Top Fünf

20. März 2014 12:17; Akt: 20.03.2014 12:20 Print

Diese Apps können Ihre Beziehung killen

von Tobias Bolzern - Endlose Chats, Barbaren-Schlachten, virtuelle Süssigkeiten und flatternde Spielfiguren: Diese zeitfressenden Apps können selbst die beste Beziehung auf die Probe stellen.

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Auch Apps können Beziehungen auf die Probe stellen: Immer «on» - bei WhatsApp und Facebook steht die Kommunikation im Vordergrund. «Diese beiden Apps sind fast auf allen Smartphones installiert und werden sehr rege genutzt», sagt Norina Bräm Wolf, Paarberaterin aus Wallisellen. Das Problem: Der Zeitverbrauch lässt sich nicht steuern. Vielmehr findet eine «Fremdsteuerung» statt. Zudem können Anfragen des Partners, die nicht sofort beantwortet werden, Anlass zu heftigen Diskussionen geben. 1,1 Millionen Schweizer spielten 2014 laut dem Entwickler FEO Media das Game «Quizduell». Rechnet man die verspielte Zeit aller Schweizer zusammen, kommt man auf die imposante Gesamtspielzeit von 685 Jahren. In einer Beziehung mit ungleichen Interessen oder sehr unterschiedlichem Bildungsstatus ist die Frustration vorprogrammiert. Das simple Puzzle-Spiel «Candy Crush Saga» begeistert vor allem Frauen. Nur gerade 30 Prozent der Spielenden sind laut dem Entwickler King männlich. Als sogenanntes Gelegenheitsspiel kann «Candy Crush Saga» überall gezockt werden: «Die gemeinsame Zeit wird anderweitig genutzt und der Partner oder die Partnerin fühlt sich zweitrangig, unwichtig und letztlich vielleicht auch ungeliebt», sagt Bräm Wolf. Weit über 50 Millionen Downloads hat das Spiel «Flappy Bird» verzeichnet. Gedacht als Entspannung, hat es viele Spieler an die Grenze der Weissglut getrieben. «Und weil Gewinnen immer wichtiger wird, engt sich der Fokus ein und eine lebendige Partnerschaft wird kaum mehr möglich. Der Frust aus dem Spielverlauf kann die Beziehung massiv beeinflussen.» Bei «Clash of Clans» müssen Hab und Gut gegen Feinde verteidigt werden. Wird der Spieler befördert, ist ein immer grösserer Zeitaufwand vonnöten. Das das Spiel eine Ersatz-Welt schaffe, besteht die Gefahr, dass diese wichtiger wird als die reale Welt.

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Sie sind bunt und meist nur wenige Megabytes gross: Viele mobile Apps bergen allerdings grosses Konfliktpotenzial, das eine Beziehung auf die Probe stellen kann.

So verbringen viele Paare immer weniger gemeinsame Freizeit miteinander. «Der direkte Austausch und eine gelungene Kommunikation sowie das Aushalten von Langeweile werden immer geringer», sagt die Paarberaterin Norina Bröm Wolf. Doch welche Apps sind wahre Beziehungskiller? 20 Minuten hat eine Liste mit den Top fünf zusammengestellt.

Von der Ferne gelenkt

Immer «on» – bei WhatsApp und Facebook steht die Kommunikation im Vordergrund. «Diese beiden Apps sind fast auf allen Smartphones installiert und werden sehr rege genutzt», sagt Bräm Wolf. Das Problem: Der Zeitverbrauch lässt sich nicht steuern – vielmehr findet eine «Fremdsteuerung» statt. Bei WhatsApp sieht man, ob jemand gerade online ist, ebenso beim Chat von Facebook.

Generell gilt eine sogenannte Online-Netiquette: Wer eine Nachricht liest, nicht antwortet und wieder offline geht, zeigt seinem Gegenüber quasi den digitalen Mittelfinger. «Anfragen des Partners, die nicht sofort beantwortet werden, geben Anlass zu heftigen Diskussionen», so Bräm Wolf.

Der 685-Jahr-Zeitfresser

1,1 Millionen Schweizer spielen laut dem Entwickler FEO Media das Game «Quizduell». Rechnet man die verspielte Zeit aller Schweizer zusammen, kommt man auf die imposante Gesamtspielzeit von 685 Jahren. Mehr als 25'000 Fragen gilt es richtig zu beantworten. Der Reiz liegt darin, dass man gegen Millionen reale Gegenspieler antreten kann und dabei sieht, wie gut man in der Gesamtrangliste abschneidet. Das spornt an.

Ist man zu einem Duell herausgefordert, steht man unter Zeitdruck: Um Fragen zu lösen, hat der Spieler maximal 20 Sekunden Zeit. Bleibt man während eines Duells 48 Stunden lang inaktiv, verliert man die Runde. «Diese App hat sehr grosses Suchtpotenzial und ist damit ein regelrechter Zeitfresser», sagt Bräm Wolf. Für stabile Beziehungen könne die App ein Gewinn sein, falls beide gleichermassen vom Spiel begeistert sind. «Allerdings kann kein Spiel den persönlichen Austausch ersetzen», so die Paarberaterin. Bei ungleichen Interessen oder sehr unterschiedlichem Bildungsstatus sei die Frustration vorprogrammiert.

Die endlose Jagd

Das simple Puzzle-Spiel «Candy Crush Saga» begeistert vor allem Frauen. Nur gerade 30 Prozent der Spieler sind laut dem Entwickler King männlich. Mittlerweile wurde das Game weltweit über eine halbe Milliarde Mal auf Smartphones und Tablets geladen. King bedient sich dafür einer ganzen Palette an Spielmechanismen, die den Nutzer an das Game binden. Einer davon ist Anfängerglück: Die ersten Levels sind denkbar einfach, danach muss man Geduld haben – oder echtes Geld investieren, um weiterzukommen.

Als sogenanntes Gelegenheitsspiel kann «Candy Crush Saga» zudem überall gezockt werden: Im Bett, auf dem Perron, während des Essens. «Auch hier ist ein Suchtpotenzial vorhanden. Die gemeinsame Zeit wird anderweitig genutzt und der Partner oder die Partnerin fühlt sich zweitrangig, unwichtig und letztlich vielleicht auch ungeliebt», sagt Bräm Wolf.

Freizeit wird zur Game-Zeit

Weit über 50 Millionen Downloads hat das Spiel «Flappy Bird» verzeichnet. Gedacht war es laut dem vietnamesischen Entwickler Dong Nguyen als Entspannung während einer freien Minute. Das Gegenteil war der Fall: Der ewige Run auf den Highscore und Vergleiche mit dem eigenen Freundeskreis animierten die Spieler zu langen, verbissenen Spiel-Sessions. Der Entwickler erkannte das Suchtpotenzial und löschte das Game Anfang Februar kurzerhand aus den Download-Stores.

Darauf sind zahlreiche Klone mit praktisch identischem Spielprinzip aufgetaucht. Hier werde Freizeit zur Game-Zeit, sagt die Paarberaterin. «Und weil Gewinnen immer wichtiger wird, engt sich der Fokus ein und eine lebendige Partnerschaft wird kaum mehr möglich. Der Frust aus dem Spielverlauf kann die Beziehung massiv beeinflussen.»

Flucht zu den Barbaren

«Clash of Clans» – ein Strategiespiel mit hohem Suchtfaktor. Hier übernimmt der Spieler die Kontrolle über einen Barbarenstamm. Im Multiplayer-Modus müssen Hab und Gut gegen verfeindete Clans verteidigt werden. Greift man selber an, locken virtuelle Pokale als Trophäen. Auch kann man in der Clan-Hierarchie aufsteigen – dafür muss man aber fleissig sein.

Wird der Spieler zum Beispiel zum Ältesten befördert, ist ein immer grösserer Zeitaufwand vonnöten. Das Spiel erschafft eine Ersatzwelt: «Es besteht die Gefahr, dass diese wichtiger wird als die reale Welt», sagt Bräm Wolf. Durch Push-Meldungen, die einen auffordern wieder zu spielen, werden längere Pausen oder gar ein Verzicht viel schwieriger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Er am 20.03.2014 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    er er er

    wieso lese ich hier immer nur er? ich persönlich kenne mehr Frauen als Männer die so sind...

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  • Brrring! am 20.03.2014 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    24h Erreichbarkeit

    Und ich (w, 25) werde doof angeschaut, wenn ich am Abend oder am Wochenende schlichtweg nicht erreichbar bin und ev. nicht zurückschreibe, weil ich das Handy einfach irgendwo auf einem Möbel vergessen habe und es kein bisschen vermisst habe oder es auch bewusst zu Seite lege. Ich liebe diese Zeit für mich / uns. Keiner stört, keine Spiele auf Apps, einfach Zeit. Man verpasst nichts, wenn man nicht ständig erreichbar ist, aber man verspasst sehr viel, wenn man das Gefühl hat, immer "online" sein zu müssen.

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  • Manuela am 20.03.2014 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Langeweile

    bei uns sind die Smartphones noch bei Weitem keine Beziehungskiller. Sie stehen nicht über direkter Kommunikation, Kuscheln und schon gar nicht über Sex. aber was mir auffällt: die Dinger sorgen dafür dass man sich keine Sekunde mehr langweilen will. Auch ich ertappe mixh dabei dass wenn ich mich auf eine sonnige Bank setze der erste Griff zum Handy geht. Gegen diesen Gewohnheitsreflex muss ich mich bereits ganz bewusst wehren sonst geschiehts einfach. statt neben dem Körper auch den Geist etwas auszuruhen, sind wir es plötzlich gewohnt jede Sekunde unseres Lebens den Geist mit neuen Infos zuzudröhnen sodass wir schon 5 min Stille als gewaltige Langeweile empfinden. dabei langweile ich mich auf Facebook usw auch, nur etwas minim weniger. Hat ein bisschen was von gelangweilt im TV rumzappen oder sich durchs Internet klicken. ich denke immer noch Smartphones praktisch und ne gute Sache sind, aber wir müssen von dem ganzem Informationstrip mal wieder runterkommen und es bewusst einsetzen. Etwas mit ganzer Aufmerksamkeit tun ohne den Blick auf den Minicomputer in der Hosentasche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tamy am 22.03.2014 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mühsam

    ich würde das handy nicht als beziehungskiller betiteln. eher als mühsamer zeitkiller. mein freund gamet oft stundenlang am pc. wenn er sich dann zu mir in den garten setzt um eine zu rauchen, hat er dieses blöde plastikteil vor dem gesicht. das selbe beim gemeinsamen essen, wenn wir einen film schauen oder im zug. immer. ich glaube er würde mich auf der strasse nicht mehr erkennen (auch nicht wenn er die augen vom display lösen könnte) umbringen tuts unsre beziehung nicht. es erschwerd sie (für mich jedenfalls) es führt zu diskussionen, aber hei ich hoffe einfach dass diese phase irgendwann vorbei geht.

  • Philip am 22.03.2014 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bin stolz

    mit 32 immer noch kein Smartphone zu haben. brauche es nur für Anrufe und sms. alles andere ist Zeitverschwendung....da kann ich meine Freie Zeit besser investieren. aber dies ist die heutige Gesellschaft, sogar die über 50-Jährigen, hängen nur noch am Handy einfach peinlich und sehr traurig diese entwicklung der Kommunikation, ständiger erreichbarkeit und zeigen auf sozialen netzwerken.....

  • Sini am 22.03.2014 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Solche menschen leben für mich nicht in einer "Beziehung" sonder eher aus angst vor dem allein sein. Ich bin selber erst 25 Jahre alt und alles andere als Altmodisch erzogen worden. Müsste ich mich zwischen meiner Freundin und meinem Iphone 5 entscheiden würde es keine Sekunde gehen und mein Handy landet im Elektroschrott. Genau so ist es auch umgekehrt. Was sollen das den für Beziehungen sein wo materielle Gegenstände mehr wert haben als den Partner den man liebt? Naja vielleicht bin ich auch einfach zu blöd um das zu verstehen.

  • Herr Hürzeler am 22.03.2014 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    retour à la nature

    Man müsste eben wieder zu den bewährten Rauchzeichen zurückkehren, ich habe noch nie gehört, dass deswegen eine Beziehung zerbrach. Aus gut unterrichteter Quelle weiss ich übrigens, dass die Migros Clubschule ab dem Herbst Rauchzeichen-Kurse anstatt Englisch anbietet!

  • Peter/Maier am 22.03.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    2 tage ohne handy

    Hier wird zwar geschrieben, dass man das handy öfters weglegen soll doch wenn ich es mal ein zwei tage weglege werde ich von allen kollegen und kolleginnen dumm angeschnauzt. Die handysucht ist ein gesellschaftliches problem wogegen man sich als einzelner nur schlecht wehren kann.

    • Nise Meier am 22.03.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

      Tage - Wochen ohne Handy

      Toll, ich habe das Glück, dass meine Wohnung von den beiden nächsten Handy-Masten nicht erreichbar ist. Dies heisst, dass meine gesamte Freizeit Handy-frei ist. Die Leute, die mich finden müssen, haben meine Festnetznummer oder können sie bei telsearch finden...

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