Google und Facebook

21. November 2019 02:28; Akt: 21.11.2019 06:04 Print

Laut Amnesty gefährden Konzerne Menschenrechte

Amnesty International sieht im Geschäftsmodell von Google und Facebook eine Gefahr für Menschenrechte und fordert die EU und die deutsche Regierung zum Handeln auf.

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Das Geschäftsmodell der Konzerne basiere auf «allgegenwärtiger Überwachung»: Amnesty International übt Kritik an Google und Facebook. Das Online-Netzwerk Facebook hatte im März zugegeben, die Passwörter von Millionen Nutzern in unverschlüsselter Form auf seinen internen Servern gespeichert zu haben. Facebook war im vergangenen Jahr von einer Serie von Skandalen erschüttert worden. Unter anderen kam heraus, dass die Daten von rund 87 Millionen Nutzern bei der Datenanalysefirma Cambridge Analytica gelandet waren. Daten sollen unter anderem unerlaubt im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf für die Kampagne des heutigen Amtsinhabers Donald Trump genutzt worden sein. Nach dem Bekanntwerden des Skandals hatte Cambridge Analytica angekündigt, alle Tätigkeiten einzustellen. Mark Zuckerberg am Tag vor seiner Anhörung in Washington. (9. April 2018) «Ich denke, die Leute sollten uns daran messen, dass wir aus unseren Fehlern lernen»: Mark Zuckerberg. (Archivbild) Hat sich entschuldigt und Reformen angekündigt: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (Archivbild) Massnahme nach dem Datenskandal: Facebook kündigte an, den Nutzern eine bessere Kontrolle über ihre Daten zu gewähren. Der für Cambrige Analytica tätige Datenexperte Christopher Wylie bei der Anhörung im britischen Parlament. (27. März 2018) Deutschland sieht eine «Gefahr für die Demokratie»: Facebook durch eine Brille gesehen. (Archivbild) «Die Frage, was mit den Daten von 30 Millionen deutschen Nutzerinnen und Nutzern passiert, ist eine zentrale Frage des Verbraucherschutzes»: Die deutsche Justiz- und Konsumentenschutzministerin Katarina Barley. (20. März 2018) Ruft seine Follower zum Löschen von Facebook auf: Brian Acton, Mitgründer von Whatsapp, an einer Konferenz in Laguna Beach, Kalifornien. (25. Oktober 2016) Der Druck auf ihn wächst: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich noch nicht persönlich zum aktuellen Skandal geäussert. (Archivbild) Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica, die sich mutmasslich Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern verschafft hat, beurlaubt ihren CEO, Alexander Nix. (20. März 2018) Fiel auf eine List des britischen Senders Channel 4 herein: Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix verlässt sein Büro in London. (20. März 2018) Die US-Konsumentenschutzbehörde FTC untersucht einem Bericht der «Washington Post» zufolge auch Facebook. (Archivbild) Cambridge Analytica hat nach eigenen Angaben einen Grossteil seines Wahlkampfs bestritten: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)

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«Genauso wie Regierungen die Rechte der Bevölkerung auf Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu gewährleisten haben, sind sie auch hier gefragt, dem unkontrollierten Überwachungskapitalismus ein Ende zu setzen», erklärte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko, zur Veröffentlichung eines Berichts der Organisation am Donnerstag.

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Google und Facebook kontrollierten die wichtigsten Kanäle, über die Milliarden Menschen das Internet nutzten, argumentiert Amnesty International. Zu Facebook gehören auch die Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Fotoplattform Instagram. Teil von Google ist auch die Videoplattform YouTube - und bei dem Internet-Konzern wird zudem das dominierende Smartphone-System Android entwickelt.

«Allgegenwärtige Überwachung»

Amnesty International sieht unter anderem ein Problem darin, dass Menschen für die Nutzung von Facebook- und Google-Diensten den Zugriff auf ihre Daten öffnen müssen. Das Geschäftsmodell der Konzerne basiere auf «allgegenwärtiger Überwachung», hiess es in dem Bericht der Organisation. «In einem ersten Schritt sollten die Gesetzgeber es Unternehmen untersagen, den Zugang zu ihren Diensten davon abhängig zu machen, ob die Nutzer der Sammlung und Nutzung ihrer persönlichen Informationen zu Werbezwecken «zustimmen», forderte Beeko.

Google und Facebook setzten die erhaltenen Nutzer-Daten ein, um mit Hilfe von Algorithmen «Ergebnisse im Interesse der Unternehmen zu erzielen», kritisierte Amnesty International. Das könne die Personalisierung von Werbung sein oder Verhaltensanreize, die Menschen bei den Diensten hielten. Diese Algorithmen könnten als Nebeneffekt die Meinungsfreiheit beeinträchtigen und zu Diskriminierung führen, warnte die Menschenrechtsorganisation.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beo Bachter am 21.11.2019 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für einmal richtig

    Amnesty International lässt zwischendurch viel Mist raus, bspw wenn es um gerichtlich angeordnete Ausweisungen geht. Aber bei diesem Datenschutz-Thema haben sie tatsächlich recht.

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  • keinen Deut besser, eher schlimmer am 21.11.2019 05:34 Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom, SBB etc.

    Ok, dann aber subito auch Swisscom, SBB , Krankenkassen und x andere saubere CH Firmen zumachen. Was stimmt ist, dass es einer Firma die kein Gratisangebot bietet untersagt sein muss persönliche Daten weiterzuverwenden ohne Einwilligung bzw. Vergütung.

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  • Aladin am 21.11.2019 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hassliebe

    Jeder hasst Facebook, whatsapp aber jeder nutzt sie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ibidumzältli am 26.11.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, vor allem auch...

    Amnesty International selbst. Jedes Grossunternehmen (und alle anderen Firmen) muss für das Kapital agieren und somit gegen die Menschheit. Kann man durchaus erkennen.

  • Steffi am 24.11.2019 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgerechnet Amnesty beschwert sich!

    Amnesty, dass sind doch die, welche die Briefkästen aller Haushalte penetrant mit unverlangter, auf Karton geklebter Werbung zumüllen!

  • P. Cunia-Nonolet am 24.11.2019 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer im Glashaus sitzt ...

    Und was genau macht TA Media mit den Nutzerdaten? Wieso werde ich derart aggressiv beworben für ein personalifiziertes Login? Wieso werde ich, der nie in solches haben wird, Kommentar -mässig gegenüber denen benachteiligt, die so eines haben. Aber, wenn 2 dasselbe tun, ist es eben nicht dasselbe. Zumindest nicht in den Medien der einen, oder? Konkurrentenbashing, nichts anderes.

  • Gorandi am 24.11.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blldsinn

    Schon lustig, dass diese Anklage von Amnesty zum gleichen Zeitpunkt kommt, wie die neue Gesetzgebung in Deutschland, dass jeder, der eine Barkasse hat, zukünftig ein zusätzliches Sicherungssystem haben muss, wie eine direkte Anbindung ans Finanzamt. Da ist offensichtlich der Datenschutz nicht so wichtig? Unsere Welt wird immer linker, das ist nicht gut. Womit sollen denn Google und Facebook Einnahmen generieren, wenn nicht mit Daten und der daraus resultierenden Werbung???

    • Dirk am 24.11.2019 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gorandi

      So viele Barkassen gibt es in Deutschland nun auch wieder nicht. Die meisten findet man im Hamburger Hafen.

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  • Samuel May am 23.11.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Was ist schlimmer, gezielte Werbung nach einem Webseiten besuch oder das Auszuspionieren seines Volkes um dieses nach lust und lauen zu Manipulieren sowie für dumm zu verkaufen. Es geht nur um Kontrolle und wer diese hat kann Manipulieren.

    • Was kommen wird am 23.11.2019 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Samuel May

      1. Stufe ist gezielte Werbung nach Webseitenbesuch; 2. Stufe gibt's schon; sie kommen dich abholen! 3. Stufe demnächst in diesem Theater - öffentliche Hinrichtungen sind in Planung, da bald Krieg in Europa ausbrechen wird!

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