Grausames Videogespräch

07. Mai 2012 07:12; Akt: 07.05.2012 08:06 Print

Der Tod kam beim Skypen

Ein US-Militärsanitäter starb in Afghanistan, während er sich im Video-Chat mit seiner Frau unterhielt. Die Verbindung blieb über zwei Stunden aufrecht.

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Das US-Militär hat ein Bild des erschossenen Bruce Kevin Clark zur Verfügung gestellt. (Bild: Keystone/AP)

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Tausende Kilometer trennten den US-Militärsanitäter Bruce Kevin Clark in den letzten Minuten seines Lebens von seiner Frau Susan, und doch war er ihr ganz nahe. Während eines über den Internet-Dienst Skype geführten Video-Chats zeigte der 43-Jährige, der in Afghanistan stationiert war, keinerlei Anzeichen von Besorgnis oder Anspannung. Dann wurde er «plötzlich nach vorne geworfen», heisst es in einer Mitteilung der Familie.

Die tragische Geschichte machte über das Wochenende im Internet die Runde, nachdem die «Huffington Post» darüber berichtete. Die Frau des Sanitäters konnte, nachdem ihr Mann zusammenklappte, ein Einschussloch hinter ihm erkennen. Zeugen, darunter auch Militärangehörige, die herbeieilten, um der Frau beizustehen, hätten dann bestätigt, dass es sich um ein Einschussloch handelte.

«Wir haben das Militär mit einer Untersuchung beauftragt, um herauszufinden, was mit Hauptmann Clark geschehen ist», sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Wie das Pentagon bestätigte, starb Clark am vergangenen Montag.

Auf ein Wunder gehofft

Erst nach über zwei Stunden, in denen die Skype-Verbindung aufrecht blieb, und nach verzweifelten Telefonaten erschienen schliesslich zwei Soldaten im Bild und schienen den Puls von Clark zu ertasten. Sie teilten der Frau keine Einzelheiten zum Tod mit.

«Zum Zeitpunkt des Vorfalls hoffte die Familie noch auf Rettung und ein Wunder. Später erfuhren sie, dass das nicht eingetreten war», hiess es in der Mitteilung. «Obwohl die Umstände unvorstellbar waren, sind Bruce' Ehefrau und die weitere Familie für immer dankbar, dass er und seine Frau in seinen letzten Momenten zusammen waren.»

Zum Pfleger ausgebildet

Der 43-Jährige diente im US-Heer als leitender Sanitäter. Er wuchs im US-Staat Michigan auf und lebte zuvor mit seiner Frau in deren Heimatstadt Spencerport, einem Vorort von Rochester. Clark trat 2006 in die Streitkräfte ein und war auf Hawaii und in El Paso stationiert. Im März begann er seinen Einsatz in Afghanistan.

Clark hinterlässt zwei Töchter im Alter von drei und neun Jahren. Sein Leichnam wurde am Donnerstag zurück in die USA geflogen, zum Luftwaffenstützpunkt Dover im US-Staat Delaware. Vor seiner Zeit beim Militär arbeitete Clark vier Jahre im Highland Hospital in Rochester.

Bevor er in dem Krankenhaus arbeitete, war Clark Rettungssanitäter. Später machte er eine Ausbildung zum Pfleger und plante, eine Zusatzausbildung zum Anästhesiepfleger zu absolvieren. «Er wollte immer an sich arbeiten und besser werden», sagt eine gute Freundin.

(dsc/ap)