Download-Umfrage

09. Dezember 2011 07:30; Akt: 09.12.2011 10:26 Print

Die Schweiz - ein Land von Gratis-Downloadern

von Oliver Wietlisbach - Fast jeder tuts. Die meisten sogar ziemlich oft. Ob Games oder Lady-Gaga-Album: Was es im Netz gibt, wird von den Lesern von 20 Minuten Online ohne viel Federlesen heruntergeladen.

Rund 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer laden geschützte Musik, Filme oder Software gratis herunter. (Quelle: 20 Minuten Online)

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Wer in der Schweiz urheberrechtlich geschützte Musik, Filme, eBooks oder Ähnliches zum privaten Gebrauch aus dem Internet herunterlädt, macht sich nicht strafbar. Diese hierzulande verbreitete, wenngleich nicht unbestrittene, Rechtsauffassung hat der Bundesrat vor einer Woche bestätigt.

Mit ihrer Entscheidung liegt die Landesregierung ganz auf der Linie der 20-Minuten-Online-Leser. Über 90 Prozent der 4002 Teilnehmer der nicht repräsentativen Umfrage wollen, dass das Downloaden urheberrechtlich geschützter Musik, Filme oder Bücher legal bleibt. Bei den unter 30-Jährigen ist Gratis-Herunterladen eine Selbstverständlichkeit – nur sechs Prozent stören sich an dieser Praxis. Bei der mittleren Generation beträgt die Zustimmung 90 Prozent und auch in der Gruppe der über 45-Jährigen haben 85 Prozent kein Problem damit, wenn Musik, Filme oder PC-Programme kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden.

Sieben von zehn laden gratis herunter

Diese grosse Zustimmung verblüfft nicht, outen sich doch 72 Prozent der Befragten als passionierte Downloader. Zum Vergleich: Der Bund geht davon aus, dass ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren gratis Musik, Filme oder Games aus dem Netz saugt. Trotz iTunes und anderen Online-Shops für Musik, Filme und Co. zahlen nur 16 Prozent für ihre digitalen Medien, weitere 12 Prozent kaufen sich CDs, Bücher oder Spiele nach wie vor lieber im Laden.

Interessante Unterschiede zeigen sich bezüglich des Alters: Bei den Jungen laden acht von zehn gratis herunter, in der mittleren Generation sind es sechs von zehn und bei den über 45-Jährigen genau die Hälfte. Im Weiteren nimmt die Zahlungsbereitschaft mit zunehmendem Alter zu. Vermutlich gilt auch hier: Je mehr Geld den Konsumenten zur Verfügung steht, desto grösser ist die Bereitschaft zu bezahlen.

Musik und Filme am beliebtesten

Als Download-Hits entpuppen sich Musik und Filme. 77 Prozent der Umfrageteilnehmer machen sich im Netz auf die Jagd nach den Alben ihrer Lieblingskünstler und fast zwei Drittel laden sich den neusten Streifen mit Johnny Depp lieber herunter, als den Gang ins Kino anzutreten. Ebenfalls häufig gratis heruntergeladen werden PC-Programme (38%) sowie PC- und Konsolenspiele (34%). Weniger verbreitet ist das Gratis-Herunterladen von eBooks und Hörbüchern, das jeweils von rund 15 Prozent der Befragten genannt wird.

Die Gründe, warum ohne zu bezahlen heruntergeladen wird, sind vielfältig: «Weil die Preise zu hoch sind» oder «Weil es bequem ist», sagen je rund die Hälfte der Teilnehmer. Ebenfalls je gut ein Viertel gibt zu, schlicht nichts bezahlen zu wollen oder bemüht das Argument, bereits Abgaben für Datenträger bezahlt zu haben. Jeder Fünfte nervt sich ausserdem über den Kopierschutz, mit dem die Verbreitung bezahlter Downloads oft eingeschränkt wird.

Gesetzeslage kaum bekannt

Der grossen Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist das geltende Recht in der Schweiz nicht bekannt. Nur einer von zehn Befragten gibt indes offen zu, dass er keine Ahnung hat. Konkret wissen oder vermuten lediglich 35 Prozent der Leser, dass gemäss Bundesrat digitale Güter wie Filme, Musik, Audiobücher oder eBooks gratis heruntergeladen werden dürfen. Exakt die Hälfte der Befragten nimmt fälschlicherweise an, dass diese liberale Download-Praxis nur Musik und Filme betrifft. Knapp fünf Prozent liegen völlig daneben und glauben, dass das Gratis-Downloaden grundsätzlich verboten ist.

Die Industrie fordert seit Jahren griffige Gesetze gegen die Downloader. Ob Verbote viel ändern würden, muss allerdings mit Blick auf die Umfrage-Ergebnisse bezweifelt werden. Nur jeder zehnte Befragte würde aus Furcht vor hohen Bussen den Gratis-Online-Tauschbörsen den Rücken kehren. 30 Prozent sagen, sie würden in diesem Fall weniger herunterladen. Ein Verbot hätte auf Frauen, die insgesamt deutlich weniger downloaden, die weitaus grössere Wirkung: Fast 60 Prozent der Teilnehmerinnen, aber nur knapp 40 Prozent der Männer würden weniger oder nichts mehr herunterladen.

Update:

Das Gratis-Herunterladen für den Eigengebrauch ist «nur bei klassischen Medien wie Musik, Filmen, eBooks oder Audiobüchern erlaubt», sagt Rechtsanwalt Martin Steiger auf Anfrage. Urheberrechtlich geschützte Software sowie PC- und Konsolenspiele sind somit von dieser Regelung ausgeschlossen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter enis am 11.12.2011 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    statistik

    Dass die Saugerei im Alter abnimmt, liegt wohl eher daran, dass Alter sich tendenziell in Gegenrelation zum Netz-know how verhält.

  • Wr am 09.12.2011 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieder

    Songs die auch wircklich den preis wert sind kauf ich. Den Rest lade ich gratis runter.

  • Pascal W am 09.12.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    DAS sind die Früchte der Saat..

    Diesem Trend ist einzig und allein der Musikverband Schuldig. Wir zahlen Mittlerweile ja abgaben auf die PC Festplatte, auf den Speicherstick im Natel und Kamera, CD Rom Rohlingen, DVD Rohlingen, etc. etc. Sorry aber wenn ich schon beim Kauf eines Datenträgers abgaben bezahlen muss, kauf ich die Musik nicht auch noch. Das kommt davon, wenn leute ohnen einen minimalen Plan in Verbänden wie GEMMA etc. Sitzen. Selberschuld. Happy Downloading every1

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Mangeng am 12.12.2011 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    ITunes Qulatität

    Ich finde immernoch das bezahlte Songs/Titel sich in der Qualität von anderen Quellen unterscheiden, also ich geb gern mein Geld für ein paar Franken aus, um eine Qualität zu bekommen die ich für angemessen halte und den Künstler dabei noch unterstütze.

  • skipp skipp am 12.12.2011 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    logo

    ist doch klar das jugendliche musik herunterladen. wer will schon sein ganzes taschengeld / lehrlingslohn fuer musik und filme ausgeben wenn es gratis erhaeltlich ist... verstehe unsere jugend sehr gut.

  • enemenemuh am 11.12.2011 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage mit mehr fragen

    wo ist die Frage "gehen sie regelmässig ins kino und laden trotzdem noch Filme runter"???

  • guemue am 11.12.2011 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität gefragt

    wer mit MP3 glücklich wird soll downloaden. Ich geniesse eine schöne SACD zusammen mit einem feinen Glas Wein. Den Wein will ich auch nicht aus dem Wasserhan. Schade dass der heutigen Jugend Qualität nichts bedeutet. Handycam, MP3 aus einer Plastikbox... einfch schade. Hoffe es gibt bald mal wieder ein Umdenken.

    • silvio am 11.12.2011 23:36 Report Diesen Beitrag melden

      qualität?

      sie wollen doch nicht etwa behaupten, das die musik von lady gaga in wav oder sacd besser wird? ;) insofern, alles bestens :)

    • Moderner Techniker am 12.12.2011 04:22 Report Diesen Beitrag melden

      Viele downlads Qualitativ hoch.

      Es kommt halt drauf an was für MP3 man Downloadet. Man kann durchaus auch Musik in CD qualität downloaden. Betreffend Handycam, MP3,diese dinge sind mitlerweile sehr leistungsfähig und von guter Qualität. Nicht so gut wie möglich sondern so gut wie Nötig ist meist sinnvoller. PS: Was ist Wein anderes als gut vermarkteter Traubensaft dessen ablaufdatum überschritten ist.

    • Dominic Meier am 12.12.2011 23:30 Report Diesen Beitrag melden

      Downloadqualität?

      Sie haben nicht wirklich recht, ich lade GRATIS Musik herunter mit einer Qualität von mindestens 1400 kBit/s und einer Abtastrate von 44.100 kHz. Wenn das keine gute downloadqualität ist weiss ich auch nicht...

    einklappen einklappen
  • peter enis am 11.12.2011 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    statistik

    Dass die Saugerei im Alter abnimmt, liegt wohl eher daran, dass Alter sich tendenziell in Gegenrelation zum Netz-know how verhält.