Facebook schafft Weltwährung

18. Juni 2019 11:55; Akt: 18.06.2019 13:00 Print

Bald können Sie mit Whatsapp bezahlen

Libra soll die neue Kryptowährung von Facebook heissen. Diese soll vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden.

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Mark Zuckerberg will die Finanzwelt umkrempeln: Facebook hat eine neue globale Währung erfunden. Das Digitalgeld mit dem Namen Libra basiert ähnlich wie der Bitcoin auf der sogenannten Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Facebook werde keinen Zugang zu den Transaktionsdaten haben, versicherte der für das Projekt zuständige Facebook-Manager David Marcus.

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In der Anfangszeit dürfte das Digitalgeld vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, sagte Marcus der dpa. Damit würde Libra mit Diensten wie Western Union oder Moneygram konkurrieren, die für internationale Überweisungen hohe Gebühren verlangen. Die Vision sei aber, Libra schliesslich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen.

Überweisungen über Whatsapp

Für Verbraucher soll es einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu machen. So soll man Libra-Überweisungen zum Beispiel direkt in Facebooks Chatdiensten Whatsapp und Messenger ausführen können. Mit einer Verknüpfung zum Bankkonto sollen Libra auch direkt auf dem Smartphone in andere Währungen umgetauscht werden können.

Um das grosse Ziel einer digitalen Vollwährung zu erreichen, hat Facebook eine Allianz geschmiedet, die Libra Association. Diese Allianz und nicht Facebook soll das Digitalgeld verwalten. Unter den aktuell 28 Mitgliedern sind die Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal und Stripe – was die Integration in Bezahlsysteme erleichtern dürfte.

Keine Kursschwankungen

Mit an Bord sind unter anderem auch Vodafone und Ebay, die Reisebuchungs-Plattform Booking.com sowie der Musikstreaming-Dienst Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft. Zum Libra-Start im Jahr 2020 hoffe er auf mehr als 100 Mitglieder, sagte Marcus. Facebook werde keine Sonderrolle in der Organisation haben.

Bisherige Blockchain-Währungen wie Bitcoin sind für ihre massiven Kursschwankungen berüchtigt – das ist etwas, was Facebook bei Libra unbedingt vermeiden wollte. Deshalb wird Libra in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Dollar, Euro und Yen gedeckt sein. «Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fliessen diese 100 Euro in die Reserve», erläuterte Marcus.

Es braucht viel Zeit

Die Libra Association werde zudem festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden, um für einen stabilen Kurs zu sorgen. Auch wird Libra anders als der Bitcoin nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen erworben werden.

Facebook lässt keinen Zweifel daran, dass Libra am Ende eine globale Währung werden soll, mit der man genauso wie mit dem heutigen Geld alles und überall kaufen kann – egal, ob online oder in einem Laden. Zugleich schränkte Marcus ein: «Ich denke, dass jede neue Währung viel Zeit brauchen wird, um so gross zu werden wie eine existierende nationale Währung einer grossen Volkswirtschaft.»

Wird sich nicht in den nächsten 10 Jahren etablieren

Ein Grund dafür sei, dass in der entwickelten Welt die Bezahlwege bereits mit den heutigen Möglichkeiten gut eingespielt seien. «Zumindest in den nächsten zehn Jahren werden wir alle noch unsere Gehälter bekommen und Steuern zahlen in der Währung der Länder, in denen wir leben.»

Zugleich gebe es aber auch Länder mit hoher Inflation und schlecht ausgebauten Banksystemen – und dort könne eine Digitalwährung wie Libra eine viel grössere Rolle spielen, «weil sie eine Lösung für viele Probleme bieten kann». In China wird Libra nicht verfügbar sein.

Verschiedene digitale Brieftaschen

Zur Aufbewahrung und Nutzung von Libra werden verschiedene Anbieter digitale Brieftaschen, sogenannte Wallets, aufsetzen können. Facebook will nur einer von vielen Wallet-Anbietern sein, dafür gründete das Online-Netzwerk die Tochterfirma Calibra mit Marcus an der Spitze. «Facebook und Calibra werden keine besonderen Rechte oder Vorteile haben, obwohl wir den gesamten Quellcode für die Blockchain und die Transaktionen geschrieben haben», sagte er. Facebook steht insbesondere nach dem Skandal um Cambridge Analytica unter massivem Druck, den Datenschutz zu verbessern.

Nutzer können in dem Libra-System unter Pseudonymen agieren und mehrere Zugänge haben. «Transaktionen enthalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt», hiess es in einem Papier.

Die übliche Regulierung – also zum Beispiel Massnahmen gegen Geldwäsche – werde auf Ebene der Wallets greifen, sagte Marcus. «Wir haben mit Regulierern rund um die Welt gesprochen.» Für Unternehmen, die Gründungsmitglieder der Libra-Allianz werden wollen, wurde eine Hürde gesetzt: Sie müssen einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr als 20 Millionen Kunden haben. Mitglieder müssen mindestens zehn Millionen Dollar investieren.

Anders als Bitcoin

Die bekannteste Blockchain-Währung Bitcoin ist anders organisiert: Bei ihr werden die Einheiten durch mathematische Berechnungen auf den Computern der Nutzer generiert – «geschürft», wie es im Fachjargon heisst. Dabei ist die Gesamtzahl der Bitcoin, die produziert werden können, beschränkt. Und die Berechnungen dafür werden immer komplexer.

Inzwischen braucht man Hochleistungscomputer, um Bitcoin zu erstellen, daher schürfen derzeit vor allem kommerzielle «Minining-Farmen». Das steigert den Energieverbrauch und das knappe Angebot kann für Preis-Sprünge sorgen. In der Spitze kostete ein Bitcoin Ende 2016 bis zu 20 000 Dollar – dann folgte der Einbruch. Inzwischen arbeitete sich der Bitcoin auch dank Gerüchten über Facebooks Pläne wieder an die Marke von 9000 Dollar vor.

Mehr Sicherheit

Bei einer Blockchain werden verschlüsselte Daten über Transaktionen aneinander gereiht und an verschiedenen Orten gespeichert. Durch einen Abgleich würden eventuelle Änderungen auffallen, was für Sicherheit sorgt. Facebook sei es bei seinem System gelungen, bekannte Probleme der Technologie wie Langsamkeit zu lösen. Bei Libra komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin. «Wir haben eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann», sagte Marcus. Facebook entwickelte für das System auch eine neue Programmiersprache mit dem Namen Move.

Marcus war vor seinem Wechsel zu Facebook Chef des Bezahldienstes Paypal. Beim Online-Netzwerk war er zunächst für den Chatdienst Messenger verantwortlich, bis ihn Zuckerberg mit dem Blockchain-Projekt betraute.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dagobert am 18.06.2019 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Vertrauen ist unglaublich wichtig für eine Währung und wer vertraut schon Facebook? Thema erledigt!

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  • Steve am 18.06.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch das noch

    Klar dauf haben alle gewartet. Ausgerechnet Facebook. Sie sind ja so vertrauenswürdig. Ich würde denen nicht mal mein Butterbrot anvertrauen.

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  • Satoshi am 18.06.2019 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut, aber...

    Das ist eine zentralisierte Währung, die ihn Regierungsanleihen und Staatswährungen investiert. Herrlich für Facebook und deren Partner, die Leute werden den Wert von BTC und co erst erkennen, wenn ihr Libra-Konto mal 30 Tage gesperrt wird, Käufe mit Libra besteuert werden und Libra wie alle Staatswährungen massiv inflationiert wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bartli am 03.07.2019 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Framing

    Genau und die Massen-Medien unterstützen bageldloses zahlen fleissig.

  • kein Facebook Nutzer am 19.06.2019 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauensfrage

    zur Frage des Vertrauens kann ich nur sagen, über eine Milliarde Menschen vertrauen Facebook so sehr, dass sie teils intimste Einblicke in ihr Privatleben gewähren. Wieso sollten diese Leute Facebook nicht auch beim Geld trauen? Ich traue Facebook nicht und hab drum auch keinen Account

  • hronsuer am 19.06.2019 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na

    Lustig. Erst hiess es bitcoin und co. wären die schnellsten und billigsten Arten zum zahlen. Jetzt sind sie die teuersten und unsichersten. Mit Sofortüberweisung und co. landet mein Geld von der Bank direkt zur nächsten. Ohne Wartezeiten oder gebühren.

    • tom am 19.06.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hronsuer

      sofortüberweisung? ohne Gebühren? wer ist das und wie kommt man dazu?

    • DLibertas am 20.06.2019 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hronsuer

      Libra hat gar Nichts mit BTC und Co. zu tun! Wird aber BTC und Co. tollen Schub geben ;-)

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  • Puddel am 19.06.2019 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    @all

    Ach was, es wird genug Kunden geben. Weil es so bequem ist. Bin immer wieder schockiert zu sehen wie wenig Leute sich zum Beispiel mit ihrem Handy auseinandersetzen. Zugegeben, es ist mühsam und aufwendig, mit Absicht. Trotzdem, die meisten Menschen sind zu Schafen degradiert. Und es gefällt ihnen, weil es so bequem ist.

  • Isabella am 19.06.2019 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    nein, nein, nein

    Ich werde mein Handy nie zum Zahlen nutzen

    • ..dr Lauch.. am 19.06.2019 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Isabella

      nur ruhig,es zwingt dich glaub niemand.

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