Neue Top-Level-Domains

20. Juni 2011 10:50; Akt: 20.06.2011 12:03 Print

Dem Internet droht das Adress-Chaos

Bald schon können Firmen und Organisationen ihren Internet-Auftritt anstatt mit «.com» oder «.ch» mit einer eigenen Domain-Endung krönen. Es zeichnet sich ein heftiger Verteilkampf ab.

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Rod Beckstrom, Präsident und Geschäftsführer der ICANN, beim «historischen» Treffen, das zurzeit in Singapur stattfinet. (Bild: Keystone)

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Die internationale Organisation zur Verwaltung von Internetdomains hat die Zulassung spezieller Endungen für Firmenadressen beschlossen. Einem entsprechenden Vorschlag stimmte die ICANN am Montag in Singapur mit grosser Mehrheit zu.

Die Organisation setzte sich damit über Befürchtungen hinweg, die neuen Domains als Ersatz für die bisherige allgemeine Firmenendung «.com» könnten das System der Namensgebung im Internet durcheinander bringen. «Die verwirrende Anfangsphase wird kurz sein», versprach ICANN-Vorstandmitglied Sebastian Bachollet.

«Das ist die umfangreichste Änderung bei den Domainnamen seit der Einführung der Einführung von '.com' vor 26 Jahren», kommentierte Theo Hnarakis, Chef eines Internetdienstleisters im US-Bundesstaat Kalifornien, die Entscheidung.

Schwierige Vergabe

Mit der Neuerung müssten sich Firmen und andere Organisationen nicht länger auf bisherige Endungen wie «.com», «.net» oder «.org» beschränken. Beobachter rechneten damit, dass vor allem Grosskonzerne bald von der Änderung Gebrauch machen. So könne der Autohersteller BMW zum Beispiel die Endung «.bmw» wählen.

Wie das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) am Montag mitteilte, können Bewerbungen ab dem 12. Januar 2012 eingereicht werden. Zu den 22 bestehenden generischen Domain-Endungen seien nun thematische (z.B. .hotel, .bank), geografische (z.B. .schweiz, .romandie) oder Marken-Endungen denkbar. Die Gebühr beträgt 185 000 Dollar und das Regelwerk für den Bewerbungsprozess umfasst 360 Seiten. Damit soll verhindert werden, dass sich Betrüger wertvolle Adressen sichern.

«.iPad» und «.apple»

Nach Ansicht von Hnarakis könnten gerade grosse Unternehmen mit einem besonderen Interesse an der Kundenbindung «Wettbewerbsvorteile» aus den neuen Internetadressen ziehen. «Es erlaubt Firmen eine bessere Kontrolle ihrer Marken.» Beispielsweise könnte «.apple» oder «.ipad» die Kunden direkt zu diesen Produkten führen.

Zugleich warnte Hnarakis, dass die Vergabe der Domains nicht so einfach gestaltet werden solle wie die Registrierung einer «.com»-Endung. «Das wird eine komplexe Aufgabe, die Nachdenken und Investitionen erfordert», sagte Hnarakis. Den Konzernen riet er, gewünschte Registrierungen umgehend in Angriff zu nehmen.

Auch für arme Länder

Damit sich nicht nur finanzstarke Konzerne neue Adressen sichern können, stellt ICANN zwei Millionen Dollar für Bewerbungen aus Entwicklungsländern zur Verfügung. «Dem Direktorium ist die Unterstützung von Bewerbern aus Entwicklungsländer, in denen es an Mitteln für die Gebühr oder technischer Erfahrung mangelt, sehr wichtig», sagte der Vizepräsident von ICANN, Kurt Pritz, nach dem Treffen in Singapur zu Journalisten.

Derzeit gibt es 290 Länderkennungen wie .ch für die Schweiz und .jp für Japan sowie 22 freie Bezeichnungen wie .tel für die Telekommunikationsbranche und .xxx für Pornografie.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • na dann, gute nacht am 20.06.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    happy birthday

    na dann, happy durcheinander :) ich finde so wie jetzt ist es doch ok... sollen die lieber ein .com1 und .com2 erfinden oder so was =)

  • the bert am 20.06.2011 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Vieleicht

    Werden die adressen jetzt logisch. Man könnte ch.coca/news als adresse haben. Momentan sind adressen unlogisch, weil vor dem / muss man die adressen von rechts nach links lesen (also, schweiz, dann firma, dann unterserver (zb mail)), und nach dem / wieder von links nach rechts (wie mit unterordnern)

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  • Will Auch URL am 30.06.2011 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Geld über alles.

    Wieviel erhällt Rod Beckstrom für diese (unnötigen) Idee?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Will Auch URL am 30.06.2011 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Geld über alles.

    Wieviel erhällt Rod Beckstrom für diese (unnötigen) Idee?

  • Hallo Wach am 30.06.2011 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig oder Geldmaschine?

    da werden wieder ein paar massiv Kohle verdienen - und der Nutzen ist minim.

  • Fr34k am 21.06.2011 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fr34k

    Sorry, aber das der grösste Schwachsinn. Subdomains sollten doch reichen, nicht?

  • Marc am 20.06.2011 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    immer nur ums geld

    total unnütig wem nützt das ausser den grossen firmen die millionen dafür zahlen nichts ausser geldmacherei -.-

  • Martin Fürst am 20.06.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    unnötige Redundanz

    aus BMW.com soll nun BMW.bmw werden und aus Apple.com wird Apple.apple ?? Völlig absurd, diese Redundanz. Nur COM Domains haben einen Wert, das wird auch so bleiben, siehe alle anderen neu eingeführten Toplevels wie .aero .asia die kein Mensch braucht. Besser wäre eine Gebrauchspflicht, da 99% der Domains gar nicht genutzt werden, nur spekulativ registriert.

    • D.Schwander am 20.06.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      einverstanden

      absolut einverstanden

    • El Pollo Diablo am 20.06.2011 17:13 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz...

      Das ist ja keine Redundanz an sich, denn die Webseiten könnten sich ja auch "home.apple" nennen, oder eben "itunes.apple". Es bietet zusätzlich den Benutzern eine gewisse Sicherheit, da momentan nicht selten unklar ist, welches nun die offizielle Seite ist. Da das Regelwerk komplex und die Gebühr hoch ist, können sich nur grössere Firmen solche Top-Level-Domains leisten. Zusätzlich hätten diese Firmen keine Probleme mehr, Second-Level-Domains zu registrieren, was heutzutage schwierig ist, da die meisten Produktnamen von privaten Nutzern registriert werden, um damit Geld zu verdienen.

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