21. April 2005 04:58; Akt: 21.04.2005 09:52 Print

Gut drauf

Mit Fotos von Partygästen lässt sich viel Geld verdienen. Ist das eigentlich legal, illegal oder einfach nur allen egal?

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Es blitzt am Pubfestival in Oberbüren, an der Forget Zürich in der Tonimolkerei und an der Winter Music Covention in Miami: Die Partyfotografen lauern heute überall. Sie knipsen für Lautundspitz.ch, Usgang.ch oder Tilllate.com. Bei Letzteren sorgen 220 Fotografen dafür, dass auf der Website immer neue Feierbilder zu sehen sind. Über 320 000 Personen besuchen die Website regelmässig – im Durchschnitt viermal im Monat. Und das innerhalb der letzten fünf Jahre, im attraktivsten Werbeumfeld überhaupt.

Mit der Partyfotografie wurde ein neues Medium geboren, dessen Inhalt nur die eine Botschaft ist: Ausgelassenheit gestern. Und Ausgelassenheit morgen. Daraus ist ein neuer Beruf entstanden: der Partyfotograf. Wie Eddy Meltzer von Eddymotion.ch, der davon lebt und sogar Ausstellungen macht.

Tilllate.com gehört zu den bestbesuchten Websites der Schweiz. Sie wird von einem Management professionell geführt, das manchmal sogar noch selbst fotografiert. Vom Dancefloor direkt in die Teppichetage: Dort ist dann Schluss mit Halligalli. Denn es geht um nicht unbeträchtliche Geldbeträge. Die Fotosites sind ein gewichtiges Kommunikationsorgan der Clubkultur geworden und werden immer attraktiver als Werbepartner für Unternehmen, die sich bei der Jugend beliebt machen wollen.

«Ich hatte die Idee schon vor Tilllate», sagt Chris Kessler von Partypicture.ch, «Ich war der erste Fotograf an Partys, der Bilder ins Netz stellte.» Das war vor sechs Jahren. Heute gibt es Dutzende von Party-foti-Sites, vor allem regional orientierte. Chris Kessler ist für sein Portal Partypicture.ch vor allem in Luzern und manchmal auch in Zürich unterwegs. Obwohl Zürich das Revier von Usgang.ch ist, den Lokalmatadoren mit 128000 unterschiedlichen Besuchern. Wie Tilllate.ch war auch Usgang.ch ein ehrgeiziges Studentenprojekt, das zum professionellen Unternehmen angewachsen ist.

Doch mit der Veröffentlichung von Fotos bewegt man sich in einer juristischen Grauzone. «Die einmalige Veröffentlichung eines Fotos im Internet ist erlaubt, wenn das Bild nicht heimlich aufgenommen wurde und der Betroffene damit zumindest stillschweigend einvestanden ist», erklärt Jurist Gian Moeri.

Oder anders ausgedrückt: Wer posiert, gibt damit automatisch sein Einverständnis, dass die Bilder im Internet – und damit quasi weltweit – veröffentlicht werden. Dies gilt allerdings nicht immer, wie Gian Moeri weiss: «Bei offensichtlich peinlichen oder intimen Aufnahmen muss ein explizites Einverständnis vorliegen.» Auch wenn es nicht so wirkt: Die allermeisten Bilder gelten rechtlich nicht als peinlich. Und sollte es dennoch passieren, dass verfängliche Bilder einem die Beziehung ruinieren: Jede Partysite entfernt die Fotos auf Verlangen sofort. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bilder offline sind, bevor der Partner online geht.


Jürg Zentner