Illegale Websites

08. Januar 2014 15:40; Akt: 08.01.2014 16:09 Print

Der Bund hat keine Kontrolle über das Internet

von Deborah Onnis - Kinderpornos, Gewalt, Extremismus: 1800 Websites sind in der Schweiz gesperrt. Welche nicht abgerufen werden können, entscheiden die Provider. Das soll sich nun ändern.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das World Wide Web ist auch in der Schweiz nicht völlig frei zugänglich. Die Schweizer Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud haben in einem aufwendigen Forschungsprojekt 1800 Webseiten gefunden, die gesperrt sind. Dies heisst aber nicht, dass alle Schweizer die Seiten nicht sehen können. Die Provider können selbst entscheiden, was sie zulassen und was nicht.

Deren Massstäbe sind sehr unterschiedlich: Nur zirka 25 Prozent der untersuchten Domains können auf keinem der drei grössten Provider der Schweiz – Swisscom, Sunrise und Cablecom – abgerufen werden. Die nationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) führt zwar eine geheime Blacklist, die täglich mit 200 bis 300 Domains aktualisiert wird. Doch ist diese lediglich eine Empfehlung. Eine gesetzliche Grundlage, damit die Kobik oder die Polizeien illegale oder heikle Seiten selber vom Netz nehmen können, gibt es laut Stefan Kunfermann vom Bundesamt für Polizei nicht.

Verpflichtung oder Zensur?

Als das Kobik 2007 in einer Aktion 1200 kinderpornografische Websites verbieten lassen wollte, sprachen die grossen Provider zwar ihre Unterstützung aus. «Wir haben uns verpflichtet, die Seiten auf der Kobik-Blacklist auf unserem Netz zu sperren», sagt Olaf Schulze von Swisscom. Mehrere kleinere Provider leisteten aber Widerstand, weil sie nicht die Rolle einer «Zensurstelle» einnehmen wollten. Für CVP-Nationalrat Jakob Büchler muss sich das ändern: «Es darf nicht sein, dass jeder Provider machen kann, was er will. Eine gesetzliche Grundlage muss man prüfen.»

Neben den klar illegalen Websites gibt es auch solche, die beispielsweise den Persönlichkeitsschutz oder das Urheberrecht verletzen. Hier werden die Provider laut Internetexperte David Rosenthal häufig direkt von Betroffenen kontaktiert. «Einige Anbieter verlangen vor der Sperrung Gerichtsurteile», sagt Rosenthal. Auch hier messen die Provider nicht mit gleichen Ellen: So hat Sunrise eine Website gesperrt, auf der lediglich Bilder von Kaninchen zu sehen sind. Mit einem Swisscom-Zugang ist die Site frei abrufbar.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jahn berger am 08.01.2014 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    zensur verbieten

    Zensur gehört verboten und sollte unter strafe stehen.

    einklappen einklappen
  • Freies Netz am 08.01.2014 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nenei

    Das Internet muss frei sein und auch frei bleiben. Der Staat kann nicht einfach überall regulieren.

  • O. B. am 08.01.2014 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Humbug

    Das Geld könnte man sparen diese Websites zu sperren, denn heutzutage wissen diejenigen die die Seite besuchen wollen eh wie so eine unnütze Sperre zu umgehen ist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pamela Glas am 09.01.2014 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Internet - das Neuland für Politiker

    Wen wollt ihr mit dieser Zensur treffen? Wer solche Seiten besuchen möchte, schafft es auch über die Zensur hinaus. Dazu muss mann kein IT-Profi sein. Also wird wieder mal eine Einschränkung geschaffen, die ihren Zweck verfehlen wird. Super Sache, liebe internet-fremde Politik!

  • Daniel H. am 09.01.2014 00:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die Krake

    Es ist ja nicht nur das Internet was vom Staat durchschnüffelt wird. Seiten werden Gesperrt, alles schön und Gut. Aber der nächste Schritt wird folgen, dann werden vielleicht Seiten gesperrt die den Staat kritisieren unter dem Vorwand " Antiterror ".Die Technik erleichtert das Leben, aber Sie macht Uns auch zu Gefangenen, denn der Staat, kann jeden rund um die Uhr überwachen. Bei Demos, das Handynetz ausschalten, oder ein System verwenden welches eine " Funkzelle " Simmuliert, sodass die Polizei alle Daten Nummern, SMS usw. von jenen Demonstranten hat die in dieser Zelle sind.

  • Marcel am 08.01.2014 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre katastrophal

    und das wird hoffentlich für immer so bleiben. wäre ja noch, wenn Bundesbeamte die Kontrolle über das Internet hätten.

  • Jönu am 08.01.2014 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha

    Verständlich, das Internet ist für Politiker ja Neuland....

  • braindead am 08.01.2014 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Krebsgeschwür Bürokratie

    Ich habe schon lange keine Website mehr angetroffen, deren Inhalt offensichtlich illegal ist. Unnötige Kontrolle die Zehntausendste! Wahrscheinlich lernen auch unsere Politiker erst, dass es so nicht geht, wenn wir griechische Verhältnisse haben. Meine Motivation, Steuern zu zahlen, sinkt mit jedem derartigen Nonsens weiter...