Neue EKG-Funktion

28. März 2019 09:31; Akt: 28.03.2019 09:31 Print

Die Apple Watch misst nun auch deine Herzströme

Apple bringt die letzten Herbst angekündigten Herzfunktionen auf der Watch in weitere Länder. Hier erfahren Sie, wie das EKG auf der Uhr funktioniert.

Bildstrecke im Grossformat »
Hersteller Apple bringt die EKG-Funktion seiner Uhr in weitere Länder. Dazu gehört auch die Schweiz. Um die Funktion zu nutzen, müssen das Betriebssystem auf der Watch und dem gekoppelten iPhone aktualisiert werden. Dann kann das EKG mit der eigenen App gestartet werden. Legt man den Finger auf die Krone, beginnt die 30 Sekunden lange Erfassung. Die EKG-Funktion ist nur auf der Watch Series 4 vefügbar. Die anderen Herzfunktionen wie der Alarm bei langsamem oder schnellem Herzschlag sind auf allen bisherigen Watch-Modellen verfügbar. Die mit der Uhr aufgezeichneten EKG landen in der Health-App. Die Daten sind verschlüsselt, können aber auf Wunsch als PDF exportiert werden. Die neuste Apple Watch wird so um medizinische Funktionen erweitert. Es war der 9. September 2014, als Apple-Boss Tim Cook die erste Watch vorstellte. Im Rückblick wirkt die damalige Uhr eher wie eine Spielerei. Das hat sich über die Jahre aber geändert. Die Gerätekategorie ist gereift und erwachsener geworden. Und mit der Watch Series 4 hat Apple letzten Herbst auch das Äussere des Gadgets erstmals radikal erneuert. So gibt es ein grösseres Display und ein schlankeres Gehäuse. Im September 2018 hat Apple für die neue Uhr eine EKG-Funktion angekündigt. Die Hardware ist in allen Modellen der Series 4 verbaut. Die notwendige Software wurde zuerst nur in den USA freigeschaltet. Die grösste Schwachstelle bleibt dagegen auch bei der Series 4 die Batterie. Im Test zeigte die Lade­anzeige nach einem Zwölf-Stunden-Tag mit aktivierten Benachrichtigungen, vereinzelten SMS-Antworten und einem 30-minütigen Workout noch um die 44 Prozent. Tägliches Aufladen ist also weiterhin nötig. Dennoch ist die Series 4 die bisher durchdachteste Watch von Apple. Die Preise für die Watch starten bei 449 Franken. Die neue Watch sei allerdings nicht das erste Wearable mit EKG-Funktion, erklärt Thomas Wolber, Facharzt für Kardiologie am Universitätsspital Zürich. Auf dem Markt gebe es bereits Produkte mit der Technologie, etwa vom Hersteller Alivecor. Das Modell Kardia Band liefert den Nutzern – wie die Apple Watch – innert 30 Sekunden ein EKG. Hat oder möchte man keine Uhr tragen, gibt es das Modell Kardiamobile. Das Gerät bietet ebenfalls ein 1-Kanal-EKG an. Die Daten werden auf das iPhone übertragen. Es kann zum Beispiel auf die Rückseite des Smartphones oder Tablets geklebt werden. So hat man es ebenfalls immer dabei. Ebenfalls bereits erhältlich ist das Modell ME90 vom Hersteller Beurer. Laut Thomas Wolber bietet dieses Gerät eine bessere Aufzeichnungsqualität, ... ... da damit auch direkt eine Messung am Brustkorb möglich sei. Bei allen gezeigten Modellen inklusive Apple Watch sei eine dauerhafte Überwachung des Herzrhythmus aber nicht möglich. Hierfür würden spezielle Langzeit-EKG-Geräte verwendet, so Wolber.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Finger auflegen, 30 Sekunden warten, und das EKG ist da. Apple hat seine Watch um die bereits angekündigten Herzfunktionen erweitert. Diese sind mit einem Softwareupdate auf der Uhr und dem iPhone verfügbar. Die EKG-App läuft jedoch nur auf Modellen der Series 4, die im September 2018 vorgestellt wurde.

Umfrage
Haben Sie eine Smartwatch?

Die Uhr erstellt ein sogenanntes 1-Kanal-Elektrokardiogramm. Die entsprechenden Sensoren befinden sich auf der Rückseite der Uhr. Legt man den Finger auf die Krone der Watch, so wird der Kreislauf geschlossen. In unserem Test funktionierte das zuverlässig. Für den Zeitraum von 30 Sekunden muss man die Hände allerdings ruhig halten.

Verschlüsselte Daten

Mit der Uhr lassen sich auch gewisse Herzrhythmusstörungen, etwa das Vorhofflimmern (Afib), erkennen. Dazu überwacht die Uhr den eigenen Herzschlag im Hintergrund. Damit die Watch einen Alarm ausgibt, müssen fünf von sechs Herzmessungen innerhalb von 48 Stunden Unregelmässigkeiten aufweisen. Diese Funktion ist nach dem Softwareupdate auf allen Watch-Modellen verfügbar.

Die Herzdaten werden verschlüsselt und laufen in der Health-App zusammen. Apple hat nach eigenen Angaben keinen Zugriff darauf. Auf Wunsch können die EKG-Daten als PDF exportiert werden. Zwar kann die Uhr einen Hinweis auf ein mögliches Problem liefern, sie ersetzt aber keine Diagnose. Darauf weist der Hersteller beim Einrichten der Funktionen mehrfach hin.

Demokratisierung der Medizin

Thomas Wolber, Facharzt und Privatdozent für Innere Medizin und Kardiologie am Universitätsspital Zürich, sieht dem Wandel von Wearables von der Fitness hin zur Medizin positiv entgegen. Die Entwicklung trage zur Demokratisierung der Medizin bei. Das heisse konkret: Gesundheitsinformationen sind einfacher und für viele Menschen verfügbar. So könnten potenziell gefährliche Erkrankungen wie das Vorhofflimmern eventuell früher erkannt werden. «Die Interpretation der Daten muss aber unbedingt durch einen Arzt erfolgen», erklärt er.

Potenzielle Nachteile sind laut Wolber unnötige Sorgen und Verunsicherung im Fall von falschen positiven Befunden und eventuell eine Steigerung der Gesundheitskosten durch die Zunahme unnötiger Untersuchungen. Ein weiterer möglicher Nachteil wäre eine verzögerte Abklärung von gefährlichen Beschwerden, wenn sich Patienten aufgrund eines normalen Apple-Watch-EKG in vermeintlicher Sicherheit wiegen und nicht oder zu spät zum Arzt gehen.

(tob)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MSCH am 28.03.2019 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Und täglich hatet das Murmetier

    Kein Bericht über irgend ein Apple Produkt, ohne dass sofort gelästert wird. Diese Funktion ist eine Innovation, jedenfalls für mich (Herzinfarkt 2015). Kinder, informiert euch zuerst genau über ein Produkt und eine Funktion, bevor ihr alle Lügen nachplappert was gewisse Artgenossen zur eigenen Befriedigung täglich zelebrieren. Ihr müsst ja diesen von Kindern (Zitat) hergestellten Elektroschrott nicht kaufen. So einfach ist das.

    einklappen einklappen
  • Sladi am 28.03.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man sich darauf verlassen.

    Wie genau ist das?

    einklappen einklappen
  • Physiker am 28.03.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    EKG misst keine Ströme...

    ...sondern Spannungen. Kleine Korrektur für alle Bildungsresistenten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eine besorgte Ehefrau am 29.03.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Find ich perfekt! Mein Mann hatte schon drei mal ein Langzeit EKG gemacht. Immer wenn es ihm wieder abgenommen wurde hatte er dann wieder seine Beschwerden. Am Ende wurde er als psychisch nicht ganz normal eingestuft... Das er ein Blutdruck von 141 zu 95 hat und sein Puls konstant auf 95-105 liegt das will kein Arzt von dem was wissen. Das sei halt wegen der Psyche... Er kauft sich jetzt dann eine smartwatch und lässt das mal Langzeit überwachen!

  • Resi am 29.03.2019 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Apple Watch zählt zukünftig die Krankenkasse.

  • marko 34 am 28.03.2019 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • huschmie am 28.03.2019 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für dich interessiert sich keiner

    Es ist nicht schlimm, wenn Apple, Google oder sonstwer für deine Daten interessiert. Schlimm wird es erst, wenn sich niemand dafür interessiert. Dieses Risiko ist für die meisten hier viel grösser. Sie sind nicht annähernd so interessant, wie sie befürchten.

  • Bruder Motzi am 28.03.2019 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Herzfrequenz geht einzig...

    ... mich alleine etwas an. Ganz bestimmt NICHT Apple und Konsorten...