Nervosität

25. März 2011 07:14; Akt: 25.03.2011 10:34 Print

China zensiert das Telefon

Die Kontrollwut der chinesischen Regierung macht selbst vor Telefongesprächen nicht mehr halt. Wer beispielsweise das Wort «Proteste» benutzt, fliegt aus der Leitung.

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Telefonieren in China: Die Regierung hört mit. (Bild: Keystone)

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Dass China rigoros das Internet überwacht und nicht genehme Inhalte blockiert, ist ein offenes Geheimnis. Dass die Zensur mittels des Einsatzes modernster Technologien inzwischen auch auf das Telefonnetz ausgeweitet wurde, war bislang nicht bekannt. Aufgefallen ist dies, weil in den vergangenen Wochen vermehrt Telefonate plötzlich unterbrochen worden sind. Offenbar ist dahinter ein Muster zu erkennen.

Laut einem Bericht der «New York Times» werden die Telefonate auf sogenannte Keywords hin überwacht. In einer als Beispiel angeführten Konversation wurde ein Hamlet-Zitat erwähnt, in dem das Wort «Protestieren» vorkommt. Als es ein zweites Mal wiederholt wurde, soll die Leitung gekappt worden sein. Im NYT-Artikel wird die Vermutung geäussert, dass damit mit aller Macht verhindert werden soll, dass die zurzeit im arabischen Raum stattfindenden Revolten gegen die totalitären Regierungsstrukturen auf China überschwappen.

Chef-Zensor rechtfertigt sich

Mitte Februar verteidigte Dr. Fang Binxing, Chinas Chef-Zensor, in einem Interview die Massnahmen. Gegenüber der staatlich kontrollierten Zeitung «Global Times» sagte er: «So viel ich weiss, überwachen rund 180 Nationen, dazu zählen unter anderen Südkorea und die USA, das Internet auch. Es ist also ein weitverbreitetes Phänomen.» Geht es nach seinen Plänen, soll die Firewall künftig verbessert werden, damit die Zensurmassnahmen noch besser greifen. Im chinesischen Volk ist Binxing nicht beliebt, das bekam er im vergangenen Dezember deutlich zu spüren. Ein von ihm veröffentlichter Microblog löste innerhalb weniger Stunden Tausende von kritischen Kommentaren aus. Binxing wurde als Lakaie der Regierung beschimpft. Daraufhin verschwand der Microblog wieder vom Netz – und mit ihm auch die wenig schmeichelhaften Kommentare (20 Minuten Online berichtete).

Auch die Website von 20 Minuten Online wird vom chinesischen Firewall zensiert. Leser aus China berichten, dass die grösste Schweizer Newssite regelmässig nicht aufgerufen werden kann.

(mbu)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shanghai Swiss am 25.03.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Ich lebe nun seit mehr als drei jahren in shanghai und das die telephonate abgehoert werden ist seit jahr und tag so...

  • Mrs Wong am 25.03.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert auch in Shanghai

    Ich lebe in Shanghai und lese jeden Tag im 20min.ch - bis jetzt ohne erwaehnte Stoerungen. Nicht alles ist wahr, was die westlichen Medien berichten...

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  • Fredi am 25.03.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    An Alle ohne Ahnung von Technik...

    an alle Zweifler. googelt einmal nach Onyx und Echelon. Offizielle Projekte mit Milliardenbudget....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wu Hang am 21.09.2011 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Paperlapap

    So ein Seich, ich kann sogar 20min auf meinem Iphone lesen. Es gibt kein problem sogar Facebook ist erreichbar man muss nur wissen wie. Die Regierung findet einen Weg es zu verbieten das Volk 130000000 Wege es zu umgehen.

  • peter meier am 25.03.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    nichts neues

    Gibts auch bei uns und in allen industriestaaten seit Jahrzehnten, bei bestimmten schlagwörtern (bombe, usw) wird das gespräch automatisch aufgezeichnet und ausgewertet.

  • Fredi am 25.03.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    An Alle ohne Ahnung von Technik...

    an alle Zweifler. googelt einmal nach Onyx und Echelon. Offizielle Projekte mit Milliardenbudget....

    • Gianin May am 29.03.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      Kontroll

      Und nun fügen wir dem ganzen noch das Wort "Landflucht" und "Kontrolle" hinzu und dann wissen wir, das am Ende dabei rausschaut.

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  • Mrs Wong am 25.03.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert auch in Shanghai

    Ich lebe in Shanghai und lese jeden Tag im 20min.ch - bis jetzt ohne erwaehnte Stoerungen. Nicht alles ist wahr, was die westlichen Medien berichten...

    • reto am 26.03.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

      logisch

      internet dienst anbieter die nicht staatlich kontrolliert werden unterliegen nicht solch strenger zensur! oder man benützt einfach einen proxy server welches von beidem hast wohl du?

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  • P.P. am 25.03.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl kaum

    Was für eine enorme Leistung bräuchte es, um alle Telefongespräche der riesigen chinesischen Bevölkerung in Echtzeit, automatisiert überwachen zu lassen? Mit Spracherkennungsprogrammen die auf Stichwörter reagieren, bei jedem Telefongespräch? Falls es das tatsächlich gibt, glaube ich nicht das jeder Anschluss auf diese Weise zensiert wird.

    • Karl Atze am 27.03.2011 05:38 Report Diesen Beitrag melden

      Da liegen sie eindeutig falsch

      effektive Spracherkennung per Computer ist heute nicht nur technisch möglich sondern auch vorhanden. Schon für 100.- sind solche Tools für jedermann erhältlich, und ich spreche nicht von dem Schrott den Microsoft bei Vista und 7 eingebaut hat. Schon ein aktueller Home-PC hätte genügend Rechenleistung um hunderte Telefongespräche zu überwachen, also werden die Chinesen durchaus in der Lage sein ihre Telefone abzuhören.

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