Kein normales Museum

08. Juni 2013 11:04; Akt: 08.06.2013 11:04 Print

Das Technik-Wunder im alten Bierdepot

Von der Rechenmaschine zum iPhone: In Solothurn bieten Technik-Sammler Einblick in die faszinierende Geschichte der Computer. Nun hat das Museum ENTER wertvollen Zuwachs erhalten.

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Der erste Taschenrechner der Welt sollte für Adolf Hitler gebaut werden: Ein Geschenk für den «Endsieg». Im Konzentrationslager Buchenwald zeichnete der österreichische Halbjude Curt Herzstark auf Geheiss der Gestapo an den Plänen. Hätte der geniale Erfinder zu schnell gearbeitet, wäre dies wohl sein Todesurteil gewesen. Doch der gelernte Feinmechaniker verzögerte die Vollendung seines mechanischen Meisterwerks – bis zur Befreiung durch die Alliierten.

Heute steht die 8,5 Zentimeter grosse Rechenmaschine namens CURTA im Computer- und Technikmuseum ENTER in Solothurn. Das Mekka der Schweizer Technik-Interessierten liegt wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, in einem ehemaligen Bierdepot von Feldschlösschen.

Die CURTA ist nur ein prominentes Beispiel aus einer riesigen Sammlung, die über mehrere Jahrzehnte zusammengetragen wurde. Auf einer Ausstellungsfläche von 2000 Quadratmetern reihen sich längst vergessene Raritäten und wertvolle Unikate der letzten vier Jahrhunderte aneinander. Unter anderem ist auch der allererste Apfel-Computer in Solothurn zu finden. Der von Steve Wozniak und Steve Jobs entwickelte Apple I steckt in einem Holzgehäuse. Erst kürzlich wurde das gleiche Modell für eine halbe Million Euro versteigert.

Gewichtiger Zuwachs

ENTER ist das einzige Museum in der Schweiz, das sich der gesamten Breite der Rechenmaschinen, Computer-Peripherie und Technik widmet. Nun haben die privaten Betreiber, die bislang ohne nennenswerte Bundesgelder auskommen müssen, beachtlichen Zuwachs erhalten. Rund 40 Objekte aus der computerhistorischen Sammlung des Zürchers Robert Weiss sind in die Ausstellung integriert worden. Weitere sollen folgen.

Weiss spricht von einem «Glücksfall». Er sammelt seit bald 50 Jahren Objekte aus der Welt der Computer, Elektronik und Kommunikation und hat auch seinen Sohn Micha mit dem Sammler-Virus angesteckt. Ihre Kollektion wurde immer umfangreicher und umfasst mittlerweile nach eigenen Angaben fast 90 Tonnen Material.

Die Geschichte hinter den Produkten

Das 2011 gegründete Museum ENTER konnte wichtige Exponate dank der Stiftung Swiss Computer Graphic Association (SCGA) kaufen. Weiss hatte sich seit Jahren darum bemüht, ein Schweizer Computer-Museum aufzubauen. In den beiden Unternehmern Felix Kunz und Peter Regenass hat er Gleichgesinnte gefunden, die mit der selben Leidenschaft ans Werk gehen und ihm eine «Heimat» bieten. Ihr erklärtes Ziel ist es auch, die spannenden Geschichten hinter den Produkten zu vermitteln. Davon sollen insbesondere die junge Generation und Schulen profitieren können.

In der Dauerausstellung werden die Entwicklung des Radios und Fernsehens, der mechanischen Rechner und Computer, der Telekommunikation und der Spiele (1975–2000) vermittelt. Die meisten Exponate sind funktionsfähig und werden wenn nötig vor Ort instand gesetzt. Zum Museum gehören ein grosses Ersatzteillager und eine umfangreichen Bibliothek mit technischen Anleitungen und Software. Damit die Radios und Telefon-Rundspruchgeräte auch tatsächlich etwas ausstrahlen können, haben die Bastler ein eigenes Sendersystem entwickelt.

Zukunftspläne

Das Museum ENTER soll in den kommenden Jahren weiterentwickelt und ausgebaut werden. Laut den Verantwortlichen wartet noch viel Material in Zwischenlagern. Geplant ist auch ein elektronischer Besucherführer, quasi als Ergänzung zu den menschlichen Museumsführern. Die Jugend soll mit Roboter-Wettbewerben und Programmierkursen angesprochen werden.

Eine weitere wichtige Funktion hängt mit der Vergänglichkeit der heutigen Technologie zusammen. Weil die Lebenserwartung der Hardware immer kürzer wird, wollen die Museumsbetreiber ihre Dienste anbieten, um gespeicherte Inhalte in die Zukunft zu retten. Software, Videos und digitale Kunst sollen den kommenden Generationen zugänglich gemacht werden. Unter anderem gibt es Hilfe bei Datentransfers von veralteten auf moderne Datenträger.

Mit Material der SDA

(dsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 08.06.2013 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Also dann :

    Besuchen Sie die Retro-Technica im Herbst, ihr Herz wird höher schlagen:

  • Reto Kromer am 09.06.2013 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Einziges Museum in der Schweiz?

    Es gibt au das «Musée Bolo» von Yves Bolognini, das jetzt an der ETH Lausanne angesiedelt ist:

  • Compadre am 08.06.2013 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Einziges Museum n der Schweiz?

    Bei allem Respekt für Privatsammlungen, die Dauerausstellung am Museum für Kommunikation in Bern "as time goes byte" hat in dieser Hinsicht auch einiges zu bieten. Zum Beispiel den ersten Schweizer Computer, die Ermeth.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Kromer am 09.06.2013 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Einziges Museum in der Schweiz?

    Es gibt au das «Musée Bolo» von Yves Bolognini, das jetzt an der ETH Lausanne angesiedelt ist:

  • Hans am 08.06.2013 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Also dann :

    Besuchen Sie die Retro-Technica im Herbst, ihr Herz wird höher schlagen:

  • John Henry am 08.06.2013 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Hintergrundmusik

    Die Hintergrundmusik ist cool. Weiss jemand von welchem (C64) Game das ist? Ich gehe davon aus es ist ein C64-Tune, es tönt so typisch SID-Chip trächtig.

  • Compadre am 08.06.2013 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Einziges Museum n der Schweiz?

    Bei allem Respekt für Privatsammlungen, die Dauerausstellung am Museum für Kommunikation in Bern "as time goes byte" hat in dieser Hinsicht auch einiges zu bieten. Zum Beispiel den ersten Schweizer Computer, die Ermeth.

  • Amigo am 08.06.2013 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Atari?

    Wer weiss, ob es die PC Marke Atari noch gibt? Hatte einen Atari, habe ihn leider weiter gegeben, sonst stände er nun eventuell in Solothurn.

    • Marcus Ballmer am 08.06.2013 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Gibt es nicht mehr

      Nein, Atari gibt es nicht mehr. Die Firma hat Konkurs gemacht.

    • Kurt am 08.06.2013 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sehr gesucht

      Da noch viele musik Produzenten damit arbeiten sind sie extrem gesucht

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