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18. Juli 2019 15:52; Akt: 18.07.2019 20:45 Print

Mit 5G ist der Film innert Sekunden heruntergeladen

Der Mobilfunkstandard 5G ist in aller Munde. Wir haben das Angebot zweier Schweizer Anbieter getestet. Das Resultat.

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An der Müllerstrasse in Zürich haben wir 5G gefunden. Das war kein Zufall. Wir wussten von den Anbietern Sunrise und Swisscom, dass es in dieser Region in beiden Netzen eine gute 5G-Ab­deckung gibt. Mit diesen zwei 5G-Handys haben wir das Signal gesucht. Links: Oppo Reno 5G, rechts das Samsung Galaxy S10 5G. Wir haben vor Ort mit den Geräten und einer Swisscom-SIM (im Reno) und einer Sunrise-SIM (im Samsung) je zwei Messungen gemacht. Es sind keine Labor-, sondern Alltagstests an nur einem Standort. Beim Surfen merkt man mit 5G keinen ­grossen Unterschied zu 4G. Anders ist es in jenen Be­reichen, wo viele Daten verschoben werden, etwa beim Film-Download. Geschwindigkeitstests machen Sinn, wenn man mehrere Messungen direkt vergleichen will. Doch die Zahlen sind abstrakt. Wir haben deshalb versucht, einen greif­bareren Wert zu finden – und darum den aktuellen Film «Shaft» bei der Streamingplattform Netflix mit mehreren Geräten heruntergeladen. Am schnellsten ging es im Test mit dem Samsung Galaxy S10 5G inklusive Sunrise-5G-Abo. So dauerte der Download 14 Sekunden. Mit einem iPhone XS und 4G-Verbindung dauerte der Download des zweistündigen Films in Standardqualität knapp zwei Minuten. 5G ist der Nachfolger von 4G. Mit dem neuen Mobilfunkstandard können Daten bis zu 100-mal schneller als mit 4G gesendet werden. Dank einer verringerten Reaktionszeit können Prozesse in Echtzeit aus der Ferne gesteuert werden. Das macht neue Technologien wie etwa selbstfahrende Autos in der Zukunft erst möglich. Für 5G in der Schweiz werden aktuell die Frequenzen um 3,5 GHz genutzt. Für 2G, 3G und 4G sind oder waren Frequenzen zwischen 800 MHz und 2,6 GHz im Einsatz. Demonstranten protestieren gegen den Ausbau des 5G-Netzes bei der nationalen Kundgebung «Stop 5G» am Freitag, 10. Mai 2019 in Bern. (Keystone/Peter Klaunzer) Die aktuellen 5G-Frequenzen befinden sich laut dem Bundesamt für Kommunikation im gleichen Spektrum wie jene von 4G. Vergleichbar sind sie mit Frequenzen von drahtlosen Netzwerken (WLAN). Längerfristig könnten hierzulande für 5G zudem Millimeterwellen – über 24 GHz – dazukommen. Zurzeit sind diese aber nicht für den Mobilfunk freigegeben. Ein aktuelles Einsatzgebiet für Millimeterwellen sind zum Beispiel die Körperscanner am Flughafen, die auf 77 GHz betrieben werden. Doch der Mobilfunkstandard 5G ist umstritten. So gab es hierzulande Kundgebungen, die einen Ausbaustop fordern. Zum Thema existieren einerseits berechtigte Ängste, aber auch wilde Befürchtungen. Das Magazin «Pro Natura» berichtet in der aktuellen Ausgabe, dass Insekten, insbesondere Honigbienen, die elektromagnetische Strahlung im Bereich der 5G-Strahlung stärker absorbieren. «Es gibt eine reine Modellierungsstudie zu Insekten, die zeigt, dass im Millimeterwellenbereich – nicht das heutige 5G – die Absorption bei Insekten etwas höher ist, da die kleinen Strukturen, dann in Resonanz mit der Wellenlänge sind und wie eine Antenne funktionieren. Ob das ein Problem für die Insekten ist, ist aber unklar und konnte noch nie gezeigt werden», so Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts.. Demonstranten protestieren gegen den Ausbau des 5G-Netzes bei der nationalen Kundgebung «Stop 5G» am Freitag, 10. Mai 2019, in Bern. Zwar strahlt eine Antenne viel stärker, als ein Handy. Doch sind wir unseren Smartphones viel näher als den Antennen. «Für die Handynutzer ist das Gerät die Hauptstrahlungsquelle. Nutzt man das Gerät pro Tag eine Stunde für Internet und 5 Minuten, um zu telefonieren, so stammen 90 bis 95 Prozent der Strahlenbelastung vom eigenen Handy», sagt Röösli. Je weiter das Handy vom Körper entfernt ist, desto besser – und desto weniger Strahlung kriegt man ab. Dies kann erreicht werden, wenn man fürs Telefonieren zum Beispiel die im Telefon integrierte Freisprecheinrichtung oder einen Kopfhörer nutzt.

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Plötzlich stand da auf dem ­Display oben rechts ganz klein 5G. Doch so schnell es da war, war es auch wieder weg. Was nun? Nachdem wir die zwei Testhandys (siehe unten) wie Antennen über dem Kopf hin und her geschwenkt hatten, ein paar Schritte gelaufen und wieder stehen geblieben waren, war das Signal plötzlich wieder da. Beide Handys hatten 5G-Empfang, sapperlot!

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Das 5G-Signal an der Müllerstrasse in Zürich war kein Zufall. Wir wussten von den Anbietern Sunrise und Swisscom, dass es in dieser Region in beiden Netzen eine gute 5G-Ab­deckung gibt. Die ideale Voraussetzung also, um vor Ort Speedtests durchzuführen.

Film ist innert Sekunden da

Es sind keine Labor-, sondern Alltagstests an nur einem Standort. Die untere Grafik zeigt den Mittelwert von zwei Messungen pro Anbieter. Geschwindigkeitstests machen Sinn, wenn man mehrere Messungen direkt vergleichen will. Doch die Zahlen sind abstrakt.

Wir haben deshalb versucht, einen greifbareren Wert zu finden – und darum den aktuellen Film «Shaft» bei der Plattform Netflix heruntergeladen. Mit einem iPhone XS und 4G-Verbindung dauerte der Download des knapp zweistündigen Films in Standardqualität rund zwei Minuten.

Deutlich schneller geht der Download des Films mit 5G. Mit dem Oppo Reno 5G inklusive 5G-Abo von Swisscom war «Shaft» innerhalb von 17 Sekunden heruntergeladen. Mit dem Samsung Galaxy S10 5G inklusive Sunrise-5G-Abo dauerte der Download 14 Sekunden. Beim Surfen merkt man mit 5G keinen ­grossen Unterschied zu 4G. Die Schweizer Mobilfunkanbieter wollen ihre 5G-Netze in den kommenden Monaten noch deutlich ausbauen.

Oppo Reno 5G

Der chinesische Hersteller Oppo ist bei uns noch wenig bekannt. Mit seinem neuen Handy Reno 5G hat der Konzern aber einen Volltreffer gelandet. Wir konnten das 6,6-Zoll-Gerät eine Woche lang testen. So schnell wie das Reno fühlt sich selten ein Handy an. Apps lassen sich blitzschnell öffnen. Wem dies zu schnell geht, der kann die Menü­führung auch künstlich entschleunigen. Das auffallendste Merkmal ist die Selfiekamera. Sie fährt wie eine Haiflosse aus dem Gehäuse aus. Das Handy spielt in der Topliga mit – das zeigt auch der Preis von 1000 Franken.

Samsung Galaxy S10 5G

Mit dem Galaxy S10 5G bricht beim südkoreanischen Hersteller ein neues Mobilfunkzeitalter an. Es ist das erste 5G-Gerät des Herstellers, das verkauft wird. Mit dem 6,7-Zoll-Bildschirm ist es grösser als so manch anderes Handy. Positiv: Im grossen Gehäuse steckt auch ein grosser Akku. Den benötigt das Gerät aber auch, wegen des XL-Bildschirms und 5G. Ansonsten unterscheidet sich das Modell nur minim von der bestehenden S10-Serie. Neu ist eine ­zusätzliche Kamera auf der Vorder- und Rückseite. Kostenpunkt des 5G-Smartphones von Samsung: 1279 Franken.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Greg F. am 18.07.2019 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kritisch

    Nein echt jetzt?! Mit 5G ist es schneller? Gut habt ihr immer so tolle Experten. Werden die auch bezahlt?

  • Rssr am 18.07.2019 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Erlösung naht

    Ah endlich 5G. Nun kann ich meine Filme noch schneller downloaden, da ich ja so viele Filme downloade, wie der Grossteil der schweizer Bevölkerung. Aber das Internet, welches ich täglich mehrmals brauche, ist kaum schneller. Welch ein Nutzen.

  • AoMaK am 18.07.2019 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja?

    Ich habe nicht mal überall 4G Empfang und das in Zürich! Aber Hauptsache das 5G dann markant teuer verkaufen was? :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 19.07.2019 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5G und Mobiltarife

    Juhu! Dann ist mein monatliches Download Limit direkt nach 20 Sekunden aufgebraucht! Klasse! Freu mich schon!

  • moreno am 19.07.2019 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alles wass glänzt, ist gold

    positives sieht man gerne, und was ist mit negatives ?

  • Marius am 19.07.2019 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    5g nur Nachteile

    Irgendwas mach ich Falsch, egal ob der Film in 10min oder 10 sek heruntergeladen wurde, zum Anschauen dauert es immer ca. 1h50 Wo liegt jetzt mein Vorteil bei 5g?

    • Gygax am 19.07.2019 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      5G nur Vorteile

      Ähm es gibt grundlegend GAR KEINEN Nachteil an 5G. Somit deine Aussage zerstört.

    • Gygax am 19.07.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marius

      Ein Mensch mit beschränktem Denkvermögen kann wohl leider nicht über den Tellerrand hinaus denken. Mach dir michts draus.

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  • GilbertoChocho242 am 19.07.2019 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Langsamer sehen als downloaden

    Schade das ich Informationen und Videos nicht so schnell in meinen Kopf bekomme wie ich sie Herunterladen kann.

  • Ed am 19.07.2019 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Netflix streamt man... wozu download?

    Ich bin kein Gegner des Fortschritts. Aber warum bringt ihr immer filme als Beispiel für den Mehrwert von 5G. Ein film dauert so lange wie er dauert. Was juckt es mich, wenn der download schneller geht. Ich bin ja nicht 12 und habe kein datenabo.

    • Gygax am 19.07.2019 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ed

      Es geht auch nicht um Filme downloaden, auch wenn 20 Min. damit erste Messungen macht. Wenn aber 1000 Endgeräte parallel 4K Videos streamen, dann mag 5G noch mithalten, während 4G schon mit einem Bruchteil davon zusammen bricht.

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