Sicherheitsrisiko

18. Juli 2019 13:23; Akt: 18.07.2019 13:47 Print

Datenschutz-Bedenken bei Trend-App Faceapp

Das Trend-App Faceapp spaltet die Gemüter. Wo landen die Bilder, in denen sich Menschen weltweit altern lassen. Ein US-Senator fordet den FBI-Einsatz.

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Wer könnte diese alte Frau sein? Sie scheint sich modisch zu kleiden und auf ihr Aussehen zu achten. Es ist Kylie Jenner (21), deren Bild mit der Faceapp bearbeitet wurde. Denn einer der Filter errechnet aus Gesichtern eine Version, die deutlich älter aussieht. Entsprechende Bilder gehen gerade in sozialen Medien viral. Das hier ist ein Schweizer Sänger, der auch ausserhalb der Landesgrenzen bekannt ist. Es handelt sich um Luca Hänni, der 2012 die Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» gewonnen hat. Das hier ist nicht der noch lebende Bruder des verstorbenen TV-Moderators Anthony Bourdain, sondern ... ... der Musiker Shawn Mendes, der vor allem über das Videoportal Vine bekannt wurde. Diese Schauspielerin ist vor allem durch ihre Rolle in der Fernsehserie «Game of Thrones» bekannt. Es ist Sophie Turner, die in der beliebten Serie die Rolle der Sansa Stark spielt. Das hier ist eine Schweizer Influencerin, die auch gerne für Modelaufträge gebucht wird. Derzeit sieht Zoe Pastelle aber noch so aus. Auch dieser Herr ist Influencer und vor allem durch Instagram bekannt. Es ist Gabirano, einer der bekanntesten Insta-Comedians unseres Landes. Er ist Fussballspieler und in einer der besten Ligen der Welt tätig. Vielleicht hast du es schon erraten. Es ist Xherdan Shaqiri, der der Schweiz mit seinen Zaubereinlagen auch schon zum Sieg verholfen hat. Diese amerikanische Sängerin hat eine schwere Zeit hinter sich. Es ist Ariana Grande, die schon in jungen Jahren mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte. Diese Frau ist eine äusserst erfolgreiche Musikerin. Taylor Swift sieht in echt aber deutlich jünger aus. Das hier ist eines der bekanntesten Schweizer Models. Manuela Frey moderierte kürzlich die erste Staffel von «Switzerland's Next Topmodel». Das ist die Tochter eines vor allem in den USA bekannten Countrymusikers. Miley Cyrus hat zwar schon viel erlebt, ist aber noch lange nicht so alt wie auf der vorherigen Bild. Das ist die Frau eines Musikers, der auch schon die Schweiz besucht hat. Es ist Hailey Bieber, die ihren Justin vor noch nicht allzu langer Zeit geheiratet hat. Ob Prinz Harry seine Frau auch noch liebt, wenn sie ein paar Falten im Gesicht hat? An der Hochzeit sah Meghan Markle, die unter anderem als Schauspielerin bekannt wurde, so aus. Das hier ist die Tochter eines berühmten Models. Mit der Faceapp ist sie deutlich gealtert. Es handelt sich um Kaia Gerber (17). Die Mutter des Models ist Cindy Crawford. Oh, hat einer der beiden Zwillinge die Zeit weniger gut überstanden? Aber nein, es ist nur ein bearbeitetes Bild von den beiden Deutschen Lisa und Lena. Das frisch verliebte Pärchen zeigt die Bachelorette Andrina mit ihrem Kenny. Ob sie auch in diesem Alter noch zusammen sein werden? Die Faceapp funktioniert auch in die andere Richtung. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Als jüngerer Mann würde er definitiv deutlich attraktiver aussehen. Auch mit dem besten Schweizer Tennisspieler lässt sich mit der App einiges anstellen. So würde Roger Federer aussehen, wenn er nie seinen Rücktritt gibt und auch in Jahrzehnten noch auf dem Platz steht. Und auch einen Bart und eine Brille könnte man dem Schweizer mit der App verpassen. Das Resultat: Statt mit dem Racket in der Hand könnte der Tennisprofi später auch im Klassenzimmer stehen.

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Digitaler Spass oder Sicherheitsrisiko? Die Smartphone-App FaceApp hat aktuell Hochkonjunktur. Millionen Menschen teilen in Sozialen Medien mit Hilfe der App um Jahrzehnte gealterte Bilder von sich. Unterdessen gibt es jedoch vermehrt auch Sicherheitsbedenken.

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So forderte der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, die Bundespolizei FBI zu einer Untersuchung der populären App auf. Die von Russland aus betriebene App könne wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein nationales Sicherheitsrisiko sowie eine Gefahr für Millionen US-Bürger darstellen, schrieb er in einem am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Brief.

Drake und Kevin Hart mischen mit

Die Anwendung bearbeitet mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Bilder von Nutzern und zeigt mit einem Filter auch, wie diese als alte Menschen aussehen könnten. Die App der in Sankt Petersburg ansässigen Wireless Lab gibt es bereits seit 2017 für Android und Apples iOS. Mit ihr lässt sich auch die Hautfarbe oder das Geschlecht eines Gesichts verändern.

Nun entwickelt sie sich mit dem neuen Filter allerdings wieder zum Hit in den App Stores. Auf Twitter und Facebook befeuern spezielle «Herausforderungen» (#FaceAppChallenge) den Hype. Auch bekannte Stars wie der kanadische Rapper Drake oder der US-Komiker Kevin Hart machen mit.

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Strong ass old man face and upper body 😂😂😂😂

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«Zutiefst beunruhigend»

Unterdessen wachsen die Bedenken, was mit den hochgeladenen Daten geschieht. Für die Bearbeitung werden die Bilddatein auf Server hochgeladen und dort berechnet.

Die Nutzer müssten dem russischen Unternehmen uneingeschränkten Zugriff auf ihre persönlichen Fotos und Daten gewähren, stellt Schumer in seinem Schreiben heraus. Dies könne aber dazu führen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer benutzt würden.

«Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist», schrieb Schumer weiter.

Das FBI müsse deshalb untersuchen, ob Daten von US-Bürgern in die Hände der russischen Regierung oder ihr nahe stehenden Stellen gelangten. Der russische App-Anbieter betont, dass jeweils nur die von Nutzern ausgewählten Fotos hochgeladen würden.

Daten auf Servern in USA

Dass die Betreiberfirma ihren Sitz in Russland habe, werfe die Frage auf, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder möglicherweise an ausländische Regierungen weitergegeben würden, schreibt Schumer.

Wie das Magazin «Forbes» berichtet, landen die Fotos allerdings nicht auf Servern in Russland, sondern auf Servern von Amazon und Google in den USA. Dass die Daten dennoch in Russland ausgewertet werden könnten, sei damit jedoch nicht ausgeschlossen. Auch sei es unklar, wie viel Zugriff FaceApp-Mitarbeiter auf die hochgeladenen Bilder hätten, schreibt «Forbes».

FaceApp-Gründer Jaroslaw Gontscharow betonte dem Magazin gegenüber, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern wieder gelöscht würden. Nutzer könnten das automatische Löschen auch in den Einstellungen wählen. Gontscharow betonte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an dritte weitergebe.

(fss/sda)