Gaddafi-Parodie

28. Februar 2011 07:06; Akt: 21.03.2011 16:59 Print

«Zenga Zenga» statt Bunga Bunga

Im Internet ist ein Musikclip aufgetaucht, der sich über den libyschen Diktator lustig macht. Das YouTube-Video stammt ausgerechnet aus Israel.

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Ein 31-jähriger Israeli namens Noy Alooshe zeichnet für den jüngsten YouTube-Hit verantwortlich. Der Journalist und Musiker, der in Tel Aviv lebt, sah letzte Woche wie Millionen andere Fernsehzuschauer Gaddafis wirre Rede an die Nation. Darin drohte der libyische Diktator den Protestierenden mit blutigen Konsequenzen. «Haus für Haus, Gasse für Gasse» würden die Demonstranten verfolgt. Gaddafi sei komisch angezogen gewesen und habe mit den Armen herumgefuchtelt wie bei einer Trance-Party, sagt Alooshe. Das habe das Zeug zu einem «Klassiker» der elektronischen Tanzmusik.

Alooshe setzte sich einige Stunden vor den Computer und unterlegte die drohenden Worte Gadaffis mit einem populären Song, den der US-Rapper T-Pain mit einem anderen Künstler namens Pitbull veröffentlicht hat. Der Israeli taufte sein Werk «Zenga-Zenga», in Anlehnung an das arabische Wort Zanqa (Gasse), das Gaddafi während seiner Drohrede immer wieder benutzte.

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Alooshe seinen Elektro-Hip-Hop-Remix auf YouTube und verbreitete den Link über Twitter und Facebook. Und tatsächlich schlug der Song im arabischen Raum ein wie eine Bombe. Bis am Montagmorgen ist der Clip bereits über 600 000 Mal angeschaut worden. Inzwischen haben unter anderem die französische Nachrichtenagentur AFP und die renommierte New York Times über das Phänomen berichtet.

Hart kritisiert

Alooshe, der sich zunächst nicht als Israeli «geoutet» hatte, erhielt begeisterte Kommentare aus verschiedenen arabischen Ländern. Das änderte sich, als Surfer entdeckten, dass ein jüdischer Autor hinter dem Zenga-Zenga-Remix steckt. Auf seinem Facebook-Account ist ersichtlich, dass Alooshe in einer Musikband namens Hovevey Zion spielt. Das kann mit «Die Liebenden Zions» übersetzt werden. In der Folge wurde Alooshe auch hart kritisiert – andere YouTube-Nutzer fanden sein Video geschmacklos.

Trotzdem seien die meisten Reaktionen positiv ausgefallen, sagt Alooshe. Eine Nachricht habe er von einem libyschen Oppositionellen erhalten. Dieser soll gesagt haben: «Wenn Gadaffis Regmie fällt, werden wir in den Strassen zu Zenga-Zenga tanzen.»

Der Original-Clip beinhaltet auch gespiegelte Aufnahmen einer leicht bekleideten Frau, die zu den Worten Gadaffis tanzt. Alooshe sagt, er habe deswegen viele Anfragen von arabischen Web-Surfern erhalten. Sie hätten ihn nach einer Version ohne Tänzerin gefragt, damit sie das Video auch ihren Eltern zeigen könnten. Dieser Bitte sei er gerne nachgekommen.

(dsc)