Cyberkriminalität

30. April 2015 13:18; Akt: 30.04.2015 13:18 Print

Erpressung – Bund empfiehlt Webcams abzukleben

Im Internet versuchen Kriminelle immer häufiger, Daten zu stehlen und damit die Opfer zu erpressen. Insbesondere warnt der Bund vor Webcam-Hackern.

storybild

Im vergangenen November hatte ein Fall von tausenden gehackten Webcams Schlagzeilen gemacht. (Bild: Keystone/AP/Peter Zschunke)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit zehn Jahren beobachtet die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) die Bedrohungen im Cyberspace und berichtet darüber. Besonders stark zugenommen habe in den letzten Jahren die Erpressung, schreibt sie in ihrem aktuellen, am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Dabei werden zum einen sensible Daten – etwa Nacktfotos – gestohlen. Falls das Opfer das verlangte Geld nicht überweist, werden die Daten publik gemacht. Zum andern wird Schadsoftware eingesetzt, um den PC des Opfers zu blockieren oder Daten darauf zu verschlüsseln.

Viele Betroffene zahlen

Solche Trojaner erwiesen sich als «unerschöpfliche Geldquelle» für die Erpresser, schreibt MELANI. Experten gingen davon aus, dass der Trend anhalten werde. Offenbar ist die Bereitschaft der Opfer gross, die geforderte Summe zu bezahlen, um wieder auf ihre Daten oder den Rechner zugreifen zu können.

Gemäss einer im Bericht zitierten Studie waren 40 Prozent der Opfer der Schadsoftware «Cryptolocker» bereit, ein Lösegeld zu zahlen. Für die Kriminellen zählt in diesem Fall nicht der (Verkaufs)wert der Daten. Vielmehr zählt der Wert, den die Daten für das Opfer haben. Deshalb sei es gefährlich, den Schutz vermeintlich wertloser persönlicher Daten zu vernachlässigen, hält MELANI fest. Sobald Daten einen Wert für einen Nutzer hätten, seien sie auch wertvoll für potenzielle Erpresser.

Laut dem Bericht besitzt solche Schadsoftware ein immer grösseres Schadenspotenzial. Im vergangenen Halbjahr sei eine neue Variante mit dem Namen «Synolocker» aufgetaucht, auch in der Schweiz. Die Infektion habe keine Benutzerinteraktion benötigt, sondern gezielt eine Sicherheitslücke in Netzwerk-Datenspeichern genutzt.

Vorsicht bei der Benutzung von WLAN

MELANI warnt auch vor öffentlichen WLANs. Bei deren Verwendung sollte immer «eine gesunde Portion Vorsicht mitsurfen», empfiehlt die Meldestelle. So dürfe während dem Einwahlversuch ins Funknetzwerk nicht akzeptiert werden, dass Programme installiert würden. Ausserdem müsse darauf geachtet werden, dass der Computer auf dem neuesten Stand sei.

Beim Datendiebstahl über WLAN geht es nicht zuletzt um Wirtschaftsspionage. Geschäftsleute, welche unterwegs kritische Daten bearbeiten müssten, sollten aus Sicht von MELANI erwägen, über die persönliche Hotspot-Funktion des Mobilfunktelefons und dessen Roamingfunktion zu gehen - auch wenn die Benutzung grosse Kosten verursache.

Nutzern von Clouds empfiehlt MELANI, die üblichen Sicherheitsregeln anzuwenden. Für jeden Dienst sollte ein eigenes, komplexes Passwort mit Sonderzeichen verwendet werden. Der Fall der Nacktfotos von Prominenten, die aus Clouds gestohlen wurden, mache zudem einmal mehr deutlich, dass das beste Mittel zur Verhinderung des Diebstahls von kompromittierendem Material darin bestehe, dieses gar nicht oder zumindest nicht auf einem vernetzten Datenträger zu speichern.

Webcams mit Klebeband abdecken

Nutzern von Webcams empfiehlt MELANI, diese bei Nichtgebrauch durch ein Klebeband oder eine spezielle Vorrichtung abzudecken. Im vergangenen November hatte ein Fall von tausenden gehackten Webcams Schlagzeilen gemacht. Darunter befanden sich laut MELANI auch 141 Webcams aus der Schweiz.

Neben eher unspektakulären Ansichten auf Garagen fanden sich unter den Aufnahmen auch solche von Kleinkind-Überwachungskameras. Die Bilder waren über eine russische Webseite zu sehen. Das Hacking war möglich, weil die Benutzer vergessen hatten, die voreingestellten Passwörter zu ändern.

Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre stellt die Meldestelle fest, die Grundthemen hätten sich nur wenig verändert. Auf Seiten der Angreifer habe jedoch eine enorme Professionalisierung stattgefunden. Es habe sich ein regelrechter Cyber-Untergrundmarkt entwickelt, auf dem alles, was es für einen Angriff brauche, beschafft werden könne. Aber auch einige Staaten hätten ihre Spionage- und Überwachungsmethoden stark ausgebaut und verfeinert.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Henry am 30.04.2015 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Meine ist schon lange abgeklebt ;-)

  • Michael am 30.04.2015 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur PC?

    Dann klebt aber bitte auch eure Handy-Kameras ab...

  • Martin Kälin am 30.04.2015 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Pc

    Am besten man arbeitet mit zwei PC', einer zum arbeiten mit sensiblen Daten ohne Internet. Der andere ohne Daten zum chaten etc., so bleiben persönliche Daten geschützt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adolf Ogi am 01.05.2015 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht vor der Moderne

    Ich empfehle den ganzen Bildschirm mit schwarzer Folie abzukleben und einen Deckel über die Tastatur zu machen. Das Bargeld sollte nur unter der Matratze gehortet werden und zur Arbeit mit dem Velo wegen der vielen Elektronik im Auto. Denn das Internet ist viel gefährlicher als das richtige Leben!

  • Maddin am 01.05.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    man, man, man

    Ich fordere abermals eine Autoprüfung für PC-Benutzer... Wir lassen auch nicht jeden der will auf die Strassen, ins Internet schon. Und dann wundert man sich, weshalb solche komischen Sachen geschehen... PC und Internet sind inzwischen zu tief in unserem Leben verankert....

  • Lassie am 30.04.2015 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch ohne Klebstreifen möglich.

    Einfach den USB Stecker rausziehen von der Webcam. Umständlich ? Nicht wenn Mann/Frau beim Pc vorne USB Anschlüsse hat. Smartphone und Laptop ist mir egal, falls Sie mich attraktiv finden, sollen sie doch. :-)

    • Thomas am 01.05.2015 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Brauch ich nicht

      Hab gar keine Cam an meinem PC. Somit schon mal dieses Problem gelöst:)

    einklappen einklappen
  • Dm am 30.04.2015 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Alle haben immer gelacht, weil ich einfach ein Pflaster darüber geklebt habe... tja jetzt empfiehlts sogar der Bund ;-)

  • smilie am 30.04.2015 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    DAU`s

    mhh das grösste Problem stellt der USER dar.... (DAU). Alle wollen die neuen Gadgets verwenden aber die meisten haben keine Ahnung von und da liegt der Vorteil dann beim Hacker mit miesen Absichten... Und wichtiger Tip Gratis Software zum Schutz des Rechners könnt in die Tonne treten... Erst informieren dann die Schützen