Piraterie

13. November 2008 10:34; Akt: 14.11.2008 08:57 Print

Filesharing leicht gemacht

von Henning Steier - RapidShare tut wenig gegen die Lücken in seinem System. Daher liegen Millionen Songs, Filme und Videospiele frei zugänglich auf den Servern des Schweizer Unternehmens.

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Laut dem Web-Informationsdienst Alexa sind weltweit nur elf Internetseiten beliebter als RapidShare.com, das damit unter anderem eBay hinter sich lässt. Das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Cham registriert nach eigenen Angaben täglich rund 42 Millionen Zugriffe auf seine Server. Rund 160 Millionen Dateien seien bislang hochgeladen worden. Herunterladen kann man diese nur, wenn man den genauen Link kennt. Auf der Homepage heisst es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Auszug):

Ihr Downloadlink setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der File-Identifikation (File-ID) und dem Dateinamen ... Erlaubte Zeichen sind 0 bis 9, A bis Z, Unterstrich (_), Minus (-) und Punkt ...
Annahme: Die FileID hat 8 Stellen ... In unserem Beispiel müsste man aus 814 Trilliarden Möglichkeiten den richtigen Dateinamen wählen. Das ist so gut wie unmöglich.

80 Franken im Jahr

Von dieser Absicherung profitieren unter anderem Unternehmenskunden, die das Angebot nutzen, um grosse Dateien auszutauschen. Mit professionellen Nutzern macht RapidShare den Hauptteil seines Umsatzes, den Experten auf etwa 7,5 Millionen Franken pro Monat schätzen. Wer alle Funktionen nutzen möchte, braucht einen Premium-Zugang. Dieser kostet umgerechnet rund 80 Franken im Jahr.

Auch gratis nutzbar

Weil RapidShare nach eigenen Angaben nur acht Mitarbeiter einsetzt, um Links zu urheberrechtlich geschützten Inhalten zu entfernen, ist die Seite bei Raubkopierern sehr beliebt. Aber auch wer keinen Premium-Zugang hat, kann problemlos Musik, Filme und Videospiele hoch- und herunterladen - allerdings mit Einschränkungen: So werden die Dateien nach 90 Tagen gelöscht und dem Nutzer stehen nur 200 Megabyte Webspace zur Verfügung.

Gelegenheitsnutzer müssen sich aber nicht registrieren, denn seit längerem werden in zahlreichen Internetforen RapidShare-Links gesammelt, die man nur noch anzuklicken braucht. RapidShare selbst bietet keine Suchfunktion an. Davon profitieren auch neue Seiten wie RapidShareXXXX.com, deren Name hier unkenntlich gemacht ist. Mit diesen Suchmaschinen lassen sich die in Foren gezeigten Links direkt finden, ohne dass man sich auf einer Seite registrieren muss. 20 Minuten Online hat es ausprobiert und war erfolgreich - wie Sie in der obigen Bildstrecke sehen können.

«Die Beobachtung von Webseiten, auf denen Links zu RapidShare-Dateien veröffentlicht werden, geht über unsere gesetzlichen Pflichten hinaus», sagte Bobby Chang, Geschäftsführer von RapidShare, zu 20 Minuten Online, «im Kern besteht die Arbeit der so genannten Abuse-Abteilung daraus, urheberrechtlich geschützte Dateien, die öffentlich zugänglich gemacht wurden, auf Anfrage der Urheber zu löschen.»

Industrie ist machtlos

RapidShare werde immer wieder aufgefordert, Inhalte im Vorfeld zu kontrollieren, so Chang weiter. «Dies ist derzeit aber technisch und rechtlich unmöglich. Zum einen können weder technische Filter noch Abuse-Mitarbeiter den Verwendungszweck einer Datei beim Upload erkennen und damit eine urheberrechtlich zulässige Kopie, etwa eine Privatkopie im Sinne von Paragraf 53 UrhG, im Vorhinein von einer rechtswidrigen Vervielfältigungen unterscheiden. Zum anderen können Dateien in mit Passwort verschlüsselten Archiven hochgeladen werden, so dass Kontrollen über den digitalen Fingerabdruck einer urheberrechtlich geschützten Datei nicht greifen.»

Prozesse verloren

Immer wieder verklagen Unternehmen RapidShare. Zuletzt entschied das Oberlandesgericht Hamburg im Oktober, dass der Schweizer Webhoster IBM 250 000 Euro zahlen muss, falls ein raubkopiertes Programm des Herstellers weiterhin bei RapidShare angeboten wird. «Es wäre schön, wenn das Urteil klare Aussagen dazu machen würde, welche Schutzmassnahmen wir jetzt integrieren sollen», kommentierte eine Sprecherin von RapidShare die Entscheidung. Der Web-Datenspeicher verbietet in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zwar den Upload geschützter Inhalte. Weil reine Downloads in der Schweiz aber legal sind, verzeichnen Unternehmen seit Jahren sinkende Umsätze auf Grund von Piraterie. «RapidShare funktioniert offensichtlich deshalb, weil massenhaft urheberrechtlich geschütztes Material auf diese Weise illegal verbreitet wird», sagt Martin Wüthrich, Sprecher der Verwertungsgesellschaft SUISA, die sich um die Rechte von Künstlern kümmert. «Link-Suchmaschinen machen nur sichtbar, dass die AGB von RapidShare nicht eingehalten werden und die an sich privaten Links für jedermann öffentlich zugänglich sind.»