«Do Not Track»

15. Februar 2011 08:28; Akt: 15.02.2011 08:30 Print

Browser verbessern Datenschutz

Die neue Version des Internet Explorers verspricht einen stärkeren Schutz der Privatsphäre. Ähnliche Funktionen bieten auch Firefox und Chrome.

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Der Browser-Krieg geht in eine neue Runde. Im Bil: Dean Hachamovitch von Microsoft, bei der Vorstellung der Beta-Version des Internet Explorers 9 im September 2010. (Foto: Keystone)

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Völlig ungefragt haben die grossen Online-Werbefirmen bislang die Internetnutzer als billige Datenquellen ausgenutzt. Sie sammelten so ziemlich alles, was für sie interessant sein könnte: Was sucht der Nutzer, auf welcher Website war er vorher, wo geht der jetzt hin. Zusammengenommen werden aus diesen Daten richtige Nutzerprofile, die den Unternehmen helfen, die entsprechende Werbung auf den Websites zu platzieren.

Wer sich dadurch belästigt oder gar verfolgt fühlt, kann jetzt mit den neuesten Versionen der Browser Internet Explorer, Firefox oder Chrome dagegen vorgehen. Ob die in die Browser eingebauten Möglichkeiten tatsächlich helfen, wird sich aber erst noch zeigen müssen, denn zum Teil setzen sie auf die freiwillige Mitarbeit der Werbeindustrie. Und als Standard gibt es den Schutz nicht - er muss in allen Browsern extra aktiviert werden.

Der sogenannte Tracking-Schutz gehört zu den wichtigsten Neuerungen, die Microsoft selbst hervorhebt, in dem in der vergangenen Woche freigegebenen Release Candidate (RC) des Internet Explorers 9 (IE9). Aktiviert der Nutzer den «Tracking-Schutz», dann ruft das Programm sogenannte Tracking-Schutz-Listen ab. Allerdings hat der IE9 keine vorinstallierten Listen. Diese müssen vom Nutzer angelegt oder importiert werden.

Firefox und Chrome mit Tools

Einen etwas anderen Weg gehen die Mozilla Stiftung mit ihrem Browser Firefox 4, der jetzt in einer weiteren Beta-Version vorgestellt wurde, und Google mit Chrome. Beide unterstützen sogenannte «Do not Track»-Tools, die auf die Zusammenarbeit mit der werbetreibenden Industrie setzen. Das sind die Firmen, bei denen der Nutzer schon jetzt personalisierte Anzeigen ablehnen kann. Laut Google gehören aber die 15 grössten Werbe-Netzwerke, darunter die von AOL, Yahoo und Google selbst. Beim Firefox 4 ist der Tracking-Schutz integriert, Chrome-Nutzer müssen ein Plug-in installieren.

Nicht ganz freiwillig

Beim Firefox 4 (ab Beta 11) wählt der Nutzer unter Extras zunächst die Option Einstellungen aus. Dann geht es weiter zu Erweitert, Allgemeines und dort zum Feld «Websites mitteilen, dass ich nicht verfolgt werden möchte». Hier macht man das Häkchen - denn wer möchte schon gerne verfolgt werden.

So ganz freiwillig ist diese Offensive in Sachen Schutz der Privatsphäre von Internetnutzern der Browser-Hersteler aber nicht. Die Unternehmen kommen damit wohl nur Schritten der US-Regierung zuvor. So hatte die US-Handelskommission im vergangenen Monat die Einrichtung eines solchen «Do Not Track»-Tools empfohlen. Und das US-Handelsministerium forderte Richtlinien für die werbetreibende Industrie, die diese dazu verpflichten würden, den Nutzer zu warnen, wenn Daten über ihn gesammelt werden. Die Konsumenten müssten dann auch die Möglichkeit haben, diese Daten-Erhebnung abzulehnen, hiess es. Das hat jetzt jeder selbst in der Hand.

Vor der Fertigstellung

Langsam, aber sicher nähert sich der Internet Explorer 9 von Microsoft seiner Fertigstellung. In der vergangenen Woche wurde der sogenannte Release Candidate veröffentlicht, die letzte Version vor dem fertigen Programm. Der IE9 läuft nur unter Windows Vista und Windows 7 und ist nicht mit XP kompatibel, was etliche Internetnutzer ausschliessen dürfte.

Vom Aussehen her hat sich der IE9 den anderen Browser angenähert. Es gibt oben nur noch ein Adressfeld, daneben öffnen sich die Tabs. Das Feld zur Darstellung der Websites wird damit deutlich grösser. Aber nicht nur die Ästhetik wurde überarbeitet, das Programm soll vor allem multimediale Websites deutlich schneller laden.

Um die Verarbeitung von multimedialastigen Websites zu beschleunigen, wird beim IE9 zur Darstellung von Grafiken, Videos und Texten nicht mehr nur der Hauptprozessor genutzt, sondern der Prozessor der Grafikkarte. Unterstützt werden vom IE9 auch neue Webstandards wie HTML5. Für die Nutzer des Internet Explorers ist ein Umstieg auf jeden Fall zu empfehlen.

(ap)