Gmail, Hotmail und Co.

17. Januar 2011 12:04; Akt: 17.01.2011 13:49 Print

Dank Facebook Sexfotos geklaut

Ein 23-jähriger Amerikaner spionierte ahnungslose Facebook-Nutzerinnen aus und verschaffte sich Zugang zu höchst privaten E-Mails. Das kann auch Schweizer Usern passieren.

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Ein 23-Jähriger verschickte private Aufnahmen wildfremder Frauen an deren Mail-Kontakte. (Symbolbild: Keystone)

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Man muss kein Hacker mit Programmierkenntnissen sein, um in fremde Mail-Accounts einzudringen. Oft genügt eine einfache Antwort, und man ist drin.

In den USA ist soeben ein besonders krasser Fall bekannt geworden. Eines der Opfer spricht von «virtueller Vergewaltigung», wie das Online-Portal msnbc.com berichtet.

Ein junger Mann konnte sich unerlaubt Zugang verschaffen zu den Free-Mail-Konten von mehreren hundert Frauen in den USA und in Grossbritannien. Dabei machte er sich eine offizielle Funktion zunutze, die verschiedene grosse Anbieter wie Google (Gmail) oder Microsoft (Hotmail) den Nutzern als Hilfestellung anbieten.

Über die Beantwortung einer sogenannten «Sicherheitsfrage» können vergessliche Nutzer ihr Passwort innert Sekunden zurücksetzen lassen und ein neues Passwort wählen. Dabei müssen sie lediglich eine Antwort eintippen, die sie einst beim Einrichten des Mail-Accounts selber festgelegt haben.

Name des Haustiers?

Beliebt sind etwa Fragen nach dem Ledig-Namen der Mutter, dem Lieblingsessen, der Lieblingsfarbe oder dem Namen des Haustiers. Dumm nur, wenn die entsprechenden Informationen übers Internet einsehbar sind.

Genau dies hat der Täter ausgenutzt. Er suchte auf Facebook gezielt nach Frauen, die ihre Mail-Adresse preisgaben und auf ihrer Seite auch noch persönliche Angaben machten – wie zum Beispiel die Lieblingsfarbe.

Mit diesen Informationen versuchte er sein Glück beim Mail-Account der Betroffenen und beantwortete auf gut Glück die Sicherheitsfrage. Mit beunruhigendem Erfolg. Beim Durchstöbern der virtuellen Postfächer stiess der Täter im «Gesendet»-Ordner immer wieder auf Nacktfotos und Videos mit pornografischem Inhalt.

Frauen erpresst

Damit nicht genug: Der 23-Jährige verschickte das gefundene Material an sämtliche Kontakte der Frauen. In einzelnen Fällen kontaktierte er die Opfer direkt und drohte ihnen mit der Veröffentlichung, wenn sie nicht bereit wären, ihm neues Material zu senden.

Im vergangenen Oktober hat die Polizei den Täter verhaftet und seinen Computer beschlagnahmt. Dabei wurden über 170 Dateien mit eindeutigem Inhalt gefunden, die der Mann aus fremden Postfächern gestohlen und missbräuchlich genutzt hatte. Laut msnbc.com haben sich 47 betroffene Frauen bei der Polizei gemeldet.

Dem Täter drohen bis zu sechs Jahre Gefängnis, unter anderem wegen Erpressung.

Wie der «Palin-Hacker»

Die Sicherheitsfrage von Gratis-Mail-Diensten ist nicht zum ersten Mal missbraucht worden. Auch der als «Palin-Hacker» zu zweifelhaftem Ruf gelangte David Kernell hatte sich so illegal Zugang zum Mail-Konto der bekannten US-Politikerin verschafft.

(dsc)