«Kochen für Geeks»

13. Dezember 2011 11:23; Akt: 13.12.2011 11:58 Print

Die Kochbibel für Technikfreaks

von Klaus Gür, ap - Experimental-Koch Jeff Potter erklärt dem technisch interessierten Gourmet, wie er für den krossen Pizzaboden den Ofen «übertaktet» - oder Glace in 30 Sekunden mit Flüssig-Stickstoff herstellt.

Jeff Potter erklärt, wie er Glace mit Hilfe von flüssigem Stickstoff herstellt. (Quelle: YouTube)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Technikfreaks, die sogenannten Geeks, sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie Gourmets sind oder dass sie sich generell besonders für das Essen interessieren. Das will Jeff Potter mit dem jetzt in deutscher Übersetzung erschienenen Buch «Kochen für Geeks» ändern und gleichzeitig mit diesem Vorurteil aufräumen. «Kochen für Geeks» ist mehr ein Buch über das Kochen, als ein Kochbuch. Potter macht Lust darauf, beim Kochen zu experimentieren.

Dabei gelingt dem Buch eine ziemlich schwierige Gratwanderung. Einerseits erklärt Potter «dem Geek» die Grundausstattung einer Küche mit Waage, Messbecher und Kochlöffel und wozu sie gebraucht werden. Anderseits erläutert er die chemischen Reaktionen und physikalischen Vorgänge beim Kochen.

Anregungen für eigene Erfahrungen

Die Technik, das wissenschaftliche Verständnis der Vorgänge beim Kochen steht in diesem Buch im Vordergrund, ohne dass dabei aber die Lust am Kochen verloren geht. Ganz im Gegenteil. Potter ermuntert den Leser fast auf jeder Seite, selbst mit Zutaten, Mengeneinteilungen oder Garzeiten zu experimentieren und Neues auszuprobieren.

Die Rezepte sind sicher nicht die kulinarische Offenbarung, aber sie haben doch eine erstaunliche Bandbreite. Es reicht vom Buttermilch-Pfannkuchen bis zur 48-Stunden-Ochsenbrust. Ein Schwerpunkt liegt auf einfacheren Rezepten, die keine lange Zubereitungszeit brauchen, aber trotzdem lecker sind. Dazu gibt es immer wieder Tipps und ausführliche Erklärungen etwa zur Verwendung verschiedener Backtriebmittel.

Unterbrochen wird das Buch gelegentlich von längeren Interviews mit Vertretern der amerikanischen Kochszene oder kochbegeisterten Technik-Freaks wie Nathan Myhrvold, dem früheren technichen Leiter (CTO) bei Microsoft und bekennenden Hobbykoch. Ein Hinweis auf diese durchaus lesenswerten Artikel findet man im Inhaltsverzeichnis leider nicht.

Schnelle Küche mit flüssigem Stickstoff und Trockeneis

Am Ende des Buchs wird es dann richtig experimentell. Dann erklärt Potter, wie man flüssigem Stickstoff, Trockeneis («Ihr müsst unbedingt nach Trockeneis für Lebensmittelzwecke fragen») oder Hochtemperaturöfen in der Küche einsetzt. Sehr anschaulich beschreibt er dann seine eigenen Versuche, den Küchenofen zu «übertakten», damit die Pizza den richtigen, krossen Boden bekommt. Es ist ihm wohl auch gelungen («Bei 400-425 Grad kam dann die Pizza heraus, die verdammt gut war»), aber empfehlen kann er seine Methode anderseits auch nicht. Und so gesteht er seinen Lesern, «dass ich euch vom Oven Overclocking abraten muss, auch wenn es sehr reizvoll ist.»

Das unterhaltsam und locker, aber nicht aufdringlich geschriebene Buch bietet einen ungewöhnlichen Zugang zum Kochen. Der macht es lesenswert für alle, die sich für Kochen interessieren, nicht nur für Geeks.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Supergirl am 13.12.2011 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schauspielkunst vom Feinsten

    Hallo, Frau Nachbarin...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Supergirl am 13.12.2011 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schauspielkunst vom Feinsten

    Hallo, Frau Nachbarin...

    • TheToast am 15.12.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      Cineman.ch

      Geh ins Kino, wenn du Schauspieler sehen willst und nicht auf YouTube....

    einklappen einklappen