Kuba ärgert sich

29. Mai 2012 08:43; Akt: 29.05.2012 17:03 Print

Fidel Castros verflixtes Internet-Kabel

Ein Jahr nach der Verlegung eines neuen Datenkabels durchs Meer ist Kuba noch immer nicht richtig online. Fürchtet sich das Regime vor einem «Kubanischen Frühling»?

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Das mit Hilfe eines Schiffs verlegte Unterseekabel führt von Venezuela nach Kuba. Doch die meisten Kubaner warten weiterhin auf schnelles Internet. (Bild: EPA/Miguel Rubiera)

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Für jeden, der sich je über eine schnelle Verbindung ins Internet eingewählt hat, ist das Surfen von Kuba aus eine Qual. Ohne terrestrische Verbindung funktioniert die Datenübertragung nur über Satelliten - und die ist nicht nur teuer, sondern vor allem langsam. Das neue, von Venezuela aus unter dem Meer verlegte Glasfaserkabel sollte die Kapazität etwa 3000fach erweitern - und die digitale Isolation Kubas damit endgültig beenden.

Die offizielle Feier zur Ankunft des Kabels war bereits im Februar 2011. Vor zehn Monaten hätte das System nach ursprünglicher Planung in Betrieb gehen sollen. Dass bisher nichts passiert ist, ärgert viele Kubaner. Noch mehr aber die Tatsache, dass nicht einmal eine Begründung für die Verzögerung geliefert wird.

Grosse Hoffnungen

Von dem Projekt sollten zunächst vor allem Krankenhäuser und Universitäten profitieren. Dutzende von der Nachrichtenagentur AP befragte Kubaner, die in diesen Bereichen arbeiten, bekräftigten jedoch, dass sich die Download-Geschwindigkeiten auch hier nicht verändert haben. Allein das Herunterladen eines kurzen Videos von YouTube würde auf Kuba theoretisch bis zu zwei Tage dauern.

«Ich hatte grosse Hoffnungen, hohe Erwartungen in dieses Kabel», sagt eine kubanische Ärztin, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will. Um Forschung zu betreiben, seien die Internet-Verbindungen bisher nicht ausreichend. Sie habe in Havanna nur Zugang zu einem nationalen Netz. Dies ermögliche zwar zum Beispiel das Empfangen von E-Mails. Die Server seien aber unzuverlässig. Zudem seien Kollegen, die soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen versucht hätten, von ihrer Institution massiv unter Druck geraten.

Auf dem Schwarzmarkt

Nach offiziellen Statistiken waren 2011 etwa 16 Prozent der Kubaner in unterschiedlichem Ausmass online - überwiegend durch ihre Arbeit oder an Schulen, und überwiegend nur in dem internen Netz. Direkten Zugang zum Internet hatten den Angaben zufolge nur 2,9 Prozent. Unter Berücksichtigung eines Schwarzmarktes für den Verkauf von Einwahlminuten könnte die tatsächliche Zahl bei etwa fünf bis zehn Prozent liegen.

Mit diesen Werten hinkt Kuba fast dem gesamten Rest der Welt deutlich hinterher. Das wollte auch der gegenüber ausländischen Einflüssen höchst skeptische Fidel Castro wohl nicht auf sich sitzen lassen. «Mit den Geheimnissen ist Schluss», sagte er im August 2010 der mexikanischen Zeitung «La Jornada». «Wir haben es mit der mächtigsten Waffe zu tun, die je existiert hat, mit Kommunikation.»

Millionen Dollar in die eigenen Taschen

Wiederholte Anfragen der Nachrichtenagentur AP bezüglich des neuen Kabels blieben von den kubanischen Behörden unbeantwortet. Aus Diplomatenkreisen in Havanna ist zu hören, dass korrupte Beamte mehrere Millionen Dollar von dem Projekt in die eigenen Taschen geleitet haben sollen. Doch dies ist nicht die einzige Theorie zur Begründung des offensichtlichen Scheiterns des Projekts.

Der regierungsnahe kubanische Blogger Yohandry Fontana schrieb Ende 2011, Nutzer eines geschlossenen Forums würden das System bereits nutzen und es funktioniere wunderbar. Dies deckt sich mit Aussagen der Regierung in Venezuela. Das Kabel sei verlegt und «vollständig betriebsbereit», hiess es jüngst aus Caracas. Gut möglich also, dass das kubanische Regime die Segnungen des neuen Kabels nur selektiv zur Entfaltung kommen lässt.

Gut möglich auch, dass Fidel Castro und sein jüngerer Bruder Raúl, der seit einigen Jahren die Regierungsgeschäfte führt, die «mächtige Waffe» Internet durch den Arabischen Frühling zu fürchten gelernt haben. Das zumindest glaubt der Kuba-Experte Larry Press, der an der Universität von Kalifornien Professor für Informationssysteme ist. «Sie haben Angst davor. Sie wollen keinen 'Kubanischen Frühling', um es so auszudrücken.»

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anti Ka am 29.05.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kuba=Arabien falsch

    Kuba mit den Arabischen Staaten zu vergleichen ist Irrsinn. Kuba ist kommunistisch aufgebaut, oder sollte es jedenfalls sein. Klar ist es von einem Regime regiert, dass ebenfalls totalitär herrscht. Aber dem Volk in Kuba, gewährt die regierung trotzdem viel mehr als in den Arabischen Staaten dazumals, und heute immer noch.

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  • Schawinski Hansueli am 29.05.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Cuba libre

    2.9% der Kubaner (mit Internetzugang) haben nun 1% weniger Probleme in ihrem Leben.

  • Clemens am 29.05.2012 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht

    Was hat Fidel Castro denn damit zu tun ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schawinski Hansueli am 29.05.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Cuba libre

    2.9% der Kubaner (mit Internetzugang) haben nun 1% weniger Probleme in ihrem Leben.

  • roman am 29.05.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Guantanamo?

    In Guantamo müsste es doch Internet geben, wieso also nicht dort anzapfen. Dann hätte das FBI und der CIA auch gleich die notwendige Kontrolle !

  • M. Delgado am 29.05.2012 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eile mit weile

    Also bitte, Cuba und der nahe Osten zu vergleichen ist etwas weit her geholt. Auch wenn in Cuba ein totalitärs Regierungssystem herrscht haben die Bewohner mehr Rechte und weniger Zwänge durch die Gesellschaft zu befürchten, verglichen zum nahen Osten. Im übrigen, die wenigsten Leute verdienen in Cuba gut aber keiner muss Hunger leiden. Bildung und medizinische Versorgung sind frei zugänglich. Man kann vieles schlecht reden und auch nicht abstreiten aber in gewissen Bereichen sind sie vorbildlich.

    • Bodo! am 29.05.2012 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Hunger vs Schwarzmarkt

      Dass auf Cuba niemand Hunger leiden muss, stimmt leider nicht ganz. Ich habe dort hungrige Familien kennengelernt. Nicht hungern muss, wer über US-Dollar oder Euro verfügt.

    • Matthias Höner am 29.05.2012 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      Rechte, Armut

      Wieso fliehen soviele Cubaner nach USA? Das Paradoxe ist, am Abend wird der Strom der Bevölkerung gekappt, damit die Touristen ihren Klimaanlagen im Hotel benutzen können. Höhr mir auf mit dem Regime. Wird Zeit, dass sich da mal einen politischen Umschwung von statten geht...

    • Bianca am 29.05.2012 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Oh man

      Da geb ich Bodo recht. Wer mal ausserhalb der Touristenzzentren war, kennt das wahre Kuba. Da ist nicht alles so einfach....

    • Locopocomaloco am 29.05.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      Loco

      Hahahaha niemand muss hunger leiden? Träumst du? Kuba ist eine Diktatur! Schon vor 10 Jahre, als ich drei monate lang dort war erschte die pure Armut!

    • Bartli am 29.05.2012 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      Fidel ist da keiner!

      ..... haben die Bewohner mehr Rechte und weniger Zwänge Sie haben das Recht zu Schweigen und nicht den Zwang den "westlichen" Wohlstand zu geniessen!

    • Siegfried am 29.05.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      Kuba zeigt Alternativen zu Ausbeutung

      Vor Castro haben die Menschen in Kuba gehungert, waren medizinisch schlecht versorgt und Analphabeten. Ein Zustand den die Konolialmacht USA am liebsten für alle Entwicklungsländer sehen würde. Ungebildetes dummes Volk kann man ausbluten. So funktioniert Kapitalismus. Zum Glück gibt es in Kuba und anderen Ländern der ALBA einen alternativen Weg. Demokratischer Sozialismus des 21. jahrhunderts. Nicht einfach aber möglich. Occupy und Attac haben es bereits ausgesprochen der Turbokapiatlismus der USA und der EU hat versagt.

    • Cuba33 am 29.05.2012 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Wo denn?

      Wo hast du diese denn kennengelernt? Ich war über 4 Monate in Cuba und habe viel gutes gesehen, von dem sich einige "Westler" noch eine Scheibe abschneiden könnten....

    • Guillermo Olaechea am 29.05.2012 20:01 Report Diesen Beitrag melden

      Cuba lebt fein mit Venezuela

      So wie Delgado schreibt konnte man uch über die DDR reden, sie hat die billigen Mieten vergessen...Hunger ist nicht alles. Man sah es wie mit dem brüderlichen Sozialismus war als die Mauer fiel. Das Modell Cuba ist ein "fracaso" (mißlungen) und wäre nicht Venezuela da, die sie durchfüttert als Gegenleistung für mittelmäßige Paramediziner, wären sie schon wie die vorbildliche DDR zusammengebrochen. Sie sind nicht mal moralisch mehr Vorbild denn auch dort herscht Korruption, wie fast leider überall in Lateinamerika

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  • Clemens am 29.05.2012 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht

    Was hat Fidel Castro denn damit zu tun ?

    • Roger am 29.05.2012 10:09 Report Diesen Beitrag melden

      Zu jung?

      Lach. Das verstehst du wohl wirklich nicht. In Kuba hat alles mit "Castro" zu tun!

    • Jean Perr am 29.05.2012 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      ???????

      Lies den Artikel................

    • Bianca am 29.05.2012 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Fidel gab zwar an seinen Bruder ab, aber er ist immernoch, insgeheim derjenige der entscheidet. Sein Bruder bringt nun aber endlich, wenn auch langsam etwas Freiraum ins Spiel... Bin gespannt wie es weitergeht...

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  • Anti Ka am 29.05.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kuba=Arabien falsch

    Kuba mit den Arabischen Staaten zu vergleichen ist Irrsinn. Kuba ist kommunistisch aufgebaut, oder sollte es jedenfalls sein. Klar ist es von einem Regime regiert, dass ebenfalls totalitär herrscht. Aber dem Volk in Kuba, gewährt die regierung trotzdem viel mehr als in den Arabischen Staaten dazumals, und heute immer noch.

    • Max Schmitt am 29.05.2012 09:13 Report Diesen Beitrag melden

      Die regierugn gewährt sehr viel?

      Nur nicht so Luxus wie 24 Stunden täglich Strom oder fliessend Wasser. Ausreichend Nahrung und Artikel des täglichen Bedarfs gibts nur auf dem Schwarzmarkt, Angestellte in den Resorts für westliche Touristen werden durchsucht und bis vor nicht allzu langer Zeit wurde einem beim Verlassen der gut gesicherten "Touristenknäste" noch eingebleut, Einheimischen ja keine Geschenke zu machen, um sie nicht zu "verderben".

    • Cecil am 29.05.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      Netz bedroht alle undemokr. Staaten

      Egal ob das kubanische Volk mehr hat als die arabischen Völker hatten oder nicht. Entscheidend ist, ob sie damit zufrieden sind oder ob sie zur Ansicht kommen, ohne die aktuelle Regierung ginge es ihnen besser. Über das Internet kann die Meinung dahingehend beeinflusst und Widerstand organisiert werden, was eine Gefahr für das Regime ist. Die Staaten sind zwar unterschiedlich, aber die Bedrohung des Internet ist für alle Regierungen, die nicht in offenen und freien Wahlen gewählt wurden, die gleiche.

    • peter vogel am 29.05.2012 09:23 Report Diesen Beitrag melden

      fragwürdig

      Ok. finde deine aussage ein wenig fragwürdig. ausser du bist kubaner der aber acuh die helfte seines lebens auf der arabischen halbinsel verbracht hat. oder umgekert. wie willst du als warscheindlich gut behüteter schweizer dies beurteilen können.

    • Andreas Ramos am 29.05.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      Falshc

      @Max: Das ist falsch. Ausreichend Nahrung hat es für jeden Kubaner - niemand in Kuba muss hungern. Artikel des täglichen Bedarfs gibt es ebenfalls öffentlich zu beschaffen, jedoch oftmals in der Touristenwährung CUC und darum für viele Kubaner nicht erschwinglich.

    • Anti Ka am 29.05.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      An alle Kritiker

      Ich meine ja, Kuba ist noch lange nicht ein akzeptabler Staat, allerdings hat das Volk dort nie so leiden müssen wie in Arabien immer noch. Ich befürworte auf keinen Fall die Regierung in Kuba.

    • claudio piatti am 29.05.2012 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      an max

      ich lebte in cuba ein gutes jahr und ganz sicher keiner muss hungern im gegensatz zu vielen lateinamerikanischen ländern.....das mit dem strom und wasser ist fast überall das selbe..zumindest hier in el salvador wo ich lebe

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