Illegales Filesharing

09. April 2009 10:26; Akt: 11.04.2009 17:48 Print

Facebook schiesst übers Ziel hinaus

von Henning Steier - Im Kampf gegen Piraten hat das soziale Netzwerk einen kleinen Sieg errungen. Allerdings zu einem hohen Preis, denn auch legale Downloads werden verhindert.

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Knapp einen Monat haben die Facebook-Betreiber zugesehen, wie Piraten ihr Portal entern konnten. Denn wer auf der Seite The Pirate Bay nach Torrents für urheberrechtlich geschützte Inhalte suchte, konnte diese anschliessend über den Share-on-Facebook-Button über das weltgrösste soziale Netzwerk an Freunde senden oder die Links im eigenen Profil posten.

Seit kurzem ist dies nicht mehr möglich, obwohl der die Schaltfläche nach wie vor auf The Pirate Bay zu finden ist. Wer es probiert, bekommt eine Fehlermeldung angezeigt. Doch Facebook verhindert so auch den Austausch von Torrents, die zu legalen Downloads wie dem Open-Source-Browser Firefox führen. Dies ergab ein Test von 20 Minuten Online.

Piraten warten auf ihr Urteil

Die Macher von The Pirate Bay warten zurzeit auf ihr Urteil im Stockholmer Prozess, das am 17. April verkündet werden soll. Die Angeklagten müssen sich in der schwedischen Hauptstadt wegen der Verletzung von Urheberrechten verantworten. Gegenüber der Seite torrentfreak.com kündigte einer von ihnen, Peter Sunde, trotzdem an, bald eine Möglichkeit anbieten zu wollen, die Facebooks Filtersystem austricksen werde.

Nutzer einer weiteren grossen Seite, isoHunt, können allerdings nach wie vor Links zu Torrents bei Facebook posten. Warum das soziale Netzwerk dies noch nicht verhindert, konnte eine Sprecherin nicht sagen. Man sei sich aber der Problematik bewusst und arbeite an einer Lösung, erklärte sie gegenüber sie 20 Minuten Online.

Die Schweizer Musikbranche verzeichnet wegen illegalen Filesharings laut dem Branchenverband Ifpi etwa 25 Millionen Franken Schaden pro Jahr. Allein seit dem Jahr 2003 sind hierzulande über 600 Arbeitsplätze im Bereich der Musikwirtschaft abgebaut worden. Die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE) schätzt, dass allein die Filmindustrie hierzulande wegen Piraterie jährlich Umsatzeinbussen von rund 90 Millionen Franken erleidet.