SAR-Wert

15. Februar 2020 21:20; Akt: 15.02.2020 21:20 Print

Strahlt das iPhone 11 Pro viel stärker als erlaubt?

Laut einem unabhängigen Testlabor gibt das neueste Apple-Modell beinahe doppelt so viel Strahlung ab, wie in den USA erlaubt – entgegen den Angaben von Apple.

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Das neuste Smartphone von Apple, das iPhone 11 Pro, strahlt gewaltig. Das behauptet das unabhängige Forschungslabor RF Exposure Lab, das das Modell getestet hat. Das Resultat: Der gemessene SAR-Wert (siehe Box) liegt bei 3,8 Watt pro Kilogramm. Das Limit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bei 2 W/kg angesetzt. In den USA liegt das Limit noch tiefer. Laut der US-Kommunikationsbehörde FCC ist dieses bei 1,6 W/kg angesetzt.

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Laut der Messung des RF Exposure Lab strahlt das iPhone 11 Pro also mehr als doppelt so stark wie in den USA erlaubt. Auch die Limite der WHO wird überschritten. Stellt sich die Frage, weshalb dieser Wert so stark von jenem, den Apple selbst kommuniziert hat, abweicht. Gemäss Hersteller liegt der SAR-Wert des iPhone 11 Pro bei 0,99.

Unterschiedliche Testergebnisse

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führte die FCC selbst Tests am iPhone 11 Pro durch. Dabei konnte kein überhöhter SAR-Wert gemessen werden. Wie kam RF Exposure Lab also auf diesen Wert?

Dazu gibt es laut Joel Moskowitz, Strahlen-Wissenschaftler an der Universität Berkeley, verschiedene Theorien. Gegenüber «IEEE Spectrum», sagt er, dass die Testmethoden von RF Exposure Lab fehlerhaft sein könnten. Allerdings handelt es sich um ein zertifiziertes Testlabor, das ständig Tests dieser Art durchführt.

Verschiedene Geräte getestet

Die zweite Möglichkeit sei beunruhigender, so Moskowitz: RF Exposure Lab habe die Telefone, die getestet wurden, selbst gekauft. Jene Geräte, die von der FCC getestet wurden, seien jedoch von Apple zur Verfügung gestellt worden. «Es wäre ein Leichtes, diese Telefone mit einer Spezial-Software zu versehen, sodass sie weniger stark strahlen», so Moskowitz.

Die Tech-Website BGR sieht dies aber eher als Verschwörungstheorie an. Sie gibt eine andere Erklärung: Die Studie von RF Exposure Lab wurde von Penumbra Brands in Auftrag gegeben. Die Firma macht ihr Geld mit dem Verkauf von Schutzhüllen, die die Strahlung eines Smartphones – beispielsweise eines iPhones 11 Pro – mindern sollen. «Die Firma warnt also vor der Strahlung des iPhones und ist gleichzeitig gewillt, den Kunden eine Hülle gegen dieselbe Strahlung zu verkaufen. Wie praktisch», heisst es auf der BGR-Website.

Apple hat sich bisher nicht zu den gemessenen Werten von RF Exposure Lab oder zu den Anschuldigungen von Moskowitz geäussert.

Veraltete Testmethoden

Während sich die Wissenschaft nach wie vor uneins über die tatsächliche Strahlengefahr durch Handys ist, gibt das Bundesamt für Gesundheit folgende Tipps, um die persönliche Strahlenbelastung von Mobiltelefonen zu verringern:

  • Verwenden Sie Kopfhörer oder eine drahtlose Freisprecheinrichtung (Head-Set) mit einem schwachen Bluetoothsender (Leistungsklasse 2 oder 3), um die Strahlung am Kopf zu reduzieren.

  • Nutzen Sie bevorzugt moderne Mobilfunknetze wie LTE (4G) oder UMTS (3G), die strahlungsärmer als die ältere Technologie GSM arbeiten. Überprüfen Sie diesbezüglich die Einstellungen Ihres Mobiltelefons oder wenden Sie sich an Ihre Verkaufsstelle.

  • Verwenden Sie im Innern von Gebäuden oder im Zug wenn möglich WLAN zum Telefonieren und zur Datenübertragung. Überprüfen Sie die Einstellungen Ihres Mobiltelefons.

  • Vorsicht bei Schutz- und Abschirmprodukten, welche die Strahlenbelastung reduzieren sollen. Wenn die Verbindungsqualität verschlechtert wird, ist das Mobiltelefon gezwungen, stärker zu strahlen.

  • Personen, die ein elektronisches medizinisches Implantat tragen, sollten einen Abstand von 30 cm zwischen dem Mobiltelefon und dem Implantat einhalten.

Zudem sollten Smartphones nicht zu nahe am Körper getragen werden. Die Tests, die den SAR-Wert eines Telefons ermitteln, überprüfen die Strahlung, wenn ein Telefon 5 Millimeter vom Körper entfernt gehalten wird. Dies ist zwar nicht viel, bei einer normalen Nutzung befindet sich das Telefon aber häufig in einem Abstand von rund 2 Millimetern vom Körper entfernt. Dies ist ein Grund, weshalb einzelne Strahlenforscher seit längerem eine Überholung der Messmethoden des SAR-Werts fordern.

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Papu am 15.02.2020 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Unsere Kinder strahlen immer mehr. Mit ü50 sind sie richtige Leuchten.

  • Noldor am 15.02.2020 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sollen doch strahlen

    iPhones können meinetwegen strahlen soviel sie können. Bei mir kommt kein es mehr ins Haus. Hatte jahrelang iPhones.

    einklappen einklappen
  • Gummisusi am 15.02.2020 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort einstampfen

    Alle iPhones sofort einziehen und einstampfen lassen, das wäre die richtige Reaktion, falls es so sein sollte, dass die Strahlenbelastung zu hoch ist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dudu am 16.02.2020 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    5G halt

    Da muss man alles in Kauf nehmen.

  • Expat am 16.02.2020 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traue denen alles zu

    Sobald jemand in den Raum wirft, Apple schicke speziell Präparierte IPhones in die Tests schreien die IPone Jünger Verschwörungstheorie. Genau das macht mich stutzig. Es geht um zu viel Geld.

    • V.P.Osten am 16.02.2020 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Expat

      Es heisst Phone! Nicht Pone! Aber jeder muss was zu melden haben!

    einklappen einklappen
  • markusw am 16.02.2020 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moskowitz könnte Recht haben

    VW hat's vorgemacht und den Schadstoff Ausstoss Software-technisch so verändert, dass er im Labor die geforderten Werte erfüllte, auf der Strasse aber nicht? Wieso soll Apple nicht in eine ähnliche Trickkiste greifen?

  • Brumm am 16.02.2020 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie auch immer

    Mir geht die ganze allgemeine Berichterstattung am A vorbei. Für jedes Gerät auf dieser Welt gibt es verschiedene Aussagen seitens Fachkräften. Ich habe seit der digitalen Zeit keine Möglichkeit mehr zu wissen was wahr sein könnte oder auch nicht. Ich weiß einfach was mir angeboten wird und erlaubt ist und entscheide mich dann für ein Produkt.

  • Sascha Zürcher am 16.02.2020 12:02 Report Diesen Beitrag melden
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