Problematisch

23. März 2011 09:53; Akt: 23.03.2011 15:19 Print

Dieb tanzt auf YouTube

Leg dich nicht mit Mark Bao an: Dies musste ein frecher Laptop-Dieb auf die harte Tour lernen. Nun steht er mit seinen «Tanzkünsten» unfreiwillig am Internet-Pranger.

(Quelle: youtube.com/marktbao)
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«Ich habe dieses Video von der Festplatte meines gestohlenen Laptops gefischt.» Mit diesem Satz, den ein YouTube-User auf der Video-Plattform veröffentlicht, nimmt eine mehr als ärgerliche Geschichte eine dramatische Wendung.

Opfer und gleichzeitig Held ist der 18-jährige Student Mark Bao. Als ihm auf dem Universitäts-Campus in Bentley, Massachusetts, der Laptop gestohlen wird, schlägt er zurück. Es gelingt ihm, aus der Ferne - sprich über das Internet - auf seinen gestohlenen Computer zuzugreifen und sich in die eigene Festplatte zu hacken. Darauf findet er zu seinem Erstaunen einen unbekannten Videoclip: Ein junger Afroamerikaner bewegt sich zu Hiphop-Klängen - ist es der Freudentanz des erfolgreichen Kriminellen?

Am Internet-Pranger

Mark Bao entscheidet sich, den verräterischen Clip auf YouTube zu veröffenlichen. Mit folgender Warnung: «Du solltest keine Computer stehlen von Leuten, die wissen, wie man mit Computern umgeht.» Die Geschichte nimmt ihren Lauf und macht in Internet-Foren die Runde.

Als die Polizei bereits auf der Spur des Täters ist, stellt sich dieser freiwillig und gibt den gestohlenen Laptop zurück. Der Dieb – ebenfalls Student – wird von der Universität verbannt. Er habe seine Lektion gelernt und es tue ihm unendlich leid, schreibt er in einem Entschuldigungsbrief an das Opfer. Mit seiner Bitte, Mark Bao möge das beschämende Video von YouTube entfernen, stösst er allerdings auf taube Ohren.

Problematische Selbstjustiz

Der IT-Blog The Nex Web hat die Geschichte publik gemacht. Der Autor lobt Mark Bao für seine «professionellen Jobs«, die er erledigt habe. Tatsächlich ist der 18-Jährige nicht nur gut im Schnappen von Kriminellen, sondern auch ein talentierter Jungunternehmer. Er hat Threewords.me entwickelt. Der kostenlose Dienst, der über eine Viertelmillion User hat, bietet die Gelegenheit, sich in lediglich drei Wörtern zu beschreiben. Bao kann sicher als Nerd bezeichnet werden. Schon in jungen Jahren programmierte er eine Software, um die Hausaufgaben zu erleichtern. Die verkaufte er für fünf Dollar an seine Mitschüler in der Grundschule.

Selbstjustiz via YouTube: Dieses Vorgehen muss auch kritisch betrachtet werden. Denn die Story hätte ein böses Ende nehmen können. Etwa dann, wenn es sich bei dem auf YouTube veröffentlichten Video nicht um den Täter, sondern einen ahnungslosen Dritten gehandelt hätte. Ausserdem gilt im Rechtsstaat die Unschuldsvermutung, solange ein mutmasslicher Täter nicht rechtskräftig verurteilt wurde.

(dsc)