Down Under

02. Februar 2011 15:43; Akt: 03.02.2011 16:05 Print

Fingerabdruck-Scanner gegen Pub-Schläger

In Australien erfassen immer mehr Lokale die biometrischen Daten der Gäste. Gewalttätige Kampftrinker landen auf einer landesweiten schwarzen Liste. Der Staat schaut zu.

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Alkoholisierte Schläger sollen dank verschärfter Kontrollen von den Pubs ferngehalten werden. (Archivbild: Keystone)

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Vollautomatische Grenzkontrollen und biometrische Pässe gehören an australischen Flughäfen zum Daily Business. Im Namen der Terrorbekämpfung werden verdächtige Gesichter gescannt und Fingerabdrücke genommen. Tatsächlich macht die Sammelwut aber nicht bei den Landesgrenzen halt, wie die australische Ausgabe von ZDNet.com berichtet. Immer mehr Pubs, Nachtclubs und andere Gaststätten springen auf den Überwachungszug auf.

Nun sind es nicht mehr staatliche Stellen, sondern privatwirtschaftliche Unternehmen, die Big Brother spielen: Sie erfassen die Fingerabdrücke der Besucher, fotografieren sie und scannen die persönlichen Ausweise. Erklärtes Ziel ist es, gewalttätige Gäste zu registrieren, um sie in Zukunft von den Lokalen fernzuhalten. Wer negativ auffällt, kann auf einer schwarzen Liste landen. Die Daten der friedlichen Gäste werden nach spätestens 28 Tagen gelöscht, heisst es. Inzwischen soll es mehrere Datenbanken geben, die von anderen Gastrobetrieben genutzt werden können. Wer ein Lokal betreten will, um ein Bier zu trinken, muss sich einer speziellen Eingangskontrolle unterziehen und die Identität überprüfen lassen.

Wie ZDnet.com.au berichtet, habe die Einführung der biometrischen Gästekontrollen zu einem deutlichen Rückgang der gewalttätigen Zwischenfälle geführt. In einzelnen Lokalen sollen die alkoholbedingten Schlägereien um 80 Prozent zurückgegangen sein. Da verwundert es kaum, dass anscheinend die meisten Gastrobetreiber die Überwachung begrüssen. Mit dem gleichen System sollen sie auch das Mindestalter der Besucher kontrollieren können.

Derweil können besorgte Datenschützer und kritische Bürger nur den Kopf schütteln: Denn die Pub-Datenbanken unterstehen bislang keiner staatlichen Kontrolle. Was mit den biometrischen Daten passiert, sei nicht von den geltenden Datenschutzbestimmungen geregelt. Die Hersteller der entsprechenden Technik versichern, dass sämtliche persönlichen Daten verschlüsselt würden und auf geschützten Servern abgespeichert seien. Der australische Hotelverband liess derweil verlauten, dass es jedem einzelnen Pub-Betreiber überlassen sei, ob er die biometrischen Daten seiner Gäste erfassen wolle.

Keine Beschwerden?

Die Firma ID-Tect aus Queensland verfügt laut eigenen Angaben über die grösste und einzige landesweite Datenbank, in der die Pub-Schläger erfasst werden. In den letzten Wochen und Monaten sei die Nachfrage «explodiert», sagte der Geschäftsführer gegenüber ZDnet.com.au. Er beruhigt verunsicherte Konsumenten: «Sie landen nicht auf der schwarzen Liste, wenn sie nicht nach Hause gehen wollten. Sie werden erfasst, wenn sie die Sicherheit gefährden.»

Gemäss der Firmen-Website nutzen zahlreiche Gastrolokale und Hotels in grösseren Städten wie Perth und Darwin die Überwachungstechnik. Eine Anfrage von 20 Minuten Online ist bislang unbeantwortet geblieben.

20 Minuten Online hat auch bei verschiedenen Schweizer Reisebüros nachgefragt, ob es bereits Rückmeldungen von Touristen gebe wegen der ominösen Kontrollen. Der Travel Worldwide AG (Travelaustralia.ch) sind keine Reaktionen von verunsicherten Australien-Reisenden bekannt. Und auch bei Hotelplan Suisse (Skytours.ch) sind den Down-under-Spezialisten noch keine Klagen zu Ohren gekommen, wie die Mediensprecherin versichert.

Update 3. Februar: Laut dem Geschäftsführer von ID-Tect, Peter Perrett, setzten bereits «mehrere hundert Betriebe» in ganz Australien die idEye-Technologie ein. Genaue Zahlen gebe die Firma nicht bekannt. Laut Auskunft kommt das Identifikations- und Überwachungssystem in 18 der 20 bevölkerungsreichsten Städte zum Einsatz. Die landesweite Datenbank umfasst laut Perrett mehr als 1000 Personen. Diese hätten wegen gewalttätigem oder asozialem Verhalten Hausverbot erhalten in einem Lokal.

(dsc)