Hightech-Fahndung

12. Dezember 2017 07:54; Akt: 07.02.2018 13:51 Print

Chinas Überwacher spüren jeden in 7 Minuten auf

Ein BBC-Reporter erhielt Einblick, wie die Überwachung in China funktioniert. Es blieben ihm nur wenige Augenblicke, bis die Polizei ihn stellte.

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China hat sich in den letzten Jahren ein riesiges System für die Überwachung im öffentlichen Raum aufgebaut. Bilder von Tausenden Kameras werden dabei in Echtzeit analysiert und mithilfe von Gesichtserkennungs-Software nach Verdächtigen durchsucht.

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Im ganzen Land gibt es 170 Millionen Überwachungskameras. In den nächsten drei Jahren sollen weitere 400 Millionen Kameras dazukommen. Der BBC-Reporter John Sudworth konnte hinter die Kulissen des Überwachungsapparats blicken.

Gesichter in der Datenbank

Der Journalist besuchte in der Stadt Guiyang, in der 3,3 Millionen Menschen leben, die Polizeizentrale. Dort laufen die Daten aller Überwachungskameras der Stadt zusammen. Er liess ein Foto von sich ins System einspeisen und die Polizei schrieb ihn für Testzwecke zur Fahndung aus.

Damit einzelne Personen identifiziert werden können, sind in der Datenbank Fotos von jedem Einwohner der Stadt gespeichert. Yin Jun vom Kamerahersteller Dahua Technology erklärt der BBC, wie es funktioniert: «Wir können jedes Gesicht einer Identitätskarte zuweisen und alle Bewegungen der Person während der letzten Woche zurückverfolgen.»

Nach sieben Minuten gefasst

Sudworth versuchte, unerkannt zu bleiben, während er durch die Millionenstadt lief. Doch schon nach wenigen Schritten wurde er von den Kameras erfasst, was einen Alarm auslöste. Nach sieben Minuten wurde der BBC-Reporter von Beamten umzingelt.

Der Test zeigt, wie ausgereift die Fahndung mithilfe der Kameras läuft. Konfrontiert mit den Bedenken aus Sicht der Privatsphäre, wiegeln die Behörden ab. Die Polizistin Xu Yan erklärt, dass die gesammelten Kameradaten nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie benötigt werden. Alles sei aber in einer grossen Datenbank gespeichert, heisst es im Beitrag.

Nur der Anfang

Selbst der Hersteller der eingesetzten Kameras ist sich bewusst, dass seine Produkte ein Risiko darstellen können. «Um ehrlich zu sein, fühle ich ein gewisses Unbehagen», sagt Daniel Chau von Dahua Technology im BBC-Interview. «Aber Technologie ist nur ein Werkzeug. Wie bei einer Waffe ist sie nur in den falschen Händen eine Gefahr.» Beim Staat sehe er keine Bedrohung.

In China ist der Datenschutz wenig verbreitet. Gleichzeitig wird das Überwachungssystem schnell ausgebaut. So sollen nicht nur Verbrechen verhindert, sondern künftig und mithilfe künstlicher Intelligenz solche vorhergesagt werden können.


Im Video sehen Sie, wie schnell der Reporter vom Überwachungsnetzwerk entdeckt wird. (Video: BBC)

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil Good am 12.12.2017 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorhersagen...

    Verbrechen sollen vorhergesagt werden können.. gute Methode um gezielt dem Staat unangenehme Personen aus dem Verkehr ziehen zu können.. Minority Report wird schon schneller Realität als ich gedacht hatte..

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  • gogg am 12.12.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut Krank

    Politische Verfolgung ist in China ja nicht gerade eine Ausnahme. Man stelle sich vor man Vertritt eine Ansicht und wird dafür verfolgt. Diejenigen die "nichts zu verbergen" haben laufen weiter mit wie Schafe und jene, die sich dagegen stemmen werden für eigentlich nichts gejagt, als wären sie vollgefressenes Wild.

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  • Benno am 12.12.2017 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wehret den Anfängen

    Der Staat kann ziemlich schnell zu einer Bedrohung werden, wenn die "richtigen" Leute am Ruder sind. Während die meisten Privaten die Daten v.a. benötigen würden um Geld zu scheffeln, indem sie uns das anbieten was wir gemäss unserer Daten benötigen oder wollen, will der Staat vielleicht Kontrolle und Einfluss auf unser Leben. Ich nenne ein paar Schlagworte: Polizeistaat, Überwachungsstaat, Stasi, Orwell.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carlos am 13.12.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kein!!!

    In welcher Ecke in der westlichen Welt ist es keine Überwachungskamera. Wo ist der Unterschied?

  • Leser am 13.12.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Hightech schadet der Umwelt

    Wenn man sich nur schon vorstellt was diese über 500 Millionen Kameras an Strom benötigen kommt einem der Graus. Kein Wunder geht es der Umwelt so dreckig wenn tausende Kamine in China die ganze Atmosphäre verpesten.

  • gehr marcel am 13.12.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsterror

    der Wahnsinn kommt viel schneller als alle glauben mögen, auch Demokratie war gestern... oder dann glaubt halt weiterhin an den Storch....

  • Komischer am 13.12.2017 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt den nun

    die begeisterung der SVP. Ach so überwachung von Links ist nicht dasselbe, wie überwachung von Rechts.

  • Chris am 13.12.2017 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Reativ

    Na ja, einen Europäer in China aufzuspüren ist definitiv einfacher, als einem Chinesen in einem Chinatown zu finden.