubt sein. Die Reaktionen fielen gespalten aus.

Staatliche Hacker-Angriffe sind längst kein Tabu mehr. Genau dies werfen die USA immer offener China vor. So wird vermutet, dass chinesische Hackergruppen, deren Treiben in Peking gesteuert wird, hinter Angriffen auf Behörden und Firmen in den USA stecken.

LulzSec löst sich auf

Doch das Leben als illegaler Internet-Aktivist ist nicht einfach. Die Hacker-Gruppe LulzSec gab im Juni die Auflösung bekannt. Ob es ein endgültiger Abschied war, wird sich zeigen. Angeblich gelang es der Polizei, führende Köpfe zu verhaften. Die namenlosen Aktivisten von Anonymous werden sicher auch im neuen Jahr in den Schlagzeilen präsent sein. «Die umstrittenen Hacker-Kollektive werden ihre hacktivistische Bewegung fortsetzen und damit auch in kommender Zeit für Unruhe im Internet sorgen», prognostiziert die Schweizer Sicherheitsfirma Scip AG.

Angst scheint für die meisten Hacker ohnehin ein Fremdwort zu sein. Das Kollektiv Anonymous verscherzte es sich gar mit dem mexikanischen Drogenkartell Los Zetas - gefährlichere Feinde kann man sich kaum machen.

Natürlich kommt bei den Hackern auch die Selbstbeweihräucherung nicht zu kurz. Unbekannte haben bei YouTube einen Jahresrückblick zu den zahlreichen Anonymous-Attacken veröffentlicht. Der siebenminütige Film endet mit der Ankündigung, dass auch 2012 mit Anonymous zu rechnen sei. Die «Rockstars» bleiben also «on Tour».

(dsc/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian am 30.12.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Narzissen und Wichtigtuer

    Wie? Rockstars? Lächerlich! Das sind schlicht und einfach Kriminelle mit einer Tastatur. Nichts weiter.

  • 10H4NN am 30.12.2011 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleine Fische

    Immerhin wird dem Westen bzw. den Firmen klargemacht das man sehr leichte Beute ist. China machts ja andauernd. Sie hängens einfach nicht an die grosse Glocke. Das Internet ist und wird in seiner jetzigen Form nie sicher sein.

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  • Tinu am 30.12.2011 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vereinfachung

    eine ddos Atacke zu fahren ist leider weder eine Kunst noch deckt sie was auf. Am ehesten vergleichbar mit: dos Atacke= in der Liftkabine alle Knöpfe drücken (den erwischt das Sicherheitspersonal schnell) ddos Atacke= für jede Etage einen Knirps der den Knopf drückt... Da wirds schwer herauszufinden auf welcher Etage nun kein Knirps sondern ein Kunde steht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Legion am 31.12.2011 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymus

    Mein Name ist Legion, denn meiner sind viele.

  • Pietro am 30.12.2011 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymous

    Es mag nicht alles "legal" sein was Anonymous macht aber die Organisation setzt sich zumindest fuer wichtige Freiheitsideale ein. Wir wissen ja schon laengst, dass die Banken und ihre "Kollegen" nicht immer mit legalen Mitteln arbeiten.

  • invisano am 30.12.2011 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten sind gefragt.

    Demokratie, ein Wort das zu diesem Thema ausgezeichnet past. warum sollen wir die Augen verschliessen und uns mit halbwahrheiten zufrieden geben? sind nicht gerade Ehrlichkeit und Transparenz immer gefragter und wichtiger in unserem Altag? Warum sollten also Hacktivisten vor illegalen Aktionen zurück schrecken, wenn es darum geht die wichtigsten Güter zu verteidigen, auf denen das Leben aller aufgebaut sind. verurteilt ihr die, die die tat begehen oder diejenigen dir sie verleumdnen?

  • Adrian am 30.12.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Narzissen und Wichtigtuer

    Wie? Rockstars? Lächerlich! Das sind schlicht und einfach Kriminelle mit einer Tastatur. Nichts weiter.

  • Sneaker am 30.12.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit !!

    Ich finde ne Frechheit was sich Heutzutage alles als Hacker bezeichnet 90% davon sind Webmonkeys die keine Anung haben was sie da anstellen und nur auf Randale aus sind. Echte Hacker halten sich an den Codex !!!

    • ShacktheHack am 30.12.2011 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Kann ich nur beipflichten!

    • Joker86 am 03.01.2012 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wieso?

      Und warum erzählst du dann überhaupt etwas vom Codex?brauchen die anderen gar nicht zu wissen!!!

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