Online-Abo

29. März 2011 15:15; Akt: 29.03.2011 15:17 Print

Die «New York Times» lässt die Hintertür offen

von O. Wietlisbach - Die NYT führt ein teures Bezahl-System für ihre Leser ein. Das System ist löchrig wie ein Emmentaler – die Lücken werden aber vermutlich bewusst offengelassen.

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Nach 20 Artikeln im Monat ist Schluss. Die «New York Times» führt ein Online-Abo ein.

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Frustriert von der Idee, künftig für Online-Artikel zahlen zu müssen, publizierten mehrere «New York Times»-Leser Methoden, den Bezahl-Zwang zu umgehen. Wie sich nun herausstellt, waren die Bemühungen, die «Paywall» zu knacken, für die Katz. Das Bezahl-System, das pro Monat nur noch 20 Gratis-Artikelaufrufe zulässt, kann gänzlich ohne Zusatzprogramme oder Hacker-Tricks ausgehebelt werden.

Lesen ohne zu bezahlen

NYT-Leser müssen lediglich «?gwh=numbers» aus der Internetadresse des Webbrowser entfernen, schreibt der IT-Blog mashable.com. Sie können aber auch den Browser-Speicher löschen oder sobald das «Bezahl-Fenster» erscheint, auf einen anderen Browser wechseln. Alle Methoden führen ans Ziel. Die Artikel können unbegrenzt gratis gelesen werden.

Der IT-Blog mashable.com kann sich daher einen spöttischen Kommentar nicht verkneifen: «Wir wussten schon, dass die NYT es ihren Lesern nicht allzu schwierig machen will, ihre Inhalte zu lesen, ohne zu bezahlen – nebst den 20 monatlichen Gratis-Artikeln können Leser 25 weitere Artikel über die Suchfunktion lesen. Aber wir waren uns nicht bewusst, dass sie es so einfach machen wollen. Besonders da Gerüchte darauf hindeuten, dass die NYT 40 Millionen für den Paywall bezahlte.»

Online-Abo zwischen 15 und 35 Dollar

Ein eigener Test lässt darauf schliessen, dass die NYT ihre Artikel bewusst frei zugänglich lässt, um die 17 Millionen Online-Leser nicht zu vergraulen. Zwar erscheint nach 20 Artikeln eine Aufforderung für weitere Inhalte ein Online-Abo zu kaufen, allerdings kann man vorerst auch ohne die Kreditkarte zu zücken, weiter lesen. Der Lesespass wird lediglich getrübt durch ein Fenster, das bei jedem Artikel hartnäckig zum Zahlen auffordert.

Vermutlich wird die «Paywall» schrittweise hochgezogen, um die Nutzer zum Zahlen zu bewegen. Andererseits dürften sich jene Leser, die bereits für das Online-Abo bezahlt haben, einigermassen veräppelt vorkommen. Ein vierwöchiges Abonnement des Online-Angebots der «New York Times» – Smartphones und Tablet-PCs eingeschlossen – schlägt mit 35 US-Dollar zu Buche. Wer auf das Smartphone-Angebot verzichten kann, zahlt 20 Dollar, ohne Tablet-PC-Support kostet das Lesevergnügen 15 Dollar. Bezüger eines Print-Abos erhalten das Online-Angebot inklusive App-Nutzung anscheinend weiterhin gratis.