«Kriegsverbrecher!»

27. Juni 2011 16:23; Akt: 27.06.2011 16:23 Print

Hacker gegen Tony Blair

Kriminelle IT-Cracks haben es auf den ehemaligen britischen Premierminister abgesehen und veröffentlichen im Web die Kontakte aus seinem persönlichen Adressbuch.

storybild

Da wusste er noch nicht, dass Hacker sich seines Adressbuches bemächtigt haben: Tony Blair am 6. Juni während einer Rede in Kiev. (Bild: Keystone/AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unbekannte aus dem Umfeld des Hacker-Kollektivs «TeaMp0isoN» sind im Dezember 2010 auf einen Webmail-Server eingedrungen. Dabei haben sie das persönliche Adressbuch von Tony Blair gestohlen.

Über ihren Twitter-Account beschimpften die Hacker am vergangenen Wochenende den ehemaligen Premierminister als «Kriegsverbrecher, der weggesperrt gehört.» In einem weiteren Tweet teilten sie mit, dass Auszüge aus dem gestohlenen Adressbuch von ihnen im Internet veröffentlicht worden sind.

Daten sind echt

Die Liste enthält neben Adressen und Telefonnummern von Parteifreunde, Ärzten und Angehörigen auch die Direktwahl in die Downing Street 10, dem offiziellen Amtssitz des Premierministers. «Spiegel Online» machte die Probe aufs Exempel und wählte die bei «10 Downing Street» angegebene Nummer. Nach einmaligem Klingeln nahm am anderen Ende der Leitung auch schon eine Frau ab. In der Folge stellte sich heraus, dass die Nummer korrekt ist.

In einer Stellungnahme gegenüber CNN versicherte ein Sprecher von Blair: «Diese Informationen stammen nicht von Tony Blair oder aus seinem Büro. Es scheint, dass diese Informationen von einem alten E-Mail-Account eines ehemaligen Mitarbeiters stammen, der vor ein paar Jahren für Blair gearbeitet hatte.»

Hacker gegen Hacker

Es ist nicht das erste Mal, dass das TeaMp0isoN auf sich aufmerksam gemacht hat. Seit Monaten tobt im Internet ein regelrechter Cyberkonflikt zwischen verfeindeten Hackergruppen, die sich gegenseitig das Leben schwer machen (20 Minuten Online berichtete). Mit von der Partie ist auch TeaMp0isoN. Sie hatten vor ein paar die Website eines Hackers der Gruppe LulzSec verunstaltet. LulzSec hat in jüngster Zeit neben mehreren Unternehmenswebsites auch Server des CIA angegriffen. Am Wochenende teilte die Gruppe über Twitter ihr Ende mit: «Wir sind Lulz Security, und dies ist unsere letzte Botschaft. Unsere für 50 Tage geplante Kreuzfahrt ist beendet, und wir müssen nun fortsegeln.»

(mbu)