Kärnten

13. September 2016 15:53; Akt: 13.09.2016 16:11 Print

18-Jährige verklagt Eltern wegen Fotos auf Facebook

Die Eltern einer heute 18-Jährigen stellten seit 2009 ständig Fotos ihrer Tochter ins Netz – ohne ihre Zustimmung. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.

So halten es Schweizer Jugendliche und Eltern mit dem Veröffentlichen von Bildern auf den Sozialen Netzwerken. Das Video entstand im Mai 2016. (Video: Philipp Stirnemann / Camille Kündig)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine 18-jährige Schülerin aus Kärnten in Österreich hat ihre Eltern verklagt. Der Grund: Sie stellten seit bald sechs Jahren fast täglich Fotos von ihr auf einen eigenen Facebook-Account. «Sie haben mich nie gefragt, ob mir das recht sei», wird die junge Frau auf Ganzewoche.at zitiert.

Umfrage
Fragen Sie Ihre Kinder um Erlaubnis, bevor Sie Bilder von diesen auf Social Media posten?
9 %
3 %
2 %
9 %
32 %
45 %
Insgesamt 8174 Teilnehmer

«Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem WC sass oder nackt im Kinderbettchen lag – jeder Schritt wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht», sagt die 18-Jährige. Der Account der Eltern ist von 700 Freunden abonniert. Die Fotos habe sie erst gesehen, als sie sich mit 14 selbst bei Facebook angemeldet habe, sagt sie.

Vater: «Es ist ein Familienalbum»

«Ich war extrem verärgert und wütend und forderte sie auf, die rund 500 veröffentlichten Fotos zu löschen», erklärt sie. Doch die Eltern weigerten sich. Darum habe sie gewartet, bis sie volljährig gewesen sei – um Mutter und Vater zu verklagen. «Ich habe es satt, von meinen Eltern nicht ernst genommen zu werden», sagt die junge Frau.

Der Vater hat dafür offenbar nur wenig Verständnis. Denn: Die Fotos seiner Tochter zu löschen, kommt für ihn nicht in Frage, wie er bei Ganzewoche.at zu Protokoll gibt: «Ich sehe es als mein Recht an, diese Fotos zu veröffentlichen.»

Schliesslich sei das sein Kind, und es sei für seine Frau und ihn ein schönes Familienalbum. Voraussichtlich im November wird er sich für den Vorfall vor Gericht verantworten müssen. Laut dem Medienanwalt Daniel Bauer muss der Vater mit Konsequenzen rechnen. Nach dem Datenschutzrecht droht den Eltern eine Strafe von bis zu 10'000 Euro.

Bis ein Jahr hinter Gittern

Frankreich etwa hat bereits Gesetze zum Schutz der Privatsphäre erlassen. Zwar gibt es kein explizites Verbot, Kinderfotos über Facebook und Co. zu teilen, doch können Kinder ihre Eltern, sobald sie volljährig sind, für die Verletzung der Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozesses drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern.

In der Schweiz gibt es ebenfalls kein Verbot, allerdings gilt das Recht am eigenen Bild für jeden – selbst für Babys.

Eltern droht Haft fürs Hochladen von Kinderfotos

(20M)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio am 13.09.2016 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache!

    Super Sache! Wenn die Eltern derart wenig Respekt vor der Privat- und Intimsphäre der eigenen Kinder haben und ohne Rücksicht darauf ihr eigenes Ego befriedigen, braucht es halt einen ordentlichen Wink mit dem Zaunpfahl. Ich hoffe sie gewinnt den Prozess.

  • Andi C. am 13.09.2016 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das freut mich

    Ohhhhh....dieser Bericht ist wie Balsam für meine Seele. Bitte Ihr Eltern, versucht doch etwas daraus zu lernen.

  • Stefan P. am 13.09.2016 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wie weit geht das denn?

    ... Wenn man die eigenen Eltern verklagen muss? Wieso löschen diese die Fotos denn nicht auf die Bitte der Tochter?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank Walter am 14.09.2016 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Gericht!?

    Die Fotos auf Facebook sind wohl das geringste Problem, das diese Familie hat.

  • Anonym am 14.09.2016 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so, aber dann

    machen wir es auch so, dass diese Jael, die ihre Eltern vor Gericht zerrt, gerichtlich zu Folgendem verpflichtet wird: 1) sofort aus dem Elternhaus auszuziehen, 2) sämtliche finanzielle Unterstützung zurückzuzahlen, 3) das Handy, das ganz sicher fremdfinanziert wird, abzugeben und den Vertrag zu kündigen, 4) ab sofort alle Betteleien an Eltern, Grosseltern und Unbeteiligte wie "Göttis/Gotten" zu unterlassen und die gezahlten Gelder und Geschenke zurückzuerstatten. Eine absolute Frechheit: Ist das der Dank für die jahrelange Unterstützung und Pflege seitens ihres Umfelds? Super.

    • Keil Ronny am 14.09.2016 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Inkorrekt

      Ehrlich gesagt nein, das ist nicht der Dank. Aber spätestens als die Tochter meinte es stört sie und man solle doch bitte die Fotos runternehmen, hätte man hören können. Es ist ja nicht so dass die junge Frau sofort zum Anwalt gegangen ist.

    • Anonym am 14.09.2016 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt keine Entschuldigung

      für das unverschämte Verhalten dieser Jael: weder dafür, dass sie jahrelang ihrem Umfeld alles finanziell und seelisch abverlangt hat noch dafür, dass sie undankbar ist und ihre Eltern vor Gericht zerrt noch dafür, dass sie den Eindruck hat, man müsse sie auch noch fragen und mit ihr Entscheidungen besprechen. Bei mir würde sie vor die Tür gesetzt und gerichtlich zur Rückzahlung aller entstandenen bzw. erzwungenen Kosten verpflichtet, inkl. dessen, was sie Grosseltern und "Göttis/Gotten" etc. abgebettelt hat. Ende der Diskussion.

    • Anonym am 14.09.2016 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz ehrlich, welches Elternteil

      möchte nach so einem Verhalten denn noch so einen Gof zu Hause beherbergen, der alles verlangt und dann noch die eigenen Eltern vor Gericht zerrt? Ich würde sie hochkant rauswerfen und ab sofort alle Unterstützung sowie den Kontakt einstellen. Die falsche, weit verbreitete Annahme, dass diese Generation materiell und seelisch zu allem berechtigt ist, aber keine Pflichten hat und sich alles erlauben kann, ist nämlich eigentlich grundfalsch. Aber das lernt Jael leider nicht mehr.

    • mariu5 am 14.09.2016 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      @anonym

      Dürfte ich Sie daran erinnern, dass es die Eltern selbst waren, die sich bewusst für ein Kind entschieden haben? Die Tochter hat nie darum gebeten geboren zu werden. Also liegt es an den Eltern für das Kind entsprechend zu sorgen. Klar, eine gewisse Dankbarkeit sollte vorhanden sein, aber dass sich die Eltern mit dem Argument "Wir mussten jahrelang Geld ausgeben für dich." alles erlauben können, geht nicht!

    • Otto Normal am 14.09.2016 15:20 Report Diesen Beitrag melden

      Sie hat recht

      Lieber Anonym, Sie wissen schon das das Versorgen eines Kindes mit Nahrung, Kleider und Obach sie nicht zum alleinigen Besitzer des Kindes macht der mit ihm alles tun und lassen kann was er will, oder? Es ist immernoch ein Mensch mit Rechten. Diese werden nicht einfach ausgehebelt. Die Eltern haben in diesem Fall gezeigt das sie keinerlei Respekt vor der Bitte der Tochter haben und sie behandelten wie Eigentum. Daher kann ich die Reaktion absolut verstehen. Ich hoffe stark sie haben nie Kinder, Menschen mit derart verkehrten Ansichten sollten dem Genpool fern bleiben.

    • Anonym am 14.09.2016 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja? Heisst das dann auch,

      dass aber die Anwalts- und Gerichtskosten in jedem Falle auch wieder von Anfang an zur Last gelegt werden? Wie gesagt, es ist ein grosses Missverständnis, dass Jael & Co. heutzutage das Gefühl haben, man müsse ihnen materiell alles nachwerfen, für sie sorgen, sie hätten das Recht, alles einzufordern aber keine Pflichten und könnten allen (inkl. "Göttis/Gotten") mit ihrer unverschämten Art zur Last fallen. Ich würde diesen Gof hochkant rausschmeissen und sie finanziell gerichtlich belangen, so dass ihr solche Aktionen vergehen.

    • Otto Normal am 14.09.2016 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen muss man können

      Von dem was sie da schreiben steht absolut gar nichts im Bericht. Haben sie den gelesen? Versetehen sie den Text? Die Sache? Haben sie ernsthaft das Gefühl sie muss erdulden das ihre Eltern Kinderfotos von ihr (darunter auch unbekleidete und Toiletenfotos) veröffentlicht werden, nur weil die Eltern für sie sorgen? In dem Fall kann ich ihnen nur raten Hilfe zu suchen.

    • Loco Presto am 14.09.2016 19:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Anonym

      Wenn es so wäre dass Sie so einen Gof hätten, dann wäre dieser Gof überglücklich bei Ihnen auszuziehen und im nachhinein sollte dieser Gof Sie noch verklagen wegen Missachtung des Rechts auf das eigene Bild. aber so richtig, dass das Liegen noch weh tut.

    einklappen einklappen
  • Andy am 14.09.2016 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Vater

    Ich bin selber Vater eines 11 jährigen Sohnes und würde nie Fotos von ihm auf mein Profil laden (ausgenommen in unseren Star Wars Kostümen, aber da erkennt man das Gesicht nicht) :-) Privatsphäre ist nicht nur für Erwachsene. Ich möchte meine alten Kinderbilder auch nicht auf FB haben.

  • Geronimo am 13.09.2016 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Würde ich auch machen!

    Leider haben meine Eltern absolut nichts am Hut mit dem Internet. So kann ich sie leider nicht verklagen und auf Geld hoffen.... Jetzt aber im Ernst, wenn ich solche Eltern hätte würde ich jeglichen Kontakt mit denen abbrechen und soweit wie möglich wegziehen!

  • Oliver C. am 13.09.2016 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Mal die Perspektive wechseln:

    Wie würde sich der Vater wohl fühlen, wenn seine Tochter in 40 Jahren ein Bild von ihm im Rollstuhl veröffentlicht, wo er probiert, die Suppe, die ihm ein Pflegeroboter füttert, nicht wieder rauszusabbern?

    • nenn mich franz am 14.09.2016 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      super idee, 1a retourkutsche

      ich wuerde es feiern, die opis dann wahrscheinlich nicht mehr so wie jetzt !

    einklappen einklappen