EU fordert Standard

24. Januar 2020 12:25; Akt: 24.01.2020 12:25 Print

Apple wehrt sich gegen einheitliche Ladestecker

Die EU möchte an elektronischen Geräten einen einheitlichen Anschluss haben. Bei iPhone-Hersteller Apple stösst dies auf Gegenwehr.

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Ein Kabel für das iPad, ein zweites für das Samsung-Phone und ein drittes für den Kindle: Damit soll bald Schluss sein. Die EU will handeln. Das Europaparlament hat Mitte Januar erklärt, die Hersteller müssten einheitliche Ladesysteme für Handys, Tablets, E-Book-Reader und ähnliche Geräte anbieten. Das soll E-Schrott reduzieren und den Handynutzern das Leben erleichtern.

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Bei Hersteller Apple stösst dies auf Ablehnung. Der Konzern sei überzeugt, dass das Innovationen bremsen und den Verbrauchern in Europa schaden würde, erklärte Apple.

Viel Kabel-Wirrwarr

Die EU-Kommission will derweil bald neue Schritte vorschlagen, die zu einem einheitlichen Ladegerät führen könnten. Brüssel hatte bereits vor mehr als zehn Jahren versucht, den damaligen Dschungel verschiedener Ladesysteme zu lichten. Zu der Zeit war es üblich, dass Handys unterschiedlicher Hersteller nicht miteinander kompatible Ladebuchsen hatten. Die Kabel waren zudem fest mit dem Ladegerät verbunden – sodass man beim Anbieterwechsel automatisch ein neues Ladegerät brauchte.

Nach einer Selbstverpflichtung der Industrie setzte sich der heutige Ansatz durch, an den Ladegeräten eine Anschlussbuchse statt eines festen Kabels zu haben. Damit kann man mit einem Netzteil und den jeweils passenden Kabeln verschiedene Geräte aufladen. Das geht einigen politischen Akteuren aber nicht weit genug, und es gibt Überlegungen, auch einen Standard für die Ladebuchsen an den Smartphones selbst festzulegen.

Aktuell sind da nur noch wenige Formate verbreitet. Das früher von vielen Herstellern genutzte Micro-USB-Format ist auf dem Rückzug und wird vom moderneren USB-C verdrängt. Apple hält beim iPhone, iPod Touch und den meisten iPad-Modellen am hauseigenen Lightning-Anschluss fest, setzt bei einigen Geräten wie dem iPad Pro oder den Macbook-Laptops aber auf USB-C. Zugleich setzt sich USB-C langsam als Standard für die Ausgangsbuchse am Netzteil durch.

Elektroschrott befürchtet

Apple argumentiert, dass eine flächendeckende Vorgabe für eine Standard-Ladebuchse die Konsumenten zwingen würde, ihre heutigen Lightning-Kabel zu ersetzen – und damit einen negativen Effekt für die Umwelt mit einer «beispiellosen Menge Elektroschott» hätte. Zudem gab der Konzern zu bedenken, dass sich weder Lightning noch USB-C mit ihren verbesserten Möglichkeiten etabliert hätten, wenn seinerzeit wie geplant das technisch einfachere Micro-USB-Format als Standard festgeschrieben worden wäre.

Smartphone-Hersteller stellten auch bereits Modelle vor, die allein kabellos aufgeladen werden und ganz auf Ladebuchsen verzichten. In Analystenkreisen wurde auch über Pläne von Apple in diese Richtung spekuliert. Europäische Regulierung setzt sich oft auch im globalen Massstab durch, weil die Hersteller ungern Geräte nur für bestimmte Regionen bauen.

(tob/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paescu22 am 24.01.2020 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple

    Es würde wohl eher Apples Umsatzzahlen schaden, als dem Verbraucher oder der Umwelt.

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  • tom wade am 24.01.2020 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    typisch apple

    ist ja klar, dass apple keine standards will, denn zur zeit zocken sie ihre kunden mit ihren proprietären formaten ganz gediegen ab. das wird alles passé sein, wenn der standard kommt!

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  • El perro am 24.01.2020 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Jaja, genau Apple kommt mit dem Argument Elektroschrott. Bis sie dann wieder einen neuen Stecker erfinden, damit alle wieder alles neu kaufen müssen. Am besten einfach nur Zulassung zum Verkauf erteilen, wenn das Gerät über USB C verfügt. Das Gleiche sollte hier in der Schweiz durchgesetzt werden. Wir haben ja schon diese Regelung, nur wird sie nicht durchgesetzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sam am 26.01.2020 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer is im Nachteil

    Dieses Argument von Apoel stimmt doch wirklich nicht. Mit jedem Gerät werden entsprechend Kabel mit Stecker ausgeliefert. Muss Appel sich jetzt beugen und USB c - zum Beispiel einbauen betrifft das ja bloss neue Geräte. Die alten können bleiben wie sie sind und allfällige Adapter a la Kopfhöreranschluss eckig zu rund hat ja auch funktioniert. Und desswegen dickere iPhone wird Appel desswegen nicht herstellen. Appel könnte jedoch auch sein Steckersystem auf Platz 1 drängen! So gäbe es keine Probleme. Das wollen die auf Coupertino aber nicht.

  • Ingenieur am 25.01.2020 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU-Machtdemonstration

    Normen sind für die Schwachen; wer nach Normen schreit, will sich dahinter verbergen! EU-Normen sind in 99.9% durch wirtschaftliche Interessen entstanden und haben oft das Ziel, die kleinen Mitbewerber auszugrenzen. Wer sich einer Norm entgegensetzt, wird bestraft, auch wenn das Produkt innovativer und besser ist, als es die Norm zulässt.

  • Christian Duerig am 25.01.2020 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NORMIERUNGEN

    Die Christenheit, der DUDEN, die Schule, d.... helfen alle, die Originalität, die Phantasie, die Emotionen und besonders die Vielfalt zu begraben. Am Schluss sind wir nur noch Maskenträger und Schwindler. Ich meinerseits bevorzuge Aberglauben, Dialekte und Aussergewöhnliches. Nun warte ich nur noch auf die normierte Steckdose, aus welcher die Nahrung kommt !!! Ich bin neugierig und freue mich auf Neues, auf Gadgets & Fortschritt !!!

  • blup am 25.01.2020 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blup

    ich bin kein Technik Experte, aber hier geht es lediglich um den Anschluss, also das verbindende Teil von Ladekabel zu Telefongerät, was unter der Haube also im Kabel für Technologie steckt wird nicht vorgeschrieben. Ergo stimmt es dass Apple nur wegen dem Gewinnverlust ihr Monopol halten will. Wie bekannt laden android geräte sogar schneller als Apple. Hier wird einzig und allein Ressourcen gespart indem der Anschluss universell wird. Der Wettbewerb in der Technik sollte daher praktidch nicht da sein. Man müsste eine Ergänzungsklausel hinzufügen wie z.B. wenn ein neuer Anschluss erfunden wird der signifikante technische Vorteile liefert, oder Geräte die zu klein für den Anschluss sind. Es Ausnahmen oder eine zeitlich auf 2-3 Jahre einheitliche Umrüstung stattfinden muss.

  • john am 25.01.2020 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wick

    Viele Apple standards wurden mittlerweile durch öffentliche bekannte ersetzt. So viel zu Innovation. Die Ladezeiten sind elend lang im vergleich zu gleichwertigen Androids. Nur noch eine Frage der Zeit.