Hype um Bitcoin

18. April 2013 12:11; Akt: 18.04.2013 12:50 Print

Bezahlen mit virtuellem Geld – der Selbstversuch

von Samuel Hufschmid - Es ist das Trend-Zahlungsmittel im Web. Viele sehen Bitcoin als neue Weltwährung und erhoffen sich das grosse Geld. Unser Reporter ging mit der virtuellen Münze auf Einkaufstour.

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Ich treffe mich am Bahnhof Bubikon mit Bitcoin-User «zefir» und übergebe ihm 100 Franken. Er zückt sein Smartphone, fotografiert meine Empfangsadresse und Sekunden später bin ich im Besitz meines ersten Bitcoins. «Ich habe bereits Hunderte Bitcoins verkauft», sagt der Informatiker, der seinen richtigen Namen nicht nennen will. Unter dem Usernamen «zefir» bringt er die digitalen Währungseinheiten nicht nur unter die Leute, sondern stellt sie sogar selber her. «Bei mir zuhause läuft rund um die Uhr ein Hochleistungscomputer, der mithilft, die Bitcoin-Währung abzusichern.» Für diesen Aufwand werde er entschädigt – mit Bitcoins.

Mit meiner ersten digitalen Münze, gespeichert auf dem Smartphone, fahre ich nach Wollishofen zu Rolf Brugger. Der Kaffee-Liebhaber betreibt seit einem guten Jahr den Espressotassenshop tazzine.ch und akzeptiert als einer der ersten Händler in der Schweiz Bitcoins.

Ein Klick später ist bezahlt

0,35 Bitcoins kosten die sechs exklusiven Espresso-Tassen bei Brugger. Zur Zahlungsabwicklung tippt der Tassenhändler den Preis in eine Smartphone-App und fordert mich auf, mit meinem Telefon seinen Bildschirm zu fotografieren. «Damit gehören die Tassen ihnen», sagt er nach einem erneuten Blick auf seine Smartphone-App.

Der Markt für Bitcoins in der Schweiz ist noch klein. Seit dem rasanten Kursanstieg um 2600 Prozent im letzten Jahr sorgt die alternative Währung aber auch hier für Schlagzeilen. Bitcoin-Händler «zefir», der derzeit jede freie Minute in sein Hobby steckt, sagt: «Technisch ist die Währung absolut sicher und weder Staaten noch Firmen können Einfluss darauf nehmen. Deshalb hat sie gute Chancen, sich langfristig als Standard im Internet-Zahlungsverkehr zu etablieren.»

Der Tassen-Verkäufer Brugger glaubt ebenfalls an die Zukunft der digitalen Währung: «Ein wichtiger Vorteil der Bitcoins ist, dass bei Überweisungen keine Gebühren anfallen.» Seine Bitcoin-Einnahmen gibt Brugger im Moment nicht aus, sondern betrachtet sie als Investition. «Falls sich die Währung durchsetzt, sind diese Coins vielleicht bald Gold wert – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.»

Winklevoss-Zwillinge machen Millionen

In Bitcoins investiert haben auch die aus dem Facebook-Film «The Social Network» bekannten Winklevoss-Zwillinge, allerdings im grösseren Stil. Die beiden hatten Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2004 wegen Ideenklaus verklagt und dabei Millionen verdient. Ein Teil dieses Geldes investierten sie in Bitcoins, wie sie vor wenigen Tagen gegenüber der «New York Times» sagten. «Wir haben Vertrauen in dieses mathematische System, das keine menschlichen Fehler und keine politische Einflussnahme kennt», begründete Tyler Winklevoss die Investition. Dank des rasanten Kursanstiegs der Alternativwährung seit vergangenem Sommer haben sie damit (erneut) Millionen verdient.

Aus diesem Grund habe auch ich meine nach dem Tassenkauf übrig gebliebenen Bitcoins behalten. Dies, obwohl mich «zefir» wie jeden seiner Kunden vor dem Kauf gewarnt hat: «Es besteht die Gefahr, dass Banken oder Staaten die Währung auf juristischem Weg ausschalten und die Bitcoins ihren Wert verlieren.» Gleichzeitig erzählte er aber, dass er bereits die nächste Investition plane – in einen noch leistungsfähigeren Bitcoin-Computer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kurt am 18.04.2013 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    gefährliches halbwissen

    dieser "zefir" hat wohl keine ahnung, denn der spruch "Technisch ist die Währung absolut sicher und weder Staaten noch Firmen können Einfluss darauf nehmen." stimmt so nicht. erst kürzlich hat man ja gesehen wie schnell der kurz abstürzt wenn die bitcoin börse mal nicht erreichbar ist - und ein DDOS auf die paar server könnte jeder zwergenstaat organisieren. wer da geld investiert kann es auch gleich zum fenster rauswerfen. FINGER WEG!

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  • Andy am 19.04.2013 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Annahmepflicht

    Bei der Diskussion um den Bitcoin darf die Tatsache nicht unterschätzt werden, dass dieser nirgends als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen ist. Es ist niemand verpflichtet ihn zahlungshalber anzunehmen; das sieht bei Landeswährungen anders aus (vgl. z.B. Art. 3 WZG für die Schweiz).

  • Samuel H. am 18.04.2013 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fragliche Daten

    Es gibt noch viele offene Fragen. Was mich besonders stört, ist die Tatsache, dass man keine Ahnung hat welche Daten dieses Computernetzwerk verarbeitet. Simulationen wie für FEM oder Wetter wohl eher nicht. Ich vermute mal eher zum Entschlüsseln von Codes. Und darunter vermutlich einige für illegale Zwecke. Ich finde das bedenklich

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeremias am 19.04.2013 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Galaanz gefährlich

    da kann dann der staat oder wer auch immer, kurzerhand dein Geld verschwinden lassen....diktatur Beispiel eu Griechenland...am besten geldsystem einbrechen lassen und wieder ins Tauschgeschäft einsteigen

  • Livecoin am 19.04.2013 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoins = viel wie unser Geld

    Die Bitcoins sind genauso viel Wert wie unser Geld... nichts. Unser Geld ist seid es keinen "richtigen" Gegenwert mehr in Gold hat nichts mehr Wert, es hat nur den Wert dem wir ihm geben wenn jemand bereit ist für 100 Fr. einen Bitcoin zu kaufen dann ist der momentane Gegenwert 100 Fr.. Geld ist nur solange etwas Wert wie wir uns einreden. Bis wir eines Tages bemerken, wenn alle realen Ressourcen verbraucht sind, das wir mit Geld nichts erschaffen können. Eine Ressourcenbasierte Wirtschaft ist meiner Meinung nach das Einzige dass uns auf Dauer am Leben erhalten. PS: Ich bin Parteilos.

  • Andy am 19.04.2013 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Annahmepflicht

    Bei der Diskussion um den Bitcoin darf die Tatsache nicht unterschätzt werden, dass dieser nirgends als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen ist. Es ist niemand verpflichtet ihn zahlungshalber anzunehmen; das sieht bei Landeswährungen anders aus (vgl. z.B. Art. 3 WZG für die Schweiz).

  • Pegi am 19.04.2013 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin

    Und wenn der Server gehackt wird? Wer hat den Lead bei den Bitcoins? Wer verhindert, dass sich wer die Coins einfach gratis dupliziert? Herrschen gleiche Regeln wie bei Banken bei den Servern? etc. etc. etc. Nein Danke.

    • Sebastian am 19.04.2013 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte zuerst schlau machen...

      anstatt hier einfach mal zu posten. Bitcoins sind nicht auf 1 Server, sondern auf allen Servern in Form eines "Blockchain", in welchem jede Transaktion, die es je gegeben hat, niedergeschrieben ist. Die Blockchain wird auf jeden an Bitcoin beteiligten Server dupliziert und ist mittels einer Prüfsumme vor Manipulation geschützt. etc. etc. etc. Ja bitte!

    • Tom H am 19.04.2013 16:27 Report Diesen Beitrag melden

      Bitcoin ist eine Konsens-Währung

      Es gibt keine Server zum "hacken". Niemand hat den Lead. Die Sicherheit des Systems wird kollektiv gewährleistet. Um Bitcoins zu duplizieren, muss der Konsens auf sozialer Ebene geändert werden. "Hacken" ist da wirkungslos.

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  • Skepto am 19.04.2013 04:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hype

    Eine währung ohne wert ist nichts wert. Zu dem sehe ich bereits in naher zukunft die ersten hacks darauf zukommen, wenn die popularität weiter ansteigt. Ok es ist vieleicht eine umfangreiche programmierung, doch mit der popularität steigt auch der ertrag bei einer gefundenen lücke, was bei open source noch ein tick leichter ist ;-)

    • marco am 19.04.2013 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      @skepto

      das ist bei normalen währungen auch so.. haben nicht mehr wert. zudem kann der staat dir einfach so mal was abziehen.. siehe zypern.

    • Reto Rieser am 19.04.2013 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      @ skepto 2

      Eine Währung ist immer so viel Wert, wie sie akzeptiert wird (auch beim normalen fiat Geld). Das die Währung jemals gehackt wird, ist praktisch ausgeschlossen und wird mit zunehmender Netzwerkstärke immer unwahrscheinlicher. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Staaten ihre Machtposition behalten wollen, um weiter den Bürger betrügen zu können, und dazu alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen werden, um Bitcoin zu attackieren.

    • Tom H am 19.04.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      kein "security through obscurity"

      Die ersten Hacks? Die gab es schon in 2010! Bitcoin steht schon seit fast 3 Jahren kontinuierlich unter heftiger Attacke, und nicht nur von Hackern. Genau das hilft die Lücken zu schliessen.

    • Remo Wenger am 20.04.2013 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Wissen ist Macht.

      Man merkt, dass du weder eine Ahnung von Währungen, noch eine Ahnung von Open Source hast. ;-)

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