Achtung vor Kostenfallen

04. Juni 2019 09:46; Akt: 04.06.2019 09:50 Print

10 GB Roaming-Daten kosten bis zu 225'000 Fr

Wer mit einem Schweizer Mobilfunkanbieter in Europa surft und telefoniert, bezahlt teilweise unverschämt viel. Das zeigt die Analyse eines Experten.

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Roaming im Ausland kann zu einer happigen Handyrechnung führen. Der Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch hat die aktuellen Roaming-Tarife für europäische Reiseländer analysiert. So viel kosten 1000 MB Daten und 120 Minuten Telefonie in Europa (sofern für Anrufe in EU-Länder nicht ein einheitlicher Preis gültig ist, wurde der Preis für die Nutzung in Spanien berechnet). «Die Roaming-Standardtarife der Schweizer Telecomanbieter sind oft immer noch unverschämt teuer. Kunden, die einfach drauflos surfen, bezahlen die hohen Standardtarife», so Telecomexperte Ralf Beyeler. Bereits im Jahr 2018 hat Moneyland.ch anhand des gleichen Profils einen Roaming-Preisvergleich erstellt. Überraschend: Bei drei Anbietern gab es sogar Preiserhöhungen. Am höchsten ist diese mit 24,8 Prozent für Kunden von Coop Mobile. Dies hängt mit dem Wechsel des Coop-Mobile-Angebots von Salt zu Swisscom zusammen. Bei sieben Anbietern kam es hingegen zu Preissenkungen: Am höchsten ist die Preissenkung beim zur Mobilezone-Gruppe gehörenden Anbieter TalkTalk mit 65,6 Prozent. Die Abo-Kunden von TalkTalk bezahlen neu 62.50 Franken statt 181.45 Franken, sofern sie so kommunizieren wie der untersuchte Profilkunde. Überraschend ist, dass die Tarife für das Roaming für den Profilkunden bei 10 der verglichenen 20 Anbieter unverändert geblieben sind. Dennoch haben viele Konsumenten den Eindruck, dass die Roaming-Preise sinken, schreibt der Vergleichsdienst. «Konsumenten lassen sich offensichtlich von den Botschaften einiger weniger Anbieter täuschen», erklärt Ralf Beyeler. Da immer mehr Kunden im Ausland nicht mehr telefonieren, sondern nur Internetverbindungen nutzen, hat Moneyland.ch auch die Kosten für das Daten-Roaming ohne Telefonie verglichen. So viel kosten 1 GB, 3 GB und 10 GB Daten-Roaming in Europa bei verschiedenen Schweizer Mobilfunk-Anbietern. Sparen kann man auch, indem man nur Wi-Fi-Netzwerke nutzt ... ... oder nach Möglichkeit eine lokale SIM-Karte in das Handy oder in ein Zweitgerät einsetzt.

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Trotz jüngster Tarifsenkungen der Schweizer Mobilfunkanbieter: Wer mit einem hiesigen Anbieter in europäischen Reiseländern mit dem Handy telefoniert und surft, erhält nach den Ferien unter Umständen eine happige Rechnung.

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«Die Roaming-Standardtarife der Schweizer Telecomanbieter sind oft immer noch unverschämt teuer. Kunden, die einfach drauflos surfen, bezahlen die hohen Standardtarife», warnt der Telecomexperte Ralf Beyeler von Moneyland.ch.

Standardtarife sind teuer

Wer also in den Ferien fleissig Fotos auf Instagram stellt, Videos per Whatsapp verschickt und Google Maps und Uber nutzt, der sollte vorab Tarife vergleichen. Der Experte hat mithilfe des eigenen Roaming-Rechners die Tarife für Europa analysiert.

Für den Vergleich hat Moneyland.ch folgendes Kundenprofil erstellt: Der Kunde weilt 14 Tage in Spanien, nutzt während seiner Ferienzeit 1000 MB Daten-Roaming und führt 60 Telefonate mit einer Gesprächsdauer von je 2 Minuten (nicht berücksichtigt worden sind Angebote mit Inklusiv-Roaming).

Kosten tief halten

Das Ergebnis: Mit einem Abo von Yallo und Lebara zahlen Kunden mit je 40 Franken am wenigsten. Am teuersten wäre das Roaming mit ok.– mit 22'605.50 Franken. Für 10 GB Daten wären mit diesem Anbieter sogar 225'000 Franken fällig. Immerhin: «In der Praxis würden die Anbieter die Verbindung frühzeitig sperren, sodass keine so hohen Gebühren anfallen können», erklärt Beyeler in der Mitteilung.

Sein Tipp: Mit den Abo-Optionen für Internet und Telefon können Kunden bis zu 90 Prozent oder noch mehr sparen. Je nach Anbieter sind die Roaming-Kosten aber auch mit Optionen immer noch happig.

Auch «Sorglos-Pakete» sollte man genau prüfen, mahnt Beyeler. Hier sollte man genau das Kleingedruckte lesen. Bei Swisscom und Sunrise bedeutet «unlimitiertes Roaming» zum Beispiel, dass bei 40 GB pro Kalendermonat Schluss ist mit schnellem Daten-Roaming. Ausserdem seien längst nicht alle europäischen Länder inklusive. So würden die «Sorglos-Pakete» verschiedene Länder des Balkans in der Regel gar nicht abdecken, sagt Beyeler.

Pakete ohne Ablaufdatum!

Schweizer Konsumenten müssen aufpassen, dass sie nicht in unangenehme Kostenfallen tappen. Denn Datenpakete sind oft nur eine begrenzte Zeit gültig. In der Regel sind dies 30 Tage nach der Aktivierung. «Die Telecomanbieter sollten endlich Roaming-Pakete ohne Verfallsdatum einführen», fordert Beyeler.

Bis jetzt bietet einzig Coop Mobile entsprechende Pakete, die nicht verfallen. Immerhin gibt es eine Marktentwicklung, die Beyeler als positiv bezeichnet. Die beiden kleinen Anbieter Mucho Mobile und Qynamic haben die Gültigkeitsdauer ihrer Roamingpakete verlängert. Bei Qynamic beträgt die Gültigkeit neu 90 Tage, bei Mucho Mobile mit 180 Tagen fast ein halbes Jahr. «Wann ziehen Swisscom, Sunrise und Salt endlich nach?», fragt Beyeler.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Oehen am 04.06.2019 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Extrem lausig!!

    Man sollte unsere Telecom-Abzocker einfach boykottieren!! Bin einmal mehr enttäuscht, dass unsere BundesBernerKoryphäen dies einfach schlittern lassen. Hier ist eifach NIE etwas wie "Switzerland first"!! (Klar bei deren Englisch...) Lieber schaut man für die ComChefs, dass diese weiterhin weit über eine Mio. bekommen pro Jahr!

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  • Besorgter Nutzer am 04.06.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Ich bin letztes Jahr in den Ferien kurz für ca. 2MB gesurft. Hat mich eine ganze Menge gekostet. Es ist nicht zu glauben wie gnadenlos wir von den CH-Anbietern abgezockt werden. Bei den extremen Preisunterschieden zum Ausland soll mir keiner mit höheren Lohnkosten etc kommen.

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  • Pilatus am 04.06.2019 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Pontius

    Verbannt endlich die Lobbyisten aus dem Bundeshaus. Verbietet Verwaltungsratsmandate für alle Räte und gut ist es. Dann gehen so Sachen Ruck Zuck. Aber solange Schmiergelder fliessen.. Nicht umsonst ist die Schweiz sehr weit oben auf der Liste der korrupten Staaten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • leser am 05.06.2019 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    immer diese schleichwerbung

    diesmal keine Schleichwerbung für selbst ernannte Experten von comparis, sondern diesmal von Moneyland. schwach, wirklich schwach.

  • Saints am 05.06.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht auch mal schwierig tun...

    Wir hättens ja mit dem 5G in der Hand. Vielleicht sollten wir Alle auch mal "Miesepetern"? Wetten, dass die Roaminggebühren bald Geschichte wäre...;-)

  • nikotin am 05.06.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es müsste so kommen !

    auch in Bern sind die Nebenwirkungen der 5G Antenne eindeutig...

  • Heidy am 05.06.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Es ist einfach eine Frechheit wir sich unsere "Volksvertreter" gegen unsere Interessen einsetzen. Die bekommen ja alles gratis und franko und müssen weder ihre SBB-Billette noch ihren Telefongebühren selber zahlen. Abwählen kann ich da nur sagen den ewigen NEIN Sagern die sich nicht für Ihre Wähler einsetzen.

  • @nori am 05.06.2019 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU

    Da möchten einige Parteien uns näher an die EU binden! Aber das gute übernehmen wollen sie wieder nicht...