Fairphone

15. Mai 2013 12:59; Akt: 15.05.2013 13:23 Print

Ein Smartphone für Weltverbesserer

Der Vorverkauf für das erste Fair-Trade-Smartphone der Welt ist angelaufen. Hier erfahren Sie die technischen Details zum Android-Gerät, das ein gutes Gewissen verspricht.

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Im Herbst soll das erste Fair-Trade-Smartphone der Welt ausgeliefert werden. Der Vorverkauf ist angelaufen – bei 5000 Bestellungen geht die Produktion los. Die holländische Non-Profit-Organisation hat nun auch das Design der «Limited Edition» vorgestellt. Der Holländer Bas van Abel ist der Gründer und CEO von Fairphone. Seit nunmehr drei Jahren engagiert er sich mit Gleichgesinnten für ein möglichst umweltfreundliches Smartphone, das auch bezüglich der verwendeten Materialien und der Produktionsbedingungen neue Massstäbe setzt. Der Preis beträgt 325 Euro, also umgerechnet gut 400 Franken. Das Gerät soll mit Android 4.2 laufen und Platz für zwei SIM-Karten bieten. Der Touchscreen misst 4,3 Zoll (Diagonale). Das Design lehnt sich gemäss dieser Konzeptstudie an bekannte Modelle anderer Hersteller an. Dafür soll am Fairphone kein Blut kleben. Das heisst, die für die Elektronik erforderlichen Mineralien sollen nicht in ausbeuterischen Minen in Krisengebieten abgebaut worden sein. In den afrikanischen Gold-, Kupfer und Kobaltminen ist Kinderarbeit sehr verbreitet. Im Boden Kongos lagern bis zu 80 Prozent des weltweiten Vorrats an Koltan. Das Erz wird für den Bau von Smartphones benötigt. Die Nachfrage nach den wertvollen Mineralien ist gross, die Produktionsbedingungen sind häufig katastrophal. Fairphone-Mitarbeiter besuchen die Abbaugebiete und arbeiten mit anderen Non-Profit-Organisationen zusammen, um die Verhältnisse zu verbessern. Laut der Erklärung von Bern (EvB) wird geschätzt, das weltweit bis zu 1,5 Millionen Kinder im Bergbau arbeiten. Die Produktion des Fairphones soll Mensch und Umwelt möglichst wenig Schaden zufügen. Noch gibt es keinen funktionierenden Prototypen. Interessenten können das Android-Gerät demnächst über das Internet vorbestellen. Der Preis soll rund 400 Franken betragen.

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Der Countdown läuft: Sobald 5000 Vorbestellungen bei der Firma Fairphone eingegangen sind, soll die Produktion des ersten Fair-Trade-Smartphones der Welt starten. Wer das Android-Gerät bis zum 14. Juni ordert, erhält die «Limited Edition» (siehe Bildstrecke).

In der ersten Phase des Vorverkaufs ist das Fairphone für Interessenten in Europa erhältlich. Der Preis im Online-Shop beträgt 325 Euro (ohne Versandkosten), das sind umgerechnet rund 405 Franken. Die Auslieferung soll dann im Herbst erfolgen.

165 Gramm leicht

Wer ein Fairphone kaufe, schliesse sich einer Bewegung an, betonen die holländischen Initianten. Ziel sei es, die Herstellung von Produkten grundlegend zu ändern. Und zwar zum Besseren. Das fängt beim Abbau von konfliktfreien Mineralien in Afrika an. Es betrifft das Zusammenbauen unter fairen Arbeitsbedingungen in einer Fabrik in China und geht bis zum Recycling.

Das 165 Gramm leichte Fairphone soll aber nicht nur gut für das eigene Gewissen sein. Die technischen Spezifikationen der ersten Generation können sich sehen lassen: Als Standard-Betriebssystem wird das aktuelle Android 4.2 (Jelly Bean) angeboten. Fachkundige Nutzer können es problemlos aufbohren («rooten»). Später sollen sich auch andere offene Smartphone-Systeme wie Ubuntu oder Firefox OS installieren lassen.

Einfach zu reparieren

Die vorinstallierte Android-Benutzeroberfläche soll schlank und bedienungsfreundlich daherkommen. Das von Google konzipierte System wird durch einige sinnvolle Features ergänzt, etwa um den Energieverbrauch zu kontrollieren.

Der Touchscreen, geschützt durch bruchfestes Dragontail-Glass, misst 4,3 Zoll in der Diagonalen. Die Rechenpower kommt von einem leistungsfähigen Quadcore-Prozessor. Der Akku hat eine eher mässige Kapazität von 2000 Milli-Ampere-Stunden (mAh), er lässt sich aber problemlos durch einen zweiten Ersatzakku ersetzen.

Mit Dual-SIM

Wie bei der Konkurrenz sind zwei Kameras an Bord. Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist zum Fotografieren und Filmen gedacht, die schwache 1,3-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite eignet sich für Video-Chats.

Dank Dual-SIM können zwei SIM-Kärtchen eingesetzt werden, was etwa für Auslandreisende praktisch ist. Das Gerät soll sich zudem einfach öffnen und reparieren lassen, so dass kleinere Defekte günstig zu beheben sind.

Standardmässig wird das Fairphone ohne Ladekabel (MicroUSB) ausgeliefert. Der interne Speicherplatz wird mit 16 Gigabyte angegeben, dieser kann durch eine externe Speicherkarte (microSD) um 32 GB erweitert werden.

Was fehlt ist ein Kreiselsensor (Gyroskop), der von einigen Apps zur Positionsbestimmung verwendet wird. Zudem verfügt das Fairphone nicht über einen LTE-Chip, es bietet also keinen Zugriff auf die derzeit schnellsten Mobilfunknetze von Swisscom und Co.

(dsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stef am 15.05.2013 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Handy länger benutzen

    Ich finde die Idee des Fairphone durchaus interessant und lobenswert. Doch man sollte beachten, dass man der Welt auch nicht hilft, wenn man nun sein noch problemlos funktionierendes Smartphone durch das Fairphone ersetzen will. Länger benutzen ist um Längen besser als "fair" kaufen. Nur weil ein Abo ausläuft und man ein neues Handy zu guten Preisen kriegt heisst das nicht, dass man das Alte unbedingt ersetzen muss!! Mein Handy ist gerade mal ein Jahr alt, also bleibe ich auch dabei, solange es seinen Job erfüllt.

  • Gregor am 15.05.2013 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis

    Wer keine technischen Innovationen hat muss halt anderswie verkaufen, aber bitte nur mir Absatzgarantie, sonst wird daraus wohl nichts.

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  • Canelloni am 15.05.2013 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UND

    Woher kommt das Coltan her? Kongos Minenschächten sind nicht für "fair trade" bekannt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • stef am 15.05.2013 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Handy länger benutzen

    Ich finde die Idee des Fairphone durchaus interessant und lobenswert. Doch man sollte beachten, dass man der Welt auch nicht hilft, wenn man nun sein noch problemlos funktionierendes Smartphone durch das Fairphone ersetzen will. Länger benutzen ist um Längen besser als "fair" kaufen. Nur weil ein Abo ausläuft und man ein neues Handy zu guten Preisen kriegt heisst das nicht, dass man das Alte unbedingt ersetzen muss!! Mein Handy ist gerade mal ein Jahr alt, also bleibe ich auch dabei, solange es seinen Job erfüllt.

  • NoGo am 15.05.2013 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schade :(

    Trotzdem stecken immernoch zuviele "seltene" Erden in solchen Geräten (oder besser: in ALLEN technischen Geräten). Das sollte sich ändern, dann wären zumindest gewisse Minen nicht mer attraktiv und das Problem würde sich aus der Welt schaffen...nur entstehen dann wieder neue, ein Teufelskreis aus dem der Mensch nicht mehr entkommt :(

    • Realist am 15.05.2013 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Dann geben sie uns doch einmal ein leitfähiges Material, welches sie nicht abbauen mussten ;)

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  • Philipp am 15.05.2013 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlersich...

    Es ist nichts als blosses Marketing, um ein technisch veraltetes und schlechtes Smartphone zu verkaufen. Heutzutage könnte man alles verkaufen, wenn man ein den Leuten vorgaukelt, etwas Gutes zu tun. Leider fallen viele auf diese miese Geschäftstaktik rein.

    • Ach Mann am 15.05.2013 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Immer doch...

      Jaja immer ist alles eine Verschwörung und die Welt ist sowiso schlecht und alles sind Lügner und Betrüger und und und

    • Alex am 15.05.2013 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      leider wahr...

      Genau, da stimme ich Dir voll bei.

    • Nathalie am 17.05.2013 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Alex

      entweder beipflichten oder zustimmen, aber beides geht nicht ;-)

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  • Hans Hansen am 15.05.2013 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    ...bedeutet: kein Kauf des Handys schützt die Umwelt am Meisten....

  • inneuse am 15.05.2013 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrscheinlich

    wurde Android auch unter FairTrade Bedingungen programmiert. Ansonsten find ichs ganz ok.

    • Lord_Vader am 15.05.2013 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Eheeeem

      Hast du noch nie von den tausenden Afrikanern und Chinesen gehört, die zu den elendsten Bedingungen zum Programmieren gezwungen werden für nur 1 Dollar am Tag? Nein echt jetzt?

    • Offline am 15.05.2013 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ironie on

      Ne, Google hat den Afrikanern einen Computer vors Auge gehalten mit C Umgebung und hat gesagt "Code mir jetzt ein System!" so einfach.

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