Lauschangriff

21. Februar 2011 11:19; Akt: 21.02.2011 15:49 Print

FBI will bei Facebook mitlesen

Lauschangriffe auf Bürger haben im Internetzeitalter Konjunktur. Neu will die US-Bundespolizei auch bei Social Networks und Live-Chats mitlesen.

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Lauschangriff: Das FBI hat Facebook, Twitter und Spielkonsolen im Visier. (Bild: Thomas Kienzle)

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Dem FBI reicht die Überwachung von Telefon und E-Mail offenbar nicht mehr. Die US-Bundespolizei weibelt bei Politikern für eine Ausweitung des Lauschangriffs auf Social Networks, Mikroblogs wie Twitter und Chat-Dienste wie XBox Live von Microsoft, berichtet Spiegel Online. Die neusten Forderungen stehen in bester FBI-Tradition: In den USA werden die Abhörregeln stets dann erweitert, wenn neue Kommunikationsformen beliebt werden.

Lizenz zum Schnüffeln

Seit Ende der Achtziger-Jahre fordern das FBI und der auf elektronische Überwachung spezialisierte Geheimdienst NSA kontinuierlich mehr Zugriff auf die Telekommunikation. Bereits 1994 wurden die Kommunikationsunternehmen in den USA verpflichtet, Überwachungsschnittstellen für die Behörden einzurichten.

Zuletzt erweiterte der US-Gesetzgeber das Abhörgesetz 2006, um auch Internet-Telefonate (Voice over IP) den staatlichen Langohren zugänglich zu machen. Im letzten September soll FBI-Direktor Robert Mueller Firmen wie Skype oder Blackberry, die verschlüsselte Kommunikation anbieten, gebeten haben, in ihrer Software Hintertüren für die Behörden einzubauen. Die Angelegenheit erinnert an eine FBI-Forderung aus den Neunziger-Jahren. Damals wollte die Bundespolizei Hersteller von Kommunikationsgeräten verpflichten, einen sogenannten Clipper-Chip, eine Art Wanze, in alle Geräte einzubauen.

Wie Spiegel Online weiter schreibt, soll heute mit dem System NarusInsight eine Vollüberwachung des über die USA laufenden Internetverkehrs stattfinden. Dies scannt den Webverkehr nach verdächtiger Kommunikation und soll gar Nutzerprofile erstellen.

Wie jede Spitzel-Software ist aber auch das Programm der Boeing-Tochterfirma Narus nicht frei von blinden Flecken. Die Knacknuss, an der sich Geheimdienste seit Jahren die Zähne ausbeissen, heisst Kryptografie. Wer seine Daten vor neugierigen Blicken schützen will, nutzt daher Verschlüsselungssysteme wie Pretty Good Privacy (PGP). So geschützte Informationen können angeblich auch von den USA nicht kontrolliert werden.

(owi)