«Lightbeam»

29. Oktober 2013 23:52; Akt: 30.10.2013 07:18 Print

Browser-Plug-in zeigt, wer Sie beim Surfen verfolgt

Mozilla hat ein Tool veröffentlicht, das dokumentiert, welche Firmen mitlesen, wenn man im Internet surft. Wie funktioniert das Tracking und wie kann man es verhindern?

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Haben Sie im Hintergrund Facebook offen? Oder eine Google-Suche am Laufen? Dann werden Sie verfolgt – genau jetzt. Denn: Überall im Netz hinterlassen wir stückchenweise persönliche Daten. Unser Surfverhalten wird mit sogenannten Cookies, die von Webseiten auf dem eigenen Rechner gespeichert werden, nachvollzogen.

Welche Seiten wir besuchen, welche Links wir verfolgen, was wir suchen oder liken, unser digitaler Fussabdruck ist für gewisse Firmen wertvoll – und ein grosses Geschäft. Er wird genutzt für zielgerichtete Werbung, Marktforschung oder für politische Kampagnen.

Lightbeam dreht den Spiess um

Jedes Mal, wenn eine Webseite besucht wird, wird eine ganze Flut an Daten, oft ohne Wissen und Zustimmung, über das Internet gesendet, auch an Dritte. Doch wer verfolgt uns? Und wie läuft das genau ab? Auf den ersten Blick ist kaum zu erfassen, wie das funktioniert. Zu umfassend und zu undurchsichtig ist das Tracking im Internet.

Das kostenlose Plug-in Lightbeam für den Browser von Mozilla Firefox soll nun etwas Licht ins Dunkel bringen und den Spiess umdrehen. Mit dem Plug-in lassen sich die Stalker bis zu einem gewissen Grad selbst verfolgen.

«Sie haben Daten an 135 Dritte gesendet»

Nach der Installation der Erweiterung findet man in der rechten unteren Ecke des Browsers einen Knopf, der zur Lightbeam-Ansicht führt. Dort stehen drei verschiedene Ansichten zur Verfügung. Graph, Clock und List. Das Tool bereitet grafisch auf, wer Ihre Klicks im Internet verfolgt und kann dies für jede Webseite getrennt ausweisen. In unserem Test wurde schnell klar, dass gewisse Webseiten teils sehr spendabel mit den gesammelten Daten umgehen. Bereits nach wenigen Minuten wurden Daten an mehrere Dutzend Firmen übermittelt: «Sie haben 13 Seiten besucht und Daten an 135 Dritte gesendet», heisst es.

Grafisch dargestellt wird die eigene Aktivität im Internet als feinmaschiges Netz. Die runden Punkte signalisieren besuchte Webseiten. Dreieckige Symbole kennzeichnen Seiten von Drittanbietern, die mitlesen. Wer auf die einzelnen Symbole klickt, bekommt weitere Informationen zu den Trackern und erfährt etwa, wo deren Server stehen.

Ziel ist weltweite Datenbank

Mit der Clock-Ansicht verschafft man sich bei Lightbeam einen schnellen Überblick über den aktuellen Tag und in der dritten Ansicht werden die Verbindungen unterhalb der Webseiten als Liste dargestellt. Entwickelt wurde Lightbeam von der Mozilla Foundation in Zusammenarbeit mit Studenten der Emily Carr Universität in Vancouver. Ziel von Lightbeam ist ein Gesamtbild des Trackings im Internet zu erstellen. Im Hintergrund sammelt das Plug-in darum selbst Daten. Standardmässig ist diese Funktion aber deaktiviert.

Doch wie verhindert man, dass man im Internet auf Schritt und Tritt verfolgt wird? Die meisten Browser haben mittlerweile eine Funktion eingebaut, die privates Surfen zulässt. Bei Mozillas Firefox heisst das Feature «Privater Modus», bei Chrome «Inkognito Modus» und im Internet Explorer «Private Modus». Diese Funktionen erlauben es den Nutzern zu surfen, ohne dass dabei Daten, etwa über besuchte Webseiten, lokal gespeichert werden.

Diese Modi machen Sie aber nicht anonym. Internetdienstanbieter, Betreiber der besuchten Webseiten oder Arbeitgeber können immer noch nachvollziehen, welche Seiten angeklickt wurden. Ein weiterer Weg wäre es, die Cookies, die Informationen über Seiteneinstellungen und Anmeldeinformationen enthalten, zu deaktivieren. Das lässt sich über die Browser-Einstellungen regulieren.

Verfolge mich nicht

Zusätzlichen Schutz bieten auch diverse Erweiterungen für den Browser. Zu den bekanntesten zählt das Plug-in DoNotTrackMe (für Firefox und Chrome). Damit kann man personalisierter Werbung den Kampf ansagen. Die kostenlose Erweiterung blockiert Cookies schon, bevor diese überhaupt auf den eigenen Rechner gelangen.

Für mehr Privatsphäre im Netz sorgen auch alternative Suchmaschinen. Wer etwa wissen will, was der Suchmaschinenriese Google über einen weiss, kann dies in den Anzeigeeinstellungen von Google nachvollziehen. Ein Gmail-Konto braucht es dafür nicht. Gleich mehrere Suchanbieter haben den Datenschutz als ihr oberstes Ziel definiert. Dienste wie Duckduckgo.com oder Startpage.com speichert keine IP-Adressen und loggt keine Daten mit. Auch auf Cookies verzichten die alternativen Suchanbieter grösstenteils.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shodo Manta am 30.10.2013 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Cooles Tool

    Ein cooles Tool! Habs gleich installiert und auf genau dieser Seite 17 Trackers gefunden! Sie dienen heute dazu, ein Profil von mir zu machen, um mich mit dem zu bombardieren, was ich mir statistisch gemittelt wünschen könnte. Zum Glück sind meine Wünsche nicht Durchschnitt oder materiell und eher bescheiden. Wogegen ich mich aber nicht wehren kann ist, dass diese Daten ein digitales Modell von mir bilden und später einmal, in einer veränderten Zeit, gegen mich verwendet werden können, wenn mein Modell aus irgendwelchen Gründen aneckt, obwohl es nur ein Modell ist und nicht mein Ich.

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  • ramses am 30.10.2013 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    und hier?

    Hauptsache auf dieser Website explodiert die Tracking Anzeige

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  • Harry am 30.10.2013 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cookies sind nicht immer "böse"

    Dieser Artikel ist ja gut und recht. Ausserdem ergänzt er auch die NSA-Berichte, die nicht abreissen... Aber für den Laien, sollte zeitgleich auch erwähnt werden, dass Cookies auch durchaus nützlich sein können. Auch, dass viele Internet-Annehmlichkeiten gar nicht erst ohne Cookies möglich wären. Hier ein paar Beispiele: E-Banking, zahlreiche Online-Shop's, etc. Ohne diese Cookies müssten sämtliche User-Daten wie Name, Adresse, etc. jedes mal auf's Neue erfasst werden. Also, Cookies haben auch etwas Gutes an sich, nicht nur wenn diese essbar sind... ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • klardenker am 30.10.2013 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    ich sag nur was..

    ..peerblock (aka peerguardian) installieren und ruhe ist im haus!

  • Poodel am 30.10.2013 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nie Chrome installieren...

    Oder GoogleEarth, oder sonst etwas von Google. Dann hat man schon viel "blockiert".

  • ghost am 30.10.2013 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    ohne cookies unterwegs

    ausser auf den seiten, welche ich ein benutzerkonto habe oder e-banking. ausserdem habe ich noch ghostery. läuft alles tiptop :)

    • besserwisser am 30.10.2013 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      ghostery

      ist cool, nutze ich auch

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  • Ausseridischer am 30.10.2013 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Leute und gegner von Tracking

    Tut nicht so überrascht über diese Tracking-Sache. Nur weil niemand es wahr haben will, dass wir auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Mir ist es lieber, dass man mir eine Werbung für eine Weiterbildung anzeigt, anstatt welche für Windeln! Zudem kann man durch Werbung die Kosten für den Betrieb der Seite decken. Mein Firefox blockiert einzig Pop-Up-Werbung. Ich selber entscheide, ob ich einen Seitenbanner beachte und draufklicke. ;-)

  • Charlie B. am 30.10.2013 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Do Not Track Me

    Super Beitrag, danke! Hab in Chrome gleich die Suchmaschine umgestellt auf startpage.com und das Plug-In 'DoNotTrackMe' installiert. Ich empfehle auch noch bei Chrome in den Einstellungen -> Erweiterte Einstellungen anzeigen... -> Datenschutz -> Inhaltseinstellungen -> Plug-ins -> Click-to-Play zu aktivieren. Dann werden die Flashwerbungen nicht mehr angezeigt.