Aufgeklappt

31. Oktober 2019 09:56; Akt: 31.10.2019 09:56 Print

Das verrückteste Handy, das wir je getestet haben

Das Galaxy Fold ist Samsungs futuristisches Falthandy. Im Test beeindruckt es mit seinem gigantischen Display. Allerdings gibt es einen Haken.

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Futuristisches Falthandy: Das Galaxy Fold zieht mit seinem speziellen Design alle Blicke auf sich. Zusammengeklappt ist das Gerät rund 16 Millimeter dick – etwa so, wie zwei gestapelte Handys. Klappt man es auf, misst das Display 7,3 Zoll – das sind 18,5 Zentimeter. Das Handy kann auch zusammengeklappt genutzt werden. Das Cover-Display ist im Vergleich zum grossen Bildschirm winzig. Es misst gerade einmal 4,6 Zoll. Das Mini-Display ist dennoch äusserst praktisch, etwa, um schnell in Bild zu machen mit der Dreifachkamera, eine Whatsapp-Nachricht zu lesen oder ... ... Apps zu installieren. Eigentlich alles, was man zwischendurch so machen kann. Das volle Potenzial entfaltet sich aber erst, wenn das Fold aufgeklappt ist. Man sieht auf dem Display des Folds (links) deutlich mehr Inhalt. Zum Vergleich: Rechts das iPhone 11 Pro Max mit 6,5-Zoll-Display. Das macht sich in vielen Apps bemerkbar. Hier MeteoSwiss ... ... oder die Musik-Streaming-App Tidal. Schaut man schräg auf den Bildschirm, so ist der Falz deutlich zu erkennen. Blickt man hingegen direkt auf das Display, so sieht man ihn kaum. Zwei Wochen im Hosensack haben Spuren hinterlassen. So sind aussen und auf dem Display bereits feine Kratzer ersichtlich. Und wenn man es auf- und zuklappt, hört man ein leises Knirschen. Offenbar haben sich Staub oder Verunreinigungen im Scharnier abgelagert. Das Galaxy Fold kommt mit einer ganzen Reihe Anweisungen und Pflegeanleitungen daher. Das Galaxy Fold ist nämlich weder wasser- noch staubdicht. Auch sollte man keinen zu grossen Druck auf das Display ausüben oder mit dem Fingernagel darüberwischen. Das könnte bleibende Schäden hinterlassen. Das Samsung Galaxy Fold war erstmals im Februar 2019 vorgestellt worden. Bei der ersten Version traten Probleme auf. Im April teilten Tech-Youtuber und Tech-Journalisten aus den USA auf Twitter Bilder von defekten Falthandys. Hier ist das Galaxy-Fold-Testgerät von Youtuber MKBHD zu sehen. Er hatte versucht, die vermeintliche Schutzfolie abzuziehen. Danach blieb das Display schwarz. Auch Mark Gurman von Bloomberg.com hatte die Folie auf dem Innendisplay des Galaxy Fold entfernt. Das führte dazu, dass ... ... ein Teil des Bildschirms schwarz wurde, flackerte und später ganz defekt war. Allerdings gab es damals auch Berichte von Leuten, die die Schutzfolie nicht angefasst hatten und bei denen das Fold dennoch Probleme machte. Laut Samsung darf die Folie nicht entfernt werden, da sie zum Bildschirm gehört. Das Problem damals: Die Schutzschicht war offenbar nicht bei allen Geräten gut angebracht, wie dieses Bild von Joanna Stern vom «Wall Street Journal» zeigte. Nach all den Vorfällen entschloss Samsung im April, dass das Galaxy Fold vorerst nicht verkauft wird. Hier zu sehen das defekte Testgerät von Theverge.com. Die letzten Monate wurde das Gerät nun komplett überarbeitet und im Herbst 2019 neu lanciert.

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«Total verrückt!», «Wow!», «darf ichs mal halten?», «hahaha, wie teuer ist das?» – nie zuvor hat ein Testgerät auf der Redaktion für so viel Aufsehen gesorgt wie das Galaxy Fold 5G von Samsung.

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Das Falthandy sticht ins Auge. Zusammengeklappt ist es mehr als doppelt so dick wie ein normales Handy. Da es schmal ist, liegt es dennoch gut in der Hand. Wird es aufgeklappt, so strahlt einen das imposante 7,3 Zoll grosse Display an.

Das Mäusekino

Das Design hat Folgen: Im Laufe unseres 14-Tage-Tests hat sich unser Nutzungsverhalten verändert. Es wurde subjektiv weniger Zeit vor dem grossen Bildschirm verbraucht. Denn aufklappen tut man das Fold nur, wenn man Zeit hat. SMS lesen, Push-Nachrichten anschauen, jemand anrufen – all das kann man auf dem 4,6-Zoll-Display erledigen.

Um solche simplen Aufgaben zu erledigen, ist das Display auf der Vorderseite gerade genug gross. Für alles andere ist es aber ein echtes Mäusekino, und man hat Mühe, die Buchstaben zu treffen. So will man nur wenig Zeit in dem Modus verbringen. Das Konzept ist absolut faszinierend. Es könnte die nahe Zukunft der faltbaren Tablet-Handys zeigen.

Die meisten, die das Gerät in der Hand hielten, fanden es übrigens verhältnismässig leicht. Aber Vorsicht: Wenn dir das zugeklappte Smartphone im Bett auf den Kopf fällt, so tut das höllisch weh. Wir haben das – ähm, ja, sagen wir – für euch getestet.

Vorsicht, Fingernagel!

Samsung wollte das Fold bereits im April auf den Markt bringen. Weil Probleme auftraten, wurde es nochmals überarbeitet. Einige davon scheinen nicht abschliessend gelöst worden zu sein. Beim Testgerät war nach zwei Wochen ein leises Knirschen zu hören. Vermutlich hatte sich Staub oder eine andere Verunreinigung im Scharnier abgelagert.

Dennoch: Das Galaxy Fold ist eine technische Meisterleistung und aktuell ohne Zweifel das spannendste Smartphone auf dem Markt. Eine Kaufempfehlung kann man – wie praktisch für alle technischen Geräte der ersten Generation – nicht abgeben. 2100 Franken ist sehr viel Geld für ein Handy, das nicht wasserdicht ist und dessen Screen so anfällig auf Kratzer durch Fingernägel ist.

Was, wenn das Display kaputt ist?
Samsung bietet einen Bildschirmreparaturservice an. Dieser deckt Schäden am Display ausserhalb der Standardgarantie ab, zum Beispiel Kratzer oder Schnitte. Der Service kostet die Kunden 149 Franken. Er kann einmalig im ersten Jahr gekauft werden. Zu den regulären Reparaturpreisen in der Schweiz hält sich der Hersteller bedeckt. Die Reparatur dürfte aufwendig und darum auch teuer sein. Wie Businessinsider.com berichtet, soll sie in den USA bis zu 600 Dollar kosten.

Was kommt nach dem Fold?

An Samsungs Entwicklerkonferenz SDC in San Jose, Kalifornien, wurde diese Woche gezeigt, wohin sich die Falttechnologie entwickeln soll.

Ein neuer Falz für Samsung-Handys. (Video: Samsung)

In einem Video enthüllte der Hersteller, an welchen Konzepten er tüftelt. So wird ein neuartiges Gerät nicht wie ein Buch, sondern vertikal gefaltet. Es erinnert an die Klapphandys von früher. Weitere Details zum namenlosen Smartphone wurden nicht verraten. Es soll jedoch nicht das einzige Falthandy bleiben, das der Hersteller in den kommenden Jahren verkaufen will, wie im Rahmen der SDC von einem Entwickler angetönt wurde.

So aufregend bei Falthandys die Seitenverhältnisse der Bildschirme und die Formfaktoren sind, sie stellen die Entwickler vor neue Herausforderungen. Dies erklärten Experten an der SDC. Kenneth Ford, Entwickler bei Google, sagte etwa: «Für die Anzeige von Inhalten hat es viel mehr Platz, diesen muss man jedoch auch clever nutzen.» Besonders anspruchsvoll sei vor allem der Wechsel zwischen dem kleineren Aussen- und dem viel grösseren Innendisplay, fügte Cain Wong von der Fotobearbeitungs-App VSCO an. Programmiere man dies falsch, so könnten dabei Daten verloren gehen, sagt er.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 31.10.2019 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat noch Zeit

    Mal auf die ausgereifte Version warten, so in 3 Jahren

    einklappen einklappen
  • StevenTFU am 31.10.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Useless

    Ist zwar was neues aber ob man das wirklich braucht?

    einklappen einklappen
  • DESI am 31.10.2019 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Dabei..

    dachte ich es habe lediglich einen "Falz" Jesses, jetzt auch noch einen "Haken"......

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 02.11.2019 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beim Kunden reifen lassen - No Go!

    Deshalb hat so ein Faltmobile Apple nicht auf den Markt gebracht. Schlicht unausgereift und so etwas hat im Markt nichts zu suchen. Produkte sollten nicht beim Kunden reifen.

  • Stefan am 01.11.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Samsung

    immer Samsung.. Warum wird nie über das Huawei berichtet, welches einiges besser macht bei gleicher Ausstattung?

  • Säschu am 01.11.2019 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bigmania

    Was soll dieses Gross, Grösser? Warum baut fast Niemand mehr handliche Handys? Nach 2 Jahren S8+ "Schneidebrett" ists diesmal ein S10e geworden. Das ist die vernünftige Obergrenze. Ich hätts ja noch gerne ein halbes Zoll kleiner genommen wenns das gäbe...

  • Klaus am 01.11.2019 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    5" fold?

    ich liebe 5-5.5" mobiles... passen besser in die tasche! als "fold" benutze ich ein 11" notebook mit richtiger tastatur... damit laesst sich besser schreiben! - beides zusammen bietet mehr und ist sogar noch billiger...

  • Man O Man am 01.11.2019 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Surface

    Dann warte ich lieber auf das Surface Duo oder das Neo. Dann hat man zwar zwei Bildschirme und in der Mitte eine Scharnier, aber das ist ehrlicher.