Streaming-Wüste

17. März 2014 14:20; Akt: 18.03.2014 00:34 Print

Darum gibts bei uns kaum Serien-Flatrates

von Stephanie Sigrist - Die grossen Anbieter von Kinostreifen und Serien zum Pauschaltarif meiden die Schweiz. Laut Experten vermiesen uns der kleine Markt und legale Downloads das Filmvergnügen.

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«Maxdome ist in diesem Teil der Welt noch nicht erhältlich»: Ähnliche Meldungen bekommen Schweizer auch bei anderen grossen Streaming-Anbietern zu sehen. (Bild: Screenshot Maxdome)

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Amazon bietet seit gut drei Wochen in Deutschland den TV-on-Demand-Service Prime Instant an. Für nur 49 Euro im Jahr (rund 60 Franken) kann man sich damit 12'000 Filme und Serienfolgen anschauen. Hierzulande soll der Dienst vorläufig nicht angeboten werden. Dieser Entscheid sorgte bei zahlreichen 20-Minuten-Lesern für Empörung. «Eine klare Diskriminierung der Schweiz», kommentierte beispielsweise Souichi Sugano. «Soll in der unmittelbaren Zukunft die Filmpiraterie in der Schweiz bekämpft werden, sind dringend legale Online-Vertriebswege gefragt», fand Andy. Mike ging noch einen Schritt weiter: «Ich habe meinen Account bei Amazon löschen lassen. Entweder wir bekommen das gleiche Sortiment geliefert oder gar nicht», so die Meinung dieses Kommentarschreibers. Andere Leser vermuteten gar einen Zusammenhang zwischen dem Resultat zur Masseneinwanderungsinitiative und dem Wegbleiben Amazons.

In der nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten gaben 68 Prozent der 5274 Teilnehmer an, sie würden das Angebot gerne nutzen wollen. Weshalb wagen die grossen TV-on-Demand-Anbieter wie Watchever, Maxdome und neu auch Amazon den Schritt in die Schweiz nicht?

Markt bei Deutschen zu wenig bekannt

«Da unser Unternehmen erst seit einem Jahr existiert, müssen wir uns vorerst auf Deutschland konzentrieren, bevor an eine Expansion zu denken ist», erklärt Watchevers PR-Expertin Kathrin Müller. Zudem kenne man bei ihrem Unternehmen den Schweizer Markt noch zu wenig. Amazon nennt keine Gründe: «Zu unseren Zukunftsplänen äussern wir uns grundsätzlich nicht», sagt PR-Managerin Ina Steinbach. Bei Maxdome hüllt man sich ebenfalls in Schweigen.

Rechtlich gesehen wäre es jedoch auch hierzulande möglich, Streaming-Plattformen gegen Bezahlung bereitzustellen. «Erhält ein Anbieter die Rechte von allen Filmproduzenten, darf er TV on Demand verfügbar machen», erläutert Online-Filmexperte Stephan Rüegg von der Schweizer Urheberrechtsgenossenschaft Suisa. Ob die multinationalen Unternehmen diesen enormen Aufwand für die rund 2,2 Millionen Haushalte in der deutschsprachigen Schweiz auf sich nehmen möchten, sei einmal dahingestellt. Reto Burkhalter, Kommunikationsleiter bei der Publisuisse, vermutet denn auch, die Grösse unseres Landes könnte ein Grund für das Wegbleiben der grossen Anbieter sein: «Wahrscheinlich ist der Markt einfach zu klein.»

In der Schweiz ist es «kompliziert»

Karim Zekri, CEO und Mitgründer des Online-TV-Portals Teleboy, schlägt in die gleiche Kerbe. «Da die Rechte direkt mit den einzelnen Filmstudios verhandelt werden müssen, kann dieser Prozess sehr langwierig sein.» Der Geschäftsführer weiss, wovon er spricht: Bis zu eineinhalb Jahren dauerten die Verhandlung seines TV-Portals für einige der nun auf Teleboy angebotenen Serien oder Filme. «Die Schweiz ist ein komplizierter Markt», so Zekri weiter. Dass die Rechte für alle Landessprachen einzeln eingeholt werden müssten, könnte grosse Anbieter zusätzlich abschrecken, vermutet der Teleboy-CEO. Je nach Sprache erfolge auch die Erstausstrahlung zu anderen Zeitpunkten. Das heisst, dass die französische Version einer Serienfolge beispielsweise früher gezeigt werden dürfte als die gleiche Episode auf Italienisch. Zekri sieht ein weiteres Problem in der Isoliertheit der Schweiz: «Weil wir nicht in der EU sind und hier nicht mit Euro bezahlt wird, bedeutet dies für ausländische Anbieter zusätzlichen administrativen Aufwand», fügt er an.

Als letzten Aspekt nennt Zekri, dessen Plattform im Herbst 2013 das erste Flatrate-Angebot für TV-Serien startete, die Möglichkeit zum legalen Herunterladen von Kinofilmen und Serien in der Schweiz. «Dass der Download im Gegensatz zu Deutschland in unserem Land nicht strafbar ist, könnte einige Anbieter abschrecken.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meiniger am 17.03.2014 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Nur weil hier der Download legal ist? Bei den Deutschen ist der Download zwar Illegal wird aber trotzdem extrem viel gemacht.. Solange solche Dienst nicht in der Schweiz online gestellt werden muss sich die Film-Loby nicht darüber ärgern das hier die Grauzone "Downloaden" ausgenutzt wird.

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  • Schweizer am 17.03.2014 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bullshit

    blabla legale downloads. bietet den dienst erst mal an, bevor ihr die Schuldigen sucht warum es nicht funktioniert!!!

  • Dragan am 17.03.2014 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz leider zu teuer

    Das Problem sind doch unsere Preise hier. Auch wenn so was mal kommen sollte, wäre es bestimmt 10 mal teurer als zb. in DE. Nur deswegen würde es floppen.. Bei den meisten Anbietern hier zahlt man doch für einen einzigen Film, den man ausleiht, mehr als in DE für einen ganzen Monat :). Ausserdem würde Herr Swisscom so was nie zulassen..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 18.03.2014 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Unser Staat sollte ein Zeichen setzen und ein Gesetzt erstellen welches es legalisiert Musik und Filme legal (aber nur kostenlos) anzubieten, wenn vom Rechtevertreter kein angemessenes Angebot auf allen Plattformen anbietet.

  • Digi Chris am 18.03.2014 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ausreden

    Wenn die Rechteinhaber Ausreden haben, haben wir auch Ausreden, wieso wir Serien laden. Man soll einfach Inhalte global vermarkten, im Jahr 2014 macht es keinen Sinn mehr in jedem Land einzeln zu verhandeln

  • j.t.collins am 18.03.2014 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Monopol

    UND wieder kein Wort davon das es ein Monopol gibt die es verhindert ...

  • Netlix am 18.03.2014 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will netflix

    Ich will netflix aber sofort. In usa kostet ein abo 10 dollar im monat dann wäre doch 15 fr fair in der schweiz

    • netflixuser am 18.03.2014 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Netflix in der CH

      Wer kurz googlet wird schnell einen Weg finden um Netflix in der Schweiz zu nutzen. Ist gar kein Problem und wirklich sehr günstig, kann ich jedem empfehlen.

    • Klaus Arnold am 19.03.2014 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      Für den Normalo zu Schwer

      Mit VPN etc. kann man die Geoblock sperren schon umgehen. ABER: 1. Es ist für den Normalo zu kompliziert 2. Die Geschwindigkeit leidet wahrscheinlich darunter. Folglich kann man die Videos nicht in Full HD ruckelfrei schauen. 3. Es ist unklar ob das umgehen von Geoblock legal ist. Da nimmt man lieber den einfachen, in der Schweiz legalen Weg die Filme von *.to Webseiten zu streamen.

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  • Jess am 18.03.2014 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Netflix

    Solange es in der Schweiz nicht Netflix gibt streame ich munter illegal weiter...

    • Marco am 18.03.2014 08:24 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso illegal?

      Das ist doch der Knackpunkt: Es ist nicht illegal.

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