Totale Überwachung

16. August 2019 15:06; Akt: 16.08.2019 15:24 Print

Er macht aus dem Tesla ein Spionagefahrzeug

​​​​​​​Ein Sicherheitsforscher hat eine spezielle Software für das Model 3 von Tesla geschrieben. Damit kann er das Auto für ganz andere Zwecke nutzen.

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Das ist der Sicherheitsforscher Truman Kain, der für das Sicherheitsunternehmen Tevora arbeitet. Im Hintergrund ist das Model 3 von Tesla zu sehen, dessen Kameras Kain mit seiner Software angezapft hat. Durch die Kombination der Software mit den Tesla-Kameras kann Kain alle Autos, die an seinem Tesla vorbeigefahren sind, erfasssen und nach Nummernschild oder Fahrzeugmodell durchsuchen. Wenn man auffällig oft von einem Auto verfolgt wird, gibt die Software eine Warnung aus. Im Video wurde beispielsweise viermal in derselben Woche ein schwarzer Land Rover erkannt. Auch der Ort, wo sich das Fahrzeug befand, als es am Tesla vorbeifuhr, kann in der Software über eine Karte eingesehen werden. Zudem kann der Nutzer auf die Videoaufnahmen der entsprechenden Momente zugreifen, da diese ebenfalls abgespeichert werden. Doch Kain hat damit keine bösen Absichten. Er wollte einerseits möglichen kommerziellen Anbietern zuvorkommen und Menschen helfen, sicher zu bleiben. Etwa wenn sich ein Journalist mit einer geheimen Quelle treffen möchte und dabei nicht ausspioniert werden soll. Zusätzlich zur Erkennung von Nummernschildern gibt es auch eine Gesichtserkennungs-Funktion. Wenn beispielsweise eine Person öfter am Auto vorbeigeht, alarmiert das System den Nutzer auf seinem Smartphone. So erkennt man schnell, ob es einfach ein Zufall war, oder ob man tatsächlich verfolgt wird. Kain ist sich der Gefahren seines Systems bewusst. Doch er sagt auch: «Wenn die Technik anderen hilft, sicher zu bleiben, finde ich das gut ... und auch wenn ich darüber informiert werde, wenn jemand um mein Auto schleicht.»

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Ein Fahrzeug, das Gesichter von Passanten und Nummernschilder der anderen Autos in Echtzeit erkennt und alle Informationen speichert. Was sich nach einer beängstigenden Zukunftsvision anhört, hat der Sicherheitsexperte Truman Kain, der für die amerikanische IT-Firma Tevora arbeitet, tatsächlich gebaut.

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Dazu hat er eine Software geschrieben, mit der er auf die verschiedenen Kameras der Tesla-Modelle S, 3 und X zugreifen und diese zweckentfremden kann. Der Prozess ist relativ einfach. Denn Kain schliesst dafür einfach einen Computer per USB-Kabel an das Tesla-Modell an und schon kann es losgehen.

Totale Überwachung

Fährt man danach herum, werden andere Verkehrsteilnehmer, denen man begegnet, automatisch im System erfasst. In einer Suchmaske in der Software können anschliessend die Fahrzeuge, die von den Kameras erfasst wurden, beispielsweise nach Modell oder dem Hersteller durchsucht werden.

Auch wer leicht paranoid ist oder das Gefühl hat, verfolgt zu werden, dürfte sich an den neuen Möglichkeiten erfreuen. Denn die Software informiert den Fahrer automatisch, falls einem ein anderes Auto in den letzten Tagen ungewöhnlich oft gefolgt ist, inklusive einer Karte mit dem jeweiligen Standort.

Keine böse Absicht

Wie Wired.com berichtet, steht für Kain nicht die Überwachung an sich im Fokus. Er habe eher an eine Art Spionageabwehr gedacht, zum Beispiel wenn sich ein Journalist mit einer geheimen Quelle treffe und die Begegnung nicht ausspioniert werden sollte.

Dasselbe Prinzip funktioniert auch, wenn das Auto parkiert ist und eine Person darum herum schleicht. Wenn ein Gesicht mehrmals erkannt wird, erhält der Nutzer eine Benachrichtigung auf dem Smartphone: «Die Frontkamera hat die unbekannte Person #38 zum dritten Mal entdeckt. Geben Sie ihr einen Spitznamen.»

Kommerzielle Interessen

Kain ist sich der Gefahr, die ein solches System darstellen kann, durchaus bewusst. Er bemerkt jedoch, dass eine neue Ära der allgegenwärtigen Datenerfassung über Kameras von selbstfahrenden Autos sowieso zu erwarten sei. Und vieles davon könnte zusammengeführt und in zentralisierten Datenbanken abgespeichert werden, so seine Warnung.

Er wollte jedoch nicht darauf warten, bis eine zwielichtige Firma so ein System entwickelt und damit Geld verdient. Deshalb wurde er selbst aktiv. Und zudem sagte er im Interview mit «Wired»: «Wenn die Technik anderen hilft, sicher zu bleiben, finde ich das gut ... und auch wenn ich darüber informiert werde, wenn jemand um mein Auto schleicht.»

Wie der auf digitales Recht spezialisierte Anwalt Martin Steiger auf Anfrage erklärt, ist eine Videoüberwachung des öffentlichen Raumes – wie dies in diesem Fall geschieht – für private Sicherheitszwecke in der Schweiz grundsätzlich nicht zulässig. Es sei zudem für betroffene Personen gar nicht erkennbar, dass sie von einem Auto gefilmt würden. Und auch die oben beschriebene Gesichtserkennung hält er – ob mit oder ohne Tesla-Kameras – in der Schweiz ebenfalls grundsätzlich für nicht zulässig.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 16.08.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne neue Welt

    Und wir haben uns immer gewünscht, 1984 würde immer ein Alptraum bleiben.

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  • Danilo am 16.08.2019 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totale Überwachung

    Was war das früher doch eine wunderschöne Zeit.

  • Peter Ban am 16.08.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten Spiderman

    Der nächste grosse Trend werden Gesichtsmasken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Lustig am 17.08.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ehrlich

    Dafür brauchts kein Tesla. 2 Cams, ein Raspi und bisschen KI in der Cloud, dann kann man auch ein Velo mit "Spionagesystem" haben. Ist aber halt der Name Tesla nicht drin vorgekommen und man hat sich den Aufwand die Kameras vom Tesla anzuzapfen gespart.

  • Analoger Anonymus am 17.08.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kampf gegen Spionage

    Dann müssen alle die Datenschutz wollen Teslas abfackeln. Wenn ich so eine Kiste sehe fliegt der Molotow garantiert.

    • George Orwell am 17.08.2019 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Big Brother is watching you ...

      ALLE neuen Autos, sämtlicher Marken, besitzen Kameras und zeichnen ALLES auf !! Ich hoffe Sie sind Multi-Millionär, denn das mit den Molotow's wird gewaltig ins Geld gehen ...

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  • skeptiker am 17.08.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    5G Technik

    Wacht auf Leute... mit der 5G Technik sind noch ganz andere Echtzeitüberwachungen möglich. Wehret den Anfängen

    • Aluhut am 17.08.2019 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @skeptiker

      Ist auch ohne 5G möglich... wäre auch mit 3G möglich. Ziehen Sie den Aluhut ab und hören sie auf Leuten angst zu machen.

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  • Rônin am 17.08.2019 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonyme?

    Das ist vorbei. Es gibt keine Anonymität mehr.

  • ein gestalkter mann am 17.08.2019 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine stalker mehr

    ja nie wieder gestalkt werden. ich kaufe mir das gerät.