Groupon an die Börse

14. Januar 2011 15:37; Akt: 14.01.2011 17:09 Print

15 Milliarden Dollar für Schnäppchenjäger

Zwei Pizzas zum Preis von einer: Damit fing alles an. Nun soll das Online-Gutschein-Prinzip den Erfinder zum Krösus machen. Eine unglaubliche Story.

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Eine Milliarde Dollar sollen Groupon-Mitglieder bislang «gespart» haben. Nun will die Firma an die Börse. (Quelle: Keystone)

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Wir sind Jäger und Sammler. Das zeigt sich einmal mehr bei den jüngsten Gerüchten um einen Börsengang der Superlative. Die renommierte New York Times hat am Donnerstag publik gemacht, dass Andrew Mason an die Börse will.

Das könnte den heute 30-jährigen Chef von Groupon zu einem der reichsten Männer der Welt machen. Der Wert des Unternehmens wird von Analysten auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Noch im Dezember hatten sich die Leute verwundert die Augen gerieben, ja den Kopf geschüttelt über den jungen Mann, der längst kein Jungunternehmer mehr ist. Damals lehnte Groupon ein Übernahmeangebot von Google ab. Der Internet-Gigant wäre anscheinend bereit gewesen, bis zu sechs Milliarden Dollar zu bezahlen.

Startkapital: 1 Million

Nun soll der IPO - also das erstmalige öffentliche Anbieten von Aktien an der Börse – bereits im Frühjahr erfolgen. Das wären dann keine drei Jahre nach der Gründung der Firma, die mit einem Startkapital von einer Million Dollar lanciert worden ist.

Angefangen hatte alles mit einem Zwei-für-eins-Angebot in Chicago. In einem Bürogebäude in Chicago kam Andrew Mason auf die Idee, dem Pizzaiolo im Erdgeschoss unter die Arme zu greifen.

Seine Idee war nicht neu: Auf einer Website konnten sich die Leute eintragen, die von vergünstigten Pizzas profitieren wollten. Mason zog im Hochhaus von Etage zu Etage. Wenn genügend Leute ihr Interesse bekundeten, kam der Deal zustande.

Heute ist daraus ein weltweites Unternehmen geworden, mit unüberschaubaren Geschäftsaktivitäten und Niederlassungen in mindestens 37 Ländern – und unzähligen Nachahmern, die ebenfalls auf den Erfolgszug aufspringen möchten.

Dank Social Networks

Der Firmenname ist eine Kombination der englischen Begriffe Group und Coupon. Dass der Kunde zum Schnäppchenjäger wird, ist an sich nichts Neues. Den durchschlagenden Erfolg haben wohl die neuen Kommunikationsmittel im Zeitalter der virtuellen Social Networks gebracht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deal auch tatsächlich zustande kommt, wächst nämlich ständig. Dafür sorgen die über 35 Millionen Groupon-Mitglieder, in dem sie die verlockenden Angebote über Facebook, E-Mail und Twitter weiterverbreiten.

Ob wohltuende Ganzkörpermassage in Bern, Fett-weg-Behandlung in Basel oder indisches Poulet-Curry in Zürich: Die meisten Angebote locken mit massiven Vergünstigungen, die mindestens 50 Prozent betragen. Über Twitter gab Groupon heute bekannt, dass seine Mitglieder bis zum heutigen Tag weltweit über 1 Milliarde Dollar gespart hätten.

Groupon Schweiz?

Gespart? Kritiker warnen, die Abonnenten würden zum Kauf von Gutscheinen verführt, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Auch Groupon selbst soll bei den vermittelten «Transaktionen» einen schönen Schnitt machen. Laut einem Bericht des Blogs techcrunch.com müssen die Firmen, die ihre Spezialangebote verbreiten dürfen, bis zu 50 Prozent abliefern.

20 Minuten Online hat heute den Kontakt gesucht zum Schweizer Ableger, groupon.ch. Eine Anfrage blieb bislang unbeantwortet. Auf der Website des Unternehmens heisst es: «Groupon sitzt mit seinem ständig wachsenden Team im Herzen der Stadt Zürich.» Wer die entsprechende Hotline wählt, wird allerdings nach Berlin verbunden.

950 Millionen in der Kasse

Anfang Januar hatte eine Finanzierungsrunde Groupon 950 Millionen Dollar in die Kasse gespült. Zu den Investoren gehören namhafte Technologie-Kapitalgeber und auch die russische Investmentfirma Digital Sky Technologies ist dabei. Sie ist auch einer der grössten Anteilseigner von Facebook.

(dsc)