Handgelenk-Gadgets

26. Februar 2014 14:40; Akt: 26.02.2014 14:56 Print

Das Armband läuft der Smartwatch den Rang ab

von F. Raymann & T. Bolzern, Barcelona - Smarte Armbänder sind im Kommen: Gleich mehrere Hersteller setzen auf die tragbaren Gadgets. Sie machen den eigenen Körper zum Ziel der Datensammler.

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Im letzten Herbst waren Smartwatches der grosse Trend in der Welt der Mobiltelefonie. Nun sind es die Fitness-Armbänder, wie eine Flut von neuen Produkten am Mobile World Congress beweist. Anders als die intelligenten Uhren sollen sie nicht in erster Linie eine Verlängerung des Smartphones sein, sondern beispielsweise beim Lauftraining oder Abnehmen helfen, bei sportlichen Aktivitäten assistieren oder den Schlaf überwachen.

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Allen voran überraschte Samsung: Die Koreaner präsentierten in Barcelona das Fitness-Armband Gear Fit. Das Gadget mit gekrümmtem 1,84-Zoll-Amoled-Display besitzt auf seiner Innenseite einen Herzfrequenzmesser, zählt die Schritte und berechnet so die zurückgelegte Distanz.

Darüber hinaus zeigt das Armband auch an, wenn auf dem Smartphone SMS oder Anrufe reinkommen. Das kleine Display hat zwar nur 432 x 128 Pixel, zeigt die Anwendungen und Menüs aber scharf und gut lesbar an. Die spartanisch gehaltene Menüführung macht die Bedienung sehr einfach und intuitiv, sodass man fast ohne Bedienungsanleitung auskommt. Ein ausführlicherer Test muss allerdings erst zeigen, wie alltagstauglich das Gadget ist. Voraussichtlich kommt es Mitte April zum Preis von 249 Franken in die Schweizer Läden.

Sony will das Leben vermessen

Neben Samsung haben unter anderen auch Garmin, LG, Huawei (20 Minuten berichtete) oder Sony ähnliche Armbänder vorgestellt. Der US-Hersteller Fitbit gehört bei den smarten Armbändern zu den Pionieren. Das neuste Modell namens Force wurde jedoch vom Markt genommen, nachdem bei manchen Nutzern Hautprobleme aufgetreten waren.

Das sogenannte Smartband SWR10 von Sony soll nicht bloss Schritte, sondern das ganze Leben seiner Benutzer aufzeichnen. «Es ist eine Art digitales Tagebuch», sagt Legolas Svardsater, Product Programme Manager von Sony. Gekoppelt wird das intelligente Armband per NFC und Bluetooth mit Android-Smartphones.

Das volle Potenzial zeigt sich in Verbindung mit der von Sony entwickelten Lifelog-App. Diese erfasst die Aktionen des Trägers und stellt sie in grafischer Form dar: Wo man sich bewegt, wie viele Schritte man gemacht und wie viele Kalorien man dabei verbrannt hat, welche Musik man im Ohr hatte oder auch wo und welche Fotos man geschossen hat. Was genau getrackt wird, kann der Nutzer individuell bestimmen.

Kleiner harter Kern

Durch Vibration zeigt das Smartband eingehenden Anrufe oder Nachrichten an. Zudem kann damit die Musikwiedergabe gesteuert werden. Das intelligente Band ist auch ein eine Art Schlafphasen-Wecker. Durch das Gyroskop erkennt es Bewegungsmuster während dem Schlaf und soll so im Stande sein, den Träger sanft und zum idealen Zeitpunkt zu wecken.

Ziel von Sony ist, dass der Träger das Band rund um die Uhr trägt – auch beim Duschen oder Schwimmen. Denn sein Herzstück – ein herausnehmbares weisses Klötzchen – ist wasserdicht. Der sogenannte Core kann in eine Vielfalt von bunten Armbändern oder Lederbänder eingesetzt werden. Wer nichts am Handgelenk tragen will, kann ihn auch einfach in den Hosensack stecken. Im März soll das Smartband für 99 Franken in der Schweiz auf den Markt kommen.

Datenleck am eigenen Körper

Nun sollen die von diesen neuartigen Armbändern gesammelten Informationen lediglich der persönlichen Auswertung des eigenen Lebens dienen, dazu müssen die Daten aber auf dem Smartphone gespeichert werden. Zu Zeiten von NSA-Datensammelwut und gläsernen Konsumenten könnte das ein Anlass zur Sorge sein.

Trotzdem scheinen die Fitness-Armbänder zurzeit populärer zu sein als die smarten Armbanduhren. Vor allem, wenn die Funktionen der Armbänder darüber hinausgehen, nur den Musikplayer der Smartphones zu steuern oder die Schritte zu zählen, könnten sich die leichteren und weniger klobigen und erst noch wasserdichten Smartbänder gegenüber den Smartwatches etablieren. Von den Uhren war zumindest in den ersten Tagen am Mobile World Congress abgesehen von Samsungs Gear-Modellen nicht viel zu sehen.