Autonomes Fahren

05. Oktober 2015 11:28; Akt: 05.10.2015 16:59 Print

Führerlose Busse sind nur eine Frage der Zeit

von J. Panknin - Alle reden über selbstfahrende Autos. Doch was ist eigentlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Die werden kommen, sagen Experten.

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Google, Apple, Daimler, Audi: Alle tüfteln an selbstfahrenden Autos und sorgen damit laufend für Schlagzeilen. Die Niederlande gehen jetzt noch weiter – und machen mit dem ersten führerlosen Bus von sich reden.

Der sogenannte WEpod, ein elektronischer, selbstfahrender Shuttlebus, soll ab November Passagiere zwischen den holländischen Städten Wageningen und Ede transportieren, berichtet «The Telegraph». Holland rast aber nicht allein in die Zukunft: Auch in Trikala in Griechenland werden öffentliche Busse ohne Fahrer laut Ekathimerini.com bereits getestet.


In den Niederlanden wird ab November der WePod-Bus autonom durch die Strassen fahren. (Quelle: Top_ pict/Youtube)

VBZ skeptisch

In Grossbritannien werden schon heute 800 Passagiere pro Tag in autonomen Kapseln vom Terminal 5 des Flughafens Heathrow zum Parkplatz und zurück befördert. Es scheint also, als wäre der flächendeckende Einsatz von selbstfahrenden ÖV nicht mehr weit.

Das sieht Daniela Tobler Kohler, Mediensprecherin der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), anders: «Technisch gesehen gibt es noch zu wenig ausgereifte Lösungen und als ÖV-Unternehmen ist es unser erklärtes Ziel, dass wir als Dienstleistung nicht Waren, sondern Menschen transportieren.» Es brauche nach wie vor Menschen im Tramcockpit und am Bussteuer, die behilflich sein können, wenn es nötig ist, erklärt sie 20 Minuten.

«Maschinen müssen ethische Entscheidungen treffen»

Roland Siegwart vom Institut für Robotik und Intelligente Systeme an der ETH hingegen denkt, die Umsetzung wäre mit der heutigen Technologie zumindest in strukturierten und kontrollierbaren Umgebungen bereits möglich: «Am Flughafen Zürich gibt es ja bereits den Zug ans Gate E. In komplexeren Situationen, bei denen die Fahrbahn mit anderen Verkehrsteilnehmern geteilt wird, ist es um einiges schwieriger und gefährlicher. Trotzdem wird es kommen, auf gesicherten Strecken zum Beispiel und mit Fahrzeugen, die sehr langsam fahren, um das Risiko zu minimieren und Kollisionen zu vermeiden.»

Auch der Futurist Gerd Leonhard ist sich sicher, dass bereits in drei bis fünf Jahren in der Schweiz Vehikel auf festgelegten Spuren ohne Fahrer unterwegs sein werden. «Um komplett selbstständig zu fahren, müssten Fahrzeuge allerdings über künstliche Intelligenz verfügen. Denn die Maschine müsste auch ethische Entscheidungen treffen, die normalerweise dem Menschen vorbehalten sind. Bis diese Technologie so weit ist, wird es noch länger dauern», meint er.

Der Mensch muss den Roboter akzeptieren

Laut Leonhard müsse es zudem erst einmal einen kulturellen Wandel geben, auf den der Mensch im Moment noch nicht wirklich vobereitet sei: «Der Mensch muss erst akzeptieren, dass er mit einem Roboter fährt.» Dem pflichtet auch Thomas Sauter-Servaes, Studienleiter Verkehrssysteme an der ZHAW, bei.

Zwar hätten autonome Systeme derzeit noch keinen Nutzen für den Verkehr, da sie noch nicht bei Nacht, Regen oder in der Rushhour fahren können. Doch für ihn sind führerlose Busse und Trams nur noch eine Frage der Zeit: «Automatisierte Systeme werden kommen. Ein Projekt wie der niederländische WEpod könnte einen Gewöhnungseffekt haben und die Akzeptanz in der Gesellschaft schon im Voraus steigern», sagt Sauter-Servaes zu 20 Minuten.

Wären Sie bereit, sich von einem führerlosen Bus oder Tram befördern zu lassen? Diskutieren Sie mit!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jimmy am 05.10.2015 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch

    Die Erde ist Überbevölkert, die Technik erleichtert uns die Arbeiten und ersetzt Arbeitsplätze. Das kommt nicht gut... kurz gesagt es wird nicht aufgehen.

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  • KampfundStahl am 05.10.2015 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    und wie solls weitergehen?

    und was wird mit all den Busfahrern? klar, jobs werden durch Fortschritte abgelöst, aber wie soll das weitergehen, bzw. werden Buschauffeure irgendwie dafür entschädigt? und wenn dann irgendwann alle jobs durch maschinen abgelöst wurden, werden wir alle arbeitslos sein und kein geld haben, oder profitieren wir davon? ich sehe eine Welt, die von CEOs regiert wird, welche genügend Roboter besitzen und die haben das ganze geld und wir keines. wie auch? unsere jobs werden von maschinen erledigt.

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  • rumpelstilzchen am 05.10.2015 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    technik

    und was passiert dann mit den chauffeuren? was sollen die dann noch arbeiten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerry Grob am 06.10.2015 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wer fährt mit ?

    Ja ja, wir sparen uns den Pöstler, den Milchmann, den Buschauffeur usw. usw. ... Haben diese "Experten" bei ihren Forschungen berücksichtigt, dass sie eventunnel gar keine Passagiere haben werden, weil diese ihren Job verloren haben und sich den Bus nicht leisten können. Leute die Geld haben, fahren im Auto und dem Rest graut es, sich in so eine Büchse zu setzen, die nicht genau weiss wo sie hinfährt.

  • busfahrer am 06.10.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wird noch laaaaaange dauern...

    bis das flächendeckend kommt. Möglich, dass das am Flughafen von Terminal bis Parkplatz klappt aber in einer Stadt sicherlich nicht einfach so. Was ist, wenn ein Rollstuhlfahrer einsteigen will? Was ist, wenn ein Passagier sich verletzt? Wer beantwortet die Fragen von Passagieren (hält dieser Bus bei X?, wie komme ich am besten zu Y?, ist dieses Billet gültig bis Z? )? Trauen sich die Leute überhaupt, autonome ÖV Mittel zu benutzen? Im Flugverkehr ist es ja schon Jahrzente lang möglich (Autopilot) und trotzdem sitzen nach wie vor 2 Menschen am Steuerknüpel also nicht zu optimistisch ;)

  • Wessels am 06.10.2015 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann endlich?

    Alle Technologien für den vollautomatischen Personen Transport Layer sind existent. Das beste Beispiel wie ist das Container Prinzip. Container und Rollmaterial sind getrennt, wodurch ein Container mal auf dem Schiff, mal auf Eisenbahn, mal auf Lastwagen befördert wird. Als Rollmaterial gilt dann Schwebebahn, Eisenbahn, Magnetschienen u.a. Bitte aber global normieren!

  • peter impel am 06.10.2015 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    öv

    naja die meisten sehen ja ehr geschwürig aus ich werde weiterhin selbst fahren ansonsten kann ich ja den öv benutzen. was mich wundert warum ein bus selber fahren soll da gibts täglich 100 ereignisse, ein zug fährt von a nach b warum ist der nicht selbstfahrend? der ist auf einem gleis ohne hindernisse etc.???

  • Haribald Huser am 05.10.2015 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache für ländliche Gebiete

    Neue Tranportsysteme werden kommen, das ist klar. Ebenso klar ist, dass die Schweiz in diesem Bereich eher nicht zu den Vorreitern gehören wird. Wir haben bereits einen recht gut ausgebauten öffentlichen Verkehr. Für abgelegene Gebiete, die heute keinen bezahlbare Anbindung mit genügender Frequenz anbieten können ist das eine tolle Sache.